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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1900-07-01 · 4 (Juli-August 1900) · p. Seite 105

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
IV (1900)
Issue
4 (Juli-August 1900)
Date
1900-07-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 [Der vorliegende zehnte Band der von Paul Haupt herausgegebenen ״Regenbogenbibel“, ans der Hand des bekannten Oxford er Bibelforschers, der in einer Reihe von Werken das Jesaiabuch behandelt hat, will durch die in der Ueberscbrift genannten Hilfsmittel den augenblicklichen Stand der Jesaiahexegese ״ad oculos“ demonstrieren. Für diesen Zweck wird das Werk, welches man sonst ebenso wie das ganze Unternehmen, angesichts des noch immer fluctuierenden Charakters der Bibelexegese für verfrüht zu halten geneigt wäre, mit Vorteil und Interesse benutzt werden. Der rekonstruierte hebräische Text ist durch zahlreiche, den Buchstaben angefugte Zeichen in seinen Abweichungen vom recipierten Text aufs Genaueste festgestellt und durch verschiedene Farben in seine Quellen zerlegt. Ausser den Hauptstücken des ersten Jesaiah (farblos) und des Deuterojesaiah (dunkelrot), werden die Einschiebsei des Redaktors durch hellrote Farbe kenntlich gemacht. Innerhalb des zweiten Jesaiah werden die Ebed-Ihwhlieder durch dunkelpurpurne Farbe, die Nachahmungen desselben durch hellpurpurne und die Einschiebsel, welche die beiden mit dem prophetischen Grundtext vereinigen, durch tief blaue Farbe unterschieden. Die letztere ist gleichfalls für den ersten ״Bericht״ verwandt, im Gegensatz zum zweiten, der dunkelrot gedruckt ist. Ebenso ist Kap. 23, welches der Vf. als eine teilweise spätere Benutzung des ersten Jesaiah auffasst, dunkelblau gefärbt. Endlich werden durch hellrot die Stücke eines unbekannten, mit keinem der vorher Genannten identischen Verfassers gekennzeichnet, den Duhm Trito-Jesaiah nennt, Cheyne aber unbezeichnet lässt (vgl. S. 126—127 des vorliegenden Werkes und desselben Verfassers Introduction to the book of Jsaiah pp. 283 ff.). Die dem hebräischen Text beigefügten Noten, die hauptsächlich auf das soeben genannte Buch zurückgehen, bieten eine kurze Rechtfertigung der Ansichten des Verfassers und liefern durch die äusserst sorgfältige Benutzung der einschlägigen Literatur und jedesmalige Anführung der Vorgänger ein deutliches Spiegelbild der geradezu ungeheuren Thätigkeit, die in erster Reihe Deutschland, dann England und Amerika auf die Erforschung des Bibel Wortes verwenden. Dass das Werk auch nach aussen hin äusserst splendide und mit grossem künstlerischen Geschmack ausgestattet ist, darf beim Ursprungsort des Unternehmens und dem Namen der Verlagsbuchhandlung nicht Wunder nehmen. Somit hätten wir unserer Pflicht als Referent genügt. Allein der Charakter des Buches als eines Extractes der modernen Phasis der Bibelkritik zeigt unseine Eigentümlichkeit derselben in so scharfer Beleuchtung, dass es unmöglieh ist, sie mit Stillschweigen zu übergehen. Wir meinen die Art der Handhabung der Textkritik. Wir sehen hier völlig von dogmatischen Rücksichten ab und räumen den Bibelforschern das Recht ein, ihren Text wie jeden andern zu behandeln. Allein auch ohne jede dogmatische Voreingenommenheit muss sich doch der Bibelkritiker zwei Umstände vor Augen halten, durch die bei der Behandlung des Bibeltextes eine erhöhte Vorsicht angezeigt erscheint. Es darf einerseits der Gesamtcharakter der Bibel nicht vergessen werden, deren Wortschatz uns nur sehr mangelhaft überliefert und zum Teil noch sehr dunkel ist, jedenfalls dem Sprachgut einer jeden andern semitischen Sprache an Klarheit und an Menge weit nachsteht, und deren innere Verhältnisse uns so wenig bekannt sind, dass eine völlige Aufklärung des biblischen Lexikons uns vielleicht für immer versagt ist. Man muss sich aber auch andererseits vor Augen halten, dass die Urheber des Massoratextes, die, wie niemand bezweifeln wird, init grosser Sörgfalt und Um-

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