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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1900-05-01 · 3 (Mai-Juni 1900) · p. Seite 93

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
IV (1900)
Issue
3 (Mai-Juni 1900)
Date
1900-05-01
Page
Seite 93 (sequence 29)
Language
German
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98 den verdienstvollen Mekize Nirdamim ־ Verein hier veröffentlicht worden. Schon früher hatte K. die Bedeutung der Pisaner Familie Jechiel an das Tageslicht gezogen und namentlich die Biographie des Verfassers in eingehender Forschung aufgehellt (Revue des Etud. Juiv. Tome XXVI (1893) S. 83 ff.), deren Ergebnisse die Vorrede zusammenfasst. Darnach war dieser jüngere Jechiel ein merkwürdiger Mensch; hochgebildet und viel belesen neigte er doch der Mystik zu. Er besass ein grosses Bankgeschäft, hielt ein vornehmes und offenes Haus, kaufte Bücher, liess Handschriften abschreiben, schrieb־ selbst manche ah; streng religiös und talmudisch gelehrt zeigte er für alle geistigen Interessen seiner Zeit einen offenen Sinn und eine freigebige Hand. Diese Gegensätze spiegeln auch in unserer Schrift wieder, die schon darum willkommen ist, weil wir aus dem 16. Jahrh. nur wenig - philosophische Schriften überhaupt besitzen. Sie wirft auch auf die damalige Geistesrichtung ein helles Licht. Das Ansehen der Philosophie ist im Sinken, der Aristotelismus befriedigt nicht mehr, man nimmt an der unzureichenden und unklaren Psychologie Anstoss. Die kabbalistischen Eeime, welche die spanischen Exulanten überall ausstreuen, finden daher einen empfänglichen Boden; man darf wohl annehmen, dass die überraschenden Entdeckungen ungeahnter Erdtheile und neuer Seewege selbst philosophisch angelegte Köpfe aus dem Gleichgewicht gebracht, und damit den Glauben und die Förderung erklären, welche ein Abenteurer wie David Reubeni selbst bei Jechiel gefunden hat, vielleicht auch theilweise hieraus die immer weiter umsichgreifende!Neigung zum Mystizismus herleiten. So ruht der Grundgedanke des vorliegenden Buches auf durchaus kabbalistischer Grundlage und zeigt sich von Nachmanides’ Pentateucherklärung stark beeinflüsst. Der Verfasser wendet sich gegen die Philosophie, oder, wie er erklärt, vielmehr gegen ihre Ueberschätzung, und macht zum leitenden Gedankengang die Polemik gegen das zwei Jahrhunderte vorher erschienene כתב התנצלות des Dichters Jedajah- Penini. Indem er die einzelnen Punkte dieser bekannten, zu Gunsten der Philosophie gegen Salomo ben Adreth eiütretenden Schutzschrift durchgeht und widerlegt, behandelt er die wichtigsten Probleme der mittelalterlichen Spekulation und kommt zu dem Schluss, dass alle wirklichen Aufschlüsse über Gott, Seele und Schöpfung von der Offenbarung herrühren, während die Philosophie Alles hinterher bekrittelt, verdunkelt und den Geist verwirrt. Voraussetzung dabei ist freilich, dass man in den Geheimsinn der Thorah eindringt, in welcher jedes Pünktchen bedeutsam ist. Originelle Gedanken werden von dem Buche nicht geboten, aber der Verfasser bekundet eine grosse stylistische Gewandtheit und eine ausserordentliche Belesen-

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