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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1900-03-01 · 2 (März-April 1900) · p. Seite 61

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
IV (1900)
Issue
2 (März-April 1900)
Date
1900-03-01
Page
Seite 61 (sequence 29)
Language
German
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61 Schriftgelehrten wussten die Bibel ohne Zweifel Wort für Wort auswendig. Es existirten also zwei Texte: ein geschriebener und ein im Gedächtniss aufbewahrter. Zwischen diesen zwei Texten ergaben sich im Laufe der Zeit naturgemäss gewisse Differenzen. Wie die Feder des Abschreibers, erzeugt auch das menschliche Gedächtniss Text Varianten, die den ersteren nicht unähnlich sind. Einen schlagenden Beweis liefern für diese Annahme die mündlich tradirten Mischnas und Baraithas, die von Varianten wimmeln. Unter den verschiedenartigen Gründen, welche eine vom Gonsonantentext abweichende Lesung erzeugten, dürfte das neuhebräische Sprachgefühl einen hervorragenden Platz einnehmen. Unbewusst las man hier und da statt der vom Kethib vertreten älteren Wortform die jüngere, wofür viele Beispiele sprechen. Ebenso mag auch nicht selten der Abschreiber, von seinem Sprachgefühl verleitet, die jüngere Wortform in den Text gesetzt haben, was erst durch das Kere verbessert werden musste. Auf Details können wir hier *natürlich nicht eingehen. In der Aufzählung der lecta et non scripta (91) fehlt Ruth 11,11 und bei den scripta et non lecta fehlt Jeremias XXXII, 11. Ginsburg (311), dem W. hier folgt, hat beide Stellen. — Zu den Ausführungen über die Verseinteilung (93—94) verweise ich auf meine Masoretischen Studien in JQR IX, 122. W. meint, die Entstehung der‘ Verseintheilung stehe mit der Regel, dem aramäischen Dolmetscher aus der Tora nur einen und aus den Propheten drei Verse auf einmal zu lesen, in Zusammenhang. Es ist aber ganz sicher, dass diese Regel nicht so alt ist, wie die Einteilung in Versen. Die ססקא באמצע פסוק sind gewiss nicht so alt, wie die פסוקים, und der leere Raum, der ihre Stellen anzeigt, ist eine spätere Einführung. Ein ganz schlechter Einfall ist die Annahme, die Eintheilung in• offene und geschlossene Paraschen hätte lediglich den Zweck der ״bequemlichen Verweisung״ gehabt (95). Dem gegenüber genügt es die Thatsache in Erinnerung zu bringen, dass Talmud und Midrasch nie nach Abschnitten citiren, sondern lediglich die Schriftstelle anführen, in der sichern Annahme, dass dieselbe jedem Hörer bekannt sei. Dass Psalmen, Sprüche und Job auch im Hebräischen stichisch geschrieben waren, ist sowohl aus den Vor- Schriften der jüdischen Tradition, als auch aus den Bibelhand- Schriften erwiesen. W. behauptet also (97) vergeblich das Gegentheil mit Berufung auf Variationen. Giebt es denn in der LXX, die auch nach W. stichisch geschrieben war, keine Variationen der Codices in diesem Punkte? — Ueber die Behauptung, jedes Buch war als separate Rolle geschrieben, habe ich mich schon oben geäussert. Seite 98 schreibt W.: ״Bis gegen das 3. Jahrhundert

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