Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- III (1898)
- Issue
- 5/6 (November-Dezember 1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 183 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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J. Verhältnis zu dem israelitischen Individuum nach altisraelistischer Anschauung. Jeder Teil enthält mehrere Kapitel, durch welche die' oft behandelten schwierigen Fragen übersichtlich geordnet werden sollen. In der Einleitung wird über die Hauptströmungen in der Auffassung der jüdischen Religionsgeschichte Bericht erstattet und betont, dass auch die ״vorurteilslosen״ Forscher von Vorurteilen befangen sind, indem sie, gleichviel ob bewusst oder unbewusst, von dem Bestreben erfüllt sind, den Verlauf der Religionsgeschichte Israels dem anderer Völker anzupassen. S. will nun zeigen, dass die Reconstruktion einer israelitischen Religionsentwickelung nach dem Muster, wie sie bei anderen Völkern gefunden wird, eine misslungene ist. Selbst wenn die heute herrschende Quellenscheidang und Litterarkritik angenommen wird, wie es auch V. thut, ist die Voraussetzung, das alte, vorprophetische Israel hätte einen rohen Gottesbegriff gehabt, unberechtigt. Namentlich wendet sich S. gegen die herrschende Annahme, dass erst die Schriftpropheten den ethischen Monotheismus im Gegensatz zur Volksreligion als etwas ganz neues begründet hätten: ״auf vierfachem Wege fanden wir, dass das, was die ältesten Schriftpropheten wie die Propheten der altisraelitischen Periode an religiösen Vorstellungen besassen und bekundeten, Gemeingut einer ganzen Strömung im Volke muss gewesen sein, dass also, so gewiss jene auch zu allen Zeiten sich über ihre Zeitgenossen erhoben, es . von vornherein unberechtigt erscheint, den prinzipiellen Unterschied zwischen einer prophetischen und einer Volksreligion in Israel zu machen״ (S. 57, vergl. S. 113). Der Standpunkt, den Verf. einnimmt, ist einerseits bibelkritisch, andererseits offenbarungsgläubig. Er schliesst sich den literärhistorischen Aufstellungen der kritischen Schule an, hält aber sachlieh im Grossen und Ganzen den Offenbarungsglauben fest (vergl. S. 234), er gehört also zu jener Schule, deren bekannte Vertreter in Deutschland König, Strack und A. sind. Um seine Anschauungen zii rechtfertigen, polemisiert S. allzu oft mit Stade, Smend, Wellhausen, Kuenen, Marti, Schwally und Anderen, wäs auf den Leser nicht selten ermüdend wirkt. Hat man sich aber durchgearbeitet, ist man dem Verfasser für vielfache Aufklärungen, Anregungen und Belehrungen dankbar. Störend wirken auf den wissenschaftlichen Leser die christianisierenden Auslassungen des Verfassers, die in diesem Werke nicht am Platze sind (vergl. z. B. S. 1, 191, 205, 213). Nicht zu billigen ist auch das folgende Argument des Verf/s für den objektiven Akt der Offenbarung Gottes an Mose. S. meint nämlich, dass der ethische Zug der jüdischen