Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- III (1898)
- Issue
- 5/6 (November-Dezember 1898)
- Date
- 1898-11-01
- Page
- Seite 181 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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181 ל sondern Läuterung der Triebe wird daher gefordert. Die Freudigkeit des Daseins ist ein integrierender Teil eines ethisch-gesunden Lebens. Als Ziel der Sittlichkeit war angegeben worden die Heiligung des Lebens, diese ist aber nicht anders möglich, als durch die Vereinigung der־ Menschen, denn nicht der Einzelne, sondern nur die Gesamtheit kann in wahrem Sinne heilig sein. Jede vollkommene Ethik muss daher Socialethik sein, und die Ethik des Judentums ist im eminentesten Sinne Socialethik. Dies das Gerippe des Lazarus’schen Werkes. Es fehlt in unserer Darstellung das Fleisch und Blut, die Fälle der einzelnen neuen Gedanken, die dem Werke seine Bedeutung geben, die geistvollen und tiefsinnigen Ausdeutungen alter bekannter Sprüche. י Doch das Werk yon Lazarus ist noch mehr als eine Darbietung einzelner philosophischer Gedanken. Es ist der erste Versuch — und L. führt in einem der Anhänge auch den Nachweis, dass die bisherigen Versuche gescheitert sind — eine systematische Darstellung der jüdischen Ethik zu geben. Der uns zur Verfügung stehende Raum gestattet es uns nicht, dem Verf. in allen seinen Gedankengängen zu folgen. Wir fügen daher hier nur einige Bemerkungen an. Wir brauchen nicht erst yorauszuschicken, dass der Wert des Ganzen durch noch soviele Ausstellungen nicht tangiert wird. Das Werk ist bahnbrechend und wird, so hoffen wir zuversichtlich, eine Reihe von Einzeluntersuchungen zur Folge haben, für die L. selber an vielen Stellen der Anhänge Fingerzeige giebt.*) — Zunächst scheint uns, dass es L. nicht gelungen ist, die Ethik von der Religion so säuberlich zu scheiden, wie er es wünscht. Der Versuch wird wohl auch kaum gelingen. In dem Streben, Hartmanns Angriffen auf jede theologische Ethik entgegenzutreten, möchte L. auch der jüdischen Ethik die Würde der reinen Autonomie zuschreiben und entschuldigt ihre Beziehung zu dem Gottesgedanken. Wenn L. wirklich aus dem Gesamtgeist unseres Schrifttums schöpfen will, wenn er das ethische Bewusstsein des jüdischen Volkes belauscht, dann wird er sich sagen, dass dem echten Juden vom alten Schrot *) Besonderer Dank gebührt L., dass er das Werk so abgefasst hat, dass auch derjenige, der, wie wir, den religiösen Standpunkt des Verfassers nicht teilt, das Buch lesen kann, ohne sich verletzt zu fühlen. Besonders wohlthuend berührt die Pietät, mit der L. an unsere grossen Erklärer im Mittelalter herantritt. Nur ein einziges Mal lässt er sich zu einem Ausdruck hinreissen, den wir bedauern. Raschi ״verhunzt“ (S. 892) niemals etwas! aber am allerwenigsten an dieser Stelle, denn Raschi will ja dem Gedanken absolut nichts von seiner Bedeutung nehmen; er will nur erläutern, wie’ der äussere Anknüpfungspunkt für den Gedanken gegeben ist. Das hätte L. auch sofort aus der unmittelbar darauf folgenden Raschistelle sehen können; zu den Worten ובנביאי אל תרעו אלו תלמידי חכמים bemerkt Raschi מנאמר ונביא לבב חכמה.