Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1897-05-01 · 3 (Mai-Juni 1897) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
II (1897)
Issue
3 (Mai-Juni 1897)
Date
1897-05-01
Page
Seite 83 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2254995-7565887-7600076--0297-2255273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

83 la Bibliotheque Nationale. Extrait des mämoires präsentes par divers savants ä l’Academie des Inscriptions et Beileslettres I® serie, tome X, 2re partie. Paris, Impr. Nationale, 1897. 2 Bl. u. 318 S. 4°. [Die Geheimwissenschaften gehören im Allgemeinen zu den schwierigsten Disciplinen. Nicht nur weil unserer nüchternen Denkweise das psychologische Verständnis für sie ahgeht, sondern vorzüglich wegen mangelhafter Kenntnis des objectiven Thatbestandes. Die Mystik im weitesten Sinne des Wortes ist in ihren ältesten Bestandteilen bloss in Bruchstücken und in unlitterarischer Form an das Tageslicht getreten. Dir Quellpunkt, welcher in prähistorischer Zeit־ liegt, ihr Wachstum, welches seine Säfte aus den disparatesten Elementen gesogen hat, sind fast ganz unbekannt. Der Synkretismus ist das vorzüglichste Charakterzeichen des Aberglaubens und des Occultismus in allen seinen Arten und Abarten; alle Zeiten und Völker haben ihren Anteil an diesen Produkten der geheimnisvollen Menschenseele. Es ist daher begreiflich, dass uns diese Erscheinungen allzu oft als unlösbare Räth3el entgegentreten. — Schwieriger noch als jede andere Mystik, dürfte die jüdische sein, welche eine Geschichte von mehr als zwei Jahrtausenden hinter sich hat und deren Vaterland die ganze alte Welt ist. Babylonien, Syrien und Aegypten, die klassischen Länder der Astrologie und Magie, haben. im Altertum eine zahlreiche jüdische Bevölkerung beherbergt, welche des Einflusses des Volksglaubens hei aller Treue für die väterliche Religion sich nicht erwehren konnte. Auf diese fremden Einwirkungen wird auch ein Teil des palästinensischen Aberglaubens im Zeitalter der Tradition zurückgehen, wenn auch nicht geleugnet werden kann, dass nach Abzug desselben noch immer ein ansehnlicher Rest von genuinem Wahnglauben verbleibt. In naehtalmudisclier Zeit hat der jüdische Mysticismus immer weitere Kreise und neue Stoffe in seinen Bereich gezogen, bis er in den Ländern des christlichen Europa zur höchsten Blüte gelangte. Ohne Frage hat der Volksglaube der europäischen Nationen der alten jüdischen Mystik neue Nahrung zugeführt und ein wissenschaftliches Verständnis seiner Produkte wird nur ein vergleichendes Studium der christlichen Mysfik ermöglichen. In bunter Mischung findet sich da Altes und Neues, Asiatisches und Europäisches vereinigt. Wie tief sich die Kabbala eingenistet hat, zeigt der Umstand, dass sie noch heute zahlreiche Anhänger besitzt und dass sie noch immer neue Triebe ansetzt. Die bunten Bilder des jüdischen Mysticismus, mit welchem Namen wir hier alle Arten des Aberglaubens und Zauherwesens bezeichnen, können wissenschaftlich nur dann begriffen werden, wenn sie nach Entstehungszeit und Ursprungsort gesondert und im Zusammenhänge mit dem allgemeinen Mysticismus studiert werden. Wenn man von der mehrfach behandelten biblischen Zeit ahsieht, wird man die folgenden drei Hauptepochen unterscheiden können: 1. Zeitalter des Talmuds, 2. Zeitalter der Geonen, 8. europäisches Mittelalter. Innerhalb dieser Epochen wird man auf die verschiedenen Länder Rücksicht nehmen müssen. Bisher hat man das Augenmerk vorzüglich auf die Literaturgeschichte der Mystik gerichtet. Den ersten Schritt hat auch auf diesem Gebiete Zunz gethan, der in den Gottesdienstlichen Vorträgen der ״Geheimlehre“ ein besonderes, lehrreiches Kapitel gewidmet hat. Nach ihm hat dieses brachliegende Feld Jellinek angebaut, der nicht nur mehrere Abhandlungen über die Kabbala veröffentlicht, sondern auch in den 6 Bänden seines Beth Hamidrasch viele

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.