Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- II (1897)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Sezer sein Verdienst und sein Brod nicht zu nehmen, sondern auch in der Folge die Sache beim alten zu lassen. Ich war sogar so redlich nach dem Verkauf der L’schen Druckerei (welche noch ganz und gar oberamtlich gesiegelt stehet) dem Juden die ganze hebräische Schrift zum offenen Gebrauch in den Händen zu lassen, er hat sie noch und bedient sich derselben vor wie nach. Bei unredlichem Denken oder nur bei vorsichtigem Denken hätte ich solche auch zu meiner Sicherheit versiegeln lassen können, dadurch würde sein Geschäft, sein Sezen in eben der Unthätigkeit seyn, in welcher die ganze L’sche Druckerei noch ist. Hätte er darunter gelitten, darüber geklagt, so hatte ich, so habe ich bis diesen Augenblick die nehmliche Klage zu führen und führe sie nicht. — Ohne Neid, ohne Missgunst ohne Erschwerung, ohne Aufenthalt wird dem Juden sogleich jeder gesezte Bogen gedruckt. Er wird nicht um die Zalnng gedrängt, es ist ihm noch nicht gefordert worden. , Ich habe ihm erklärt, er solte es halten, wie es in der L’schen Druckerei gehalten worden, ich sei mit allem zufrieden, nur das einzige habe ich gethan, dass ich Ihnen vor 1500 Bogen zu drucken 15 er. mehr gefordert, weil ich meinen Leuten auch mehr bezalen mus und weil ich (erweislich aus dort gedrnkten Bogen) ächte also auch theurere Farben zum Drucken nehme. Was haben also die Juden zu klagen? Warum wollen Sie zu meinem jezigen wahren Nachtheil ein eigenes Privilegium, eine in allem Betracht zu wichtige Sache vor die Juden? Wer wird bei allen Eiden, bei aller Vorsicht die Misbräuche, die vorfallen können und werden, genug steuern, abwenden können? — Um immer vor alle fürstl. Arbeit parat zu seyn, halte ich, gewiss mit grossen, fast unerschwinglichen Kosten 10,12 Leute in meiner Druckerei. Diese mus ich, wenn keine fürstl. Arbeiten im grossen Vorkommen, durch gewagte, speculatirliche Arbeiten beschäftigen. Bei grossen Auflagen die Sezer, bei kleinen Auflagen die Drucker zu beschäftigen suchen, es so eintheilen, dass keiner feyern darf, denn auch, wenn sie feyern, mus ich sie bezalen. Dieses Gleichgewicht ist aber obnmöglicli so genau zu treffen, dass ich darunter nicht oft leide, das Verhältnis ist oft nicht zu egalisiren. Bei dem Calender75), welcher 15000 Aufläge ist, mus jeder Bogen 2mal roth und 2mal schwarz gedruckt werden, ein Bogen zu 15000 Auflage wird demnach 60 000 mal gedruckt. Es ist also sichtbar, dass während des Calender-Drnck meine Sezer weniger Beschäftigung haben. Ist dann geendigt, habe ich sodann eigene Verlags-Artikel auf Specnlatirlichen Nuzen oder Gewinn oder Abgang, so ist die Auflage 1000 nach dem Calender-Dmck, ohne Roth gerechnet 2000. Dieses ist ein leichtes Tagewerk vor eine Presse, aber kein Tagewerk vor einen Sezer, letzterer braucht zu einem solchen Bogen 2 Tage, auch mehr — und nun mus eine oder die andere Presse feyern. warten bis wieder ein Bogen so kleine Auflage fertig ist und dieses Feyern und Warten mus ich bezalen. Kömmt nun ein hebräischer Juden Bogen mir hier zu statten, so habe ich doch einige Vergütung dieses Schadens. Der Juden-Sezer sezt wöchentlich etwa 2 Bogen, dieses ist dann bei mir, was es vorher in* der L’schen Druckerei — Einschaltung. In dieser Rücksicht macht man ihnen auch die Drucke um einen billigeren Preis. Einen solchen Juden-Bogen zu drucken, braucht eine volle Presse anderthalb Tage und nicht mehr, folglich kann der Jude mit einer eigenen Presse nur die halbe Woche arbeiten, will er sie nur halb gehen lassen, so kann er die Woche freilich so 75) Fecht S. 821.