Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- II (1897)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Wir sahen längst, dass Chr. Artax. für den Sohn und Nachfolger des Dar. hielt; das ist ja wohl X. Aber wie kam dasV Offenbar wurde zur Zeit des Chr. längst X. an Stelle des Artax. von den Juden gefeiert. Die Lieder, die das kleine Volk seinem Wohlthäter Artax. sang, waren hineingerissen worden in den Weltruhm des X. Die' hebe volle Erinnerung der Juden übertrug sich auf X., wie die deutsche Kaisersage von Friedrich II. auf Friedrich I. Erst der Reichtum und die Macht des X. breiteten den rechten Glanz um Esther und Mordechai. Die Gelehrten hatten vor dem Volke voraus, dass sie noch einen zweiten Namen für X wussten: Artax. Chr. braucht ihn mit Stolz (und uns zur Freude; denn sonst, welche Verwirrung erst dann!). Bei der ersten Erwähnung jedoch, wo er grade bei der Aufhellung eines Missver- Verständnisses ist, geruht er populär X. zu schreiben. Nur ganz am Anfang unter bösem Einfluss konnte X., d. i. Artax., so feindlich gegen die Juden auftreten. Den Tempelbau hat er bereits eifrig gefördert (6,14). Chr. hat in diesem Zusammenhänge jeden Satz und jedes Wort genau bedacht. IV. Sind uns die Lieder1) erhalten, die den allverehrten Artax. besangen und die bei der Hellenisierung des Orients, gleichwie der Bär sich aus der dichter werdenden Schneedecke einen schützenden, weissen Pelz schnitt, den Namen und wohl einige Charakterzüge des Xerxes sich anpassten?2 *) Und wenn alle untergingen, ein Jahr konnte der Volksseele nicht sterben: Das Jahr 44645־: Die Anfeindungen der Samaritaner und ihrer Bundesgenossen ringsum unter Führung der persischen Beamten sind auf ihrem Höhepunkt. Auf Grund oder Ungrund einer Botschaft des bisher judenfreundlichen Artax. deren Eintreffen mit wendender Reichspost die Juden nach der 3. stürmischen Eingabe der Gegner mit dem Gefühl von Sehlachtlämmem erwarteten, überziehen sie Jerusalem mit Kriegsmacht (Esr. 4,23), stürzen die Mauern, verbrennen die Thore (Neh. 1,3), verwüsten die Stadt (N. 2,3.17). Kaum aber ist der Winter um8), da erscheint, vom König selbst mit Kriegsmacht ausgerüstet (N. 2, 9), der Retter. Von Stund an sind die Perser neutral, die Juden mit Schwert und Kelle den Feinden gewachsen. In 52 Tagenist mit vereinten Kräften die Mauer wiederhergestellt. Dieser durch einen neuen Entschluss des Königs herbeigeführte wunderbare Umschwung sollte vergessen, nicht inbrünstig betrachtet, nach allen Seiten erklärt werden? Sollten die Enkel von der Bestrafung der Feinde, die unmöglich gewesen war, nicht wenigstens träumen und singen? Hatten sie alle nationale Ehre eingebüsst? Nein, jahraus, jahrein, wenn die Perser dem Frühling entgegenjauchzten, mischten sich die Jubellieder der Juden auf ihren unvergesslichen König ein, ob auch der Name nach langen Jahren sich änderte, was verschlug’s! Längst war jeder Missmut gegen ihn gewichen und hatte sich zornig die Verkörperung der Gegnerübermacht'in dem Minister, der ihr diente, geschaffen4 *). Längst stand ihm die jüdische Frau zur Seite, die Verkörperung seiner Liebe zu Israel, die ihn zum Widerruf des voreiligen Beschlusses, soweit der persische König durfte, bestimmte. Das Unglück und die Schande, י) Wir forderten sie, um nicht mehr ohne Grund dem Chr. den unuiögliehen Unsinn anzuhängen, den erst M. ganz klar aufzeigte. 2) Auch hatte der Satrap Bagoses den Namen Artax. (II) verhasst gemacht. 8) Selbstverständlich wird Neh. noch im selben Jahre durch Hanani benachrichtigt (geg. M. 57.) 4) Auch Susa im ganzen judenfreundlich (Esth. 3,15. 8, 15; das Susathor der Tempelmauer: Midd. 1, 3. Kel. 17,9. Menach. 98 a).