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Hebraeische Bibliographie · 1864-11-01 · No. 42 November-December · p. [Seite 133]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band VII. 1864
Issue
No. 42 November-December
Date
1864-11-01
Page
[Seite 133] (sequence 9)
Language
German
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Eindruck wiedergeben, welchen die Auseinandersetzungen des Vf. auf mich gemacht. Sein Standpunkt ist ein christlich-germanischer, sittenpolizeilicher, der, bei allen liberalen Redensarten, sich über gewisse Vorurtheile nicht erheben kann, und die Weltentwicklung yon der Nachtseite des Verbrechens aus beurtheilt. ״Die Zunftfolien sind die Geburtszeugbisse des deutschen Bürgerthüms und die Beglaubigung seiner bürgerlichen Weihe, in welcher der Kerii und die volle sittliche Kraft des deutschen Volkes sich entwickelte. D|e Zünfte schufen den deutschen Handel und machten ihn stark und mächtig. Sie hegten und pflegten die Wissenschaft(!) und Kunst und dächten (sic) und schufen zuerst die fromme christliche Malerei und Kunst. .. Wenn man die Sprache in ihrer würdigsten Gestalt bezeichnen will, so sollte man sie nicht ״Sprache der Bildung“, sondern geradezu die ״Sprache der Zünfte nennen“ (III, 117). Zucht, Ordnung und Gehorsam verdankt man ihnen ״Wenn es ja einen Absolutismus in den Zünften gab, so war es der Absolutismus der strengen Sittlichkeit“ (S. 118). Dass das deutsche Zunftwesen die Juden geradezu verhindert habe, sich von Handarbeit zu ernähren, und dass nur noch Zunftgeist es ist, der ihnen die Thüren verschliesst, hat der Vf. bei allen culturhistorischen Studien nicht erkannt, wenigstens es bei der vorgeblichen Verbindung mit dem Gaunerthum nicht in Anschlag gebracht. - Nur schüchtern wage ich, seine Construction des deutschen Gaunerthums als einer geschichtlichen zusammenhängenden Erscheinung überhaupt anzuzweifeln, da mir die nöthige Specialkenntniss fehlte aber seine Darstellung hat mir wenigstens nicht die Ueberzeugung eines stetigen Organismus in demjenigen, was man wohl in abstracto als ״Gaunerthum“ bezeichnen und chronologisch aneinanderreihen kann, beigebracht. Seine waghalsigen, mitunter lächerlichen Hypothesen auf dem Gebiete der Sprache und Literatur (von welchen in einem 2. Artikel) erwecken gerade kein günstiges Vorurtheil für seine zum Theil darauf gebauten Combinationen, abgesehen von den Mystifikationen, denen alle Forscher auf solchen Gebieten ausgesetzt sind, wie der Vf. selbst mehrfach andeutet (u. A. III, 190, 191). Ein specifisches ״jüdisches Gaunerthum,“ wie es bekanntlich von Thiele aufgestellt wordenj bestreitet Vf. freilich mit aller Energie, und man müsste sich wundern-, dass• er noch überhaupt diesen Ausdruck gebraucht (z. B. S. III, 1״ :24־dass das j. G. zu jener Zeit wahrlich seine Hände nicht in den Schooss gelegt“),, er durfte consequenter'Weise nur von jüdischen Gaunern sprechen. Aber auch er hat, wenn überhaupt eine bestimmte, jedenfalls eine gauz verschrobene Vorstellung von dem Verhältnis^ von Judenthum und Gaunerthum. Er. findet es ״erklärlich, wie das von^lF^dheST ailgemeinenVerachtung in •die niedrigsten Volksschichten hinabgedrückte Jüdenthum so leicht vom Gaunerthum gefunden, und wie bei dem gemeinsamen Bewusstsein der Verfolgung und der Nothwendigkeit des Verstecks eine Association zwischen beiden herbeigeführt werden musste, welche an der gegenseitigen geistigen Behändigkeit und an der beiderseitigen Künstlichkeit(!) und Heimlichkeit des Thuns und Treibens eine vollständige Befriedigting(!), Sättigung und Belehrung(!!) fand“ (HI, 196). Hier findet der christlichgermanische Gauner nicht ap dem jüdischen Verbrecher, sondern an dem verachteten Juden überhaupt seinen natürlichen Gefährten! Wäre es psychologisch und historisch richtig, dass der wegen* seiner Ueberzeugung Verfolgte sich zum Verbrecher geselle; so müsste man sich nicht bloss über die äusserst geringe Vertretung des Gaunerthums unter den Juden wundern, sondern alle verfolgten Secten durften sich nicht grade durch Streben nach Sittenreinheit und Askese auszeichnen! Der Vf. kennt in der That das Judenthum nur. aus Criminalacten, er weiss nicht, dass die verfolgten Juden mit gleicher Verachtung auf verfolgungswerthe Verbrecher unter ihnen und die im Namen der Religion verfolgenden Verbrecher herabsahen; dass sie ״Befriedigung, Sättigung und Belehrung“ am allerwenigsten bei der Hefe des Volkes suchten, mit denen ein verkümmertes Leben sie mitunter zusammendrängte; er hat das grosse Wort Shylok’s vergessen: ״Ich will mit euch handeln und wandeln, mit euch stehen und gehen, upd was dergleichen mehr ist; aber ich will nicht mit euch essen, mit euch trinken, noch mit euch beten.“ Einen engeren Verkehr mit dem Gaunerthum Hess schon das strenge jüdische Gesetz nicht zu, und es sollte dem Vf. schwer werden, einen jüdischen Sittenlehrer zu finden, der in jesuitischer Weise sittliehe י Verbrechen durch äussere Werke und kirchliche Zwecke beschönigt. Er lfese die von Zunz (zur Geschichte und Literatur S. 130f.) übersetzten, im mittel-

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