Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band VII. 1864
- Issue
- No. 42 November-December
- Date
- 1864-11-01
- Page
- [Seite 129] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Und döcli verliert die Offenbarung mit dem Exile ihre Ursprünglichkeit! -״ -לWir hangen nicht an dem engen Gesetze, wenn es auch unser Symbol ist, das umfassende Buch, das von Anfang an bis zu Ende die Gotteslehre in sich schliesst“ (S. 67). An die Stelle der ״eigentlichen unmittelbaren Schöpfungskraft der Offenbarung“ (S. 70) tritt bei der Rückkehr aus dem Exil die Tradition. Unter diesem Ausdruck verstand man bisher eine factische Ueberlieferung eines bestimmten Inhaltes, G. macht ihn zu etwas gerade Entgegengesetztem: ״Die Tradition ist die Kraft der Entwicklung, welche im Judenthum fortdauert als eine unsichtbar schöpferische, als ein gewisses Etwas, das niemals seine volle Ausprägung erhält, aber immer wirkt und schafft.“ Dieser schwierige Begriff wird durch ein gut gewähltes, aber noch weniger begreifliche8 Analogon beleuchtet, durch die zur Ruhe gekommene Schöpferkraft, welche in den erhaltenden Naturgesetzen fortwirkt. Historisch stellt sich die Sache freilich so heraus, dass man sich nicht selten bei den im Geiste des mosaischen Gesetzes gegen den Wortlaut eingeführten Neuerungen auf eine neben *demselben hergehende Tradition als mündliches Gesetz, ״Halacha des Moses vom Sinai“ u. s. w. berief, und dass die Kritik diese angeblichen Traditionen als solche läugnet. In seiner ersten (und noch immer zu den besten gehörenden) historischen Abhandlung sagte G. vor 30 Jahren (w. Ztschr. I, 37): ״Ferner hat sich das Judenthum fast ganz auf das Handeln beschränkt, indem eben das wahre Wesen des Glaubens, auf welchen seine Gebote bloss symbolisch hindeuteii, immerfort der freien Entwicklung des göttlichen Menschengeistes hingegeben ist, so dass das Institut des im Glauben belehrenden freien Wortes das nothwendige zweite Element für die äussere Erscheinung der Religion ist, ein Institut, das zuerst als Prophetenthum, dann in den Agadisten und Darschanim nachhallte, und in neuester Zeit wieder in den Predigern erwachet.“ Dieses freie Element ist eben der Gegensatz zur Halacha, die einer Tradition bedurfte. In der That zeigt sich G.’s Tradition in ihrem Ursprünge als eine Stieftochter der Offenbarung. Sie soll das zweite Staatsleben für die aus Babylon Zurückkehren־ den begründen. Allein ״es [zeigte sich bald, dass man nicht aus dem lebendigen, schaffenden Geiste schöpfte, sondern mit peinlicher Rücksicht das Alterthümliche, und wenn es auch liicht mehr in die Zeit hineinpasste, bevorzugte. Wieder trat Priesterthum uiid Opferdienst alsbald in den Vordergrund u. s. w.“ (S. 72). Erst als der ״Glaube(?) durch die Berührung mit dem Griechenthum gebrochen werden sollte, entstand ein Kampf um das innerste Leben, und neugestärkt, ging das Judenthum daraus hervor“ (S. 79). Dabei wird (S. 78) behauptet, dass das ״Einleben in die griechische Bildung und Sprache immer weiter drang, ohne dass die jüdisch - religiöse Anschauung in den Gemüthern dadurch wankend geworden wäre.“ Hingegen ist in n. 7 sehr klar auseinander gesetzt, dass die Philosophie der griech. Juden, der s. g. Alexandrinismus und die daraus hervorgegangene Symbolik, nur eine künstliche Vermittlung schroffer Gegensätze sei. Wie die darauf gebaute christliche Theologie später eine muhammedanische und jüdische geworden, hat schon Maimonides (Moreh I, 71) mit wenigen Worten nachgewiesen, ohne gewahr zu werden, dass sein eigener, in die Bibel hineingezwungener Aristotelismus — der wieder den Anspruch auf geheime Tradition macht, aus keiner bessern Quelle stamme. Eine unbefangene Anschauung unsrer Zeit wird zugeben müssen, dass in der civilisirten Welt die allgemeinen sittlichen Begriffe nicht mehr den Eintheilungsgrund der Religionen bilden^ sondern dass in jeder Religion neben Unglauben, Glauben, Aberglauben, Rohheit und Humanität mit einander kämpfen. Für die Regenerirung des Judenthums vertröstet uns G. (S. 154) auf einen ״neuen Hillel. “ Der alte nemlich, der als das Wesen des Judenthums Menschenliebe und gegenseitige Anerkennung u. s. w. aufstellte, war ein ״ echter Reformator “ (S. 99); allein' seine reformatorische Thätigkeit bewegte sich vorzugsweise in einem nationalen Wirkungskreise. Die Mission dieser erwarteten Persönlichkeit ist aber jedenfalls eine innere, wie stehts um die Mission des reformirten Judenthums in der neuen Welt? Diese Frage drängt G. begreiflicher Weise in sehr enge, nemlich *in die naheliegenden Grenzen (S. 130 ff.) Das Christen thum erklärt das Judenthum für erloschen, weil das Ideal desselben bereits in die Wirklichkeit getreten und nur noch demselben nachzustreben sei, G. läugnet nicht die weltgeschichtliche Mission des Christenthums,