Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band V. 1862
- Issue
- No. 27 Mai-Juni
- Date
- 1862-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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67 661] gesehen von den, aus Chatib Bagdad! ersichtlichen verschiedenen Ansichten über das Niedersehreiben der Traditionen, ist man im Schoosse des Islam selbst keineswegs für die Unsicherheit derselben blind gewesen; hängt doch das grosse Schisma der Aliden u. s. w. mit dieser Frage innig zusammen! Kein Wunder daher, dass in einer der angesehensten Traditionssammlungen ein derber Spruch über die ״Lügen“ der frommen Ueberlieferer Aufnahme gefunden (Nöldeke S. XXIII). Unser Vf. hat sich als Geschichtschreiber u. Orientalist die Aufgabe gestellt, die Quellen der Ueberlieferungslegende selbst dem Leser vorzuführen und durch eine kritische Analyse derselben zu einem historischen Kern zu gelangen. Er thut dies im Allgemeinen ohne Voreingenommenheit, die ich aber in einem Punkte vermisse, der uns hier besonders angeht, und auch des allgemeinen Interesses nicht entbehrt, nämlich das Verhältnis Muhammed’s zum Judenthum und Christenthum und die Existenz religiöser arabischer Schriften vor Muhammed.J Wir sehen ־es jetzt, namentlich auf dem Gebiete der Religionsgeschichte, nicht selten, dass grade die schärfsten Kritiker der allen Quellen, wenn es sich um ihre eigenen Hypothesen handelt, welche die Lücken verbürgter Geschichte ausfüllen sollen, auf Nachrichten einen Werth legen, die dem Unbefangenen bedeutungslos scheinen. Es ist weder meine Sache noch hier der Ort, des Vf.’s Ansichten über Muhammed’s Characler und sein Verhältniss zu den religiösen Zustanden Arabiens zu erörtern, womit seine Hypothese üb. die s. g. ״jHaniferei“ (חניפיה) zusammenhängt. Ich will nur daran erinnern, dass die Annahme eines vormuhammedanischen Islam als s. g. ״Religion Abrahams“, welche namentlich vor 25 Jahren in Rühle von TAlienstern einen Vertreter gefunden, sich von dieser neuen Hypothese nicht wesentlich unterscheidet, nur dass dort mehr ein selbständiger Rationalismus inmitten des Heidenthums, hier aber mehr ein historischer Einfluss einer Sectenform angenommen wird, die vorläufig noch ein Nebelbild ist — und wohl auch in Nebel zerrinnen wird. Der Vf. weist namentlich auf Sabier (״Abrahamilische“ genannt, weil sie Abr. als Gründer ansahen, S.72-3), Ebioniten, überhaupt judenchristliche Sekten, über deren Stellung zum Judenthum u. Christenthum der Vf. selbst so wenig sicher zu sein scheint, dass seine Bezeichnung von Personen in ihrer Be• Ziehung zu Judenthum od. Christenthum, selbst der Ausdruck Jude u. Christ, keine bestimmte Vorstellung zu begründen vermag. 2) Dabei muss man die Aufrichtigkeit des Vf.’s anerkennen, mit welcher er bekennt, dass ״die Forschungen über die theologischen Begriffe u. die Geschichte der judenchristl. Schwärmer ihn auf fremdes Gebiet geführt. Est ist dieses ein Gegenstand, welcher die Aufmerksamkeit eines tüchtigen Kenners der jüdischen Literatur verdient״ (S. XXIII). Er verspricht uns interessante Aufschlüsse über den Ebionismus und die verwandten Brüderschaften von den Studien des Herrn E. Deutsch [am British Museum] in London, die wir also zuthani); S. 6 Bücherverfassen ist nicht gegen die Religion, Berufung auf Moses; S. 8 die Gleichheit der Tradition ohne schriftl. Fortpflanzung ist ״kaum zu erwarten“; die Ausdrücke סטעת •יי חח?נא (vgL weiter unten über 5 (שטעחא s•13 die Namenskette; S. 16 מעג׳ם א לשיוך die Namen der Lehrer und Bücher (vgl. Jew. Lit. § 10); das Tagebuch (חבח); S. 17 Grosse Genauigkeit nur in praktischen Dingen nöthig. *) Z.B. S.304: ״Da die Judenchristen doch nicht zu den Christen gerechnet werden können, so ist es nicht richtig, ihn (Bo‘heira) Mönch oder Christ zu heissen.“ — S. 325: ״Anfangs machte Moh. die Kibla der Judenchristen, Jerusalem, auch zur seinigen, als er aber mit dem Judenthum förmlich brach u. s. w.“ Vergl. Chwolsohn, Ssab. 1,118 von Elxai, welchen" Sprenger mit Lokmann identificirt, s. weiter unten.