Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band V. 1862
- Issue
- No. 26 März-April
- Date
- 1862-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 [598 lerung des öffentlichen Gebets aussprach 7). Er deutet schon von Vornherein an, dass die Weglassung von Piutim eine ״sehr leicht zu rechtfertigende Abweichung vom Herkommen sei“ (S. 2). 2. Der Standpunkt des religiösen GefübJs, welcher Motive und Veranlassung zu Cullusänderungen ins Auge fasst, ist gewiss zugleich ein rationeller, so lange er sich nicht ״‘einö ״pastorale“ oder ״geistliche“ Autorität anmasst, oder gar in einen inquisitorischen übergeht, der jede abweichende Ansicht als Ketzerei denuncirt und verurtheilt, und schliesslich die Geschichte in ein parteiliches Zerrbild verwandelt« — Ein unbefangener Leser, welcher von dem Manne der Wissenschaft eine objeclive Auffassung erwartet, wird an dem genannten GA. mehr den Aufwand an Rhetorik, bis zu überladenen Paranomasien (z. B. ״als Modesache hinzustellen9 ihn zu modeln und moderuisiren“ S. 7), als die würdige Ruhe der Ueberzeugung und die milde ßeurtheiluug anderer Richtungen bewundern. Die ״Bedenken“ gegen die Einführung der Orgel sind: t. ״dass sie den Character des jüd. Gottesdienstes in seinem eigensten Wesen alterirt“; die Klage über zu viel Singen sei eine alte, aber der Chorgesang halte die richtigen Grenzen ein, ״wo nicht eben der Grundzug des jüdischen Gottesdienstes absichtlich verwischt werden sollte,“ die Instrumentalbegleitung ״veräusserliche denselben anstatt ihn zu verinnerlichen und zu vertiefen,“ die Andacht werde sich in ״einen' dem Judenthum fremden Gefühlsrausch, ohne Bewusstsein und ernste Sammlung“ verflüchtigen, ״eine äusserliche Form an die Stelle wesenhafter (?) Erregung und Erweckung des Geistes treten.“ Wir vermissen hier alle psychologische Rücksicht für die mögliche Dauer einer solchen geistigen Erregung. Weil diese eben nicht stundenlang ausbält, hat man von jeher mit Hymnen, die das Volk nicht verstand, mit Gesang, der den Gelehrten zu viel war, in ältester Zeit sogar am Jom Kippur mit Tanz in den Weinbergen (vgl. HB. II, 49) die Zeit ausgefüllt; endlich entschädigte sich das Publikum durch Schlaf und Conversation und der frömmste Rabbiner durch Privatstudium in der Synagoge. Der ״Gefühlsrausch“ wäre noch nicht der schlimmste Lückenbüsser, und wir sind auf eine conservative Agende neugierig, in welcher alles gestrichen wird, was nicht ״wesenhafte Erregung u. s. w.u bewirkt u. mit ״Selbstthätigkeit“ verbunden ist. — Ausserdem ist hier (S. 2) Y0n dem ״vorgeschriebenen Gebet“ die Rede, ohne hervorzuheben, dass, nur bei dem Kerne desselben (ק/׳ש und ש״ע) die Orgel unbeschäftigt bleiben sollte, wie auch die Petition ausdrücklich die Beeinträchtigung des ritualmässigen Gottesdienstes ausschliesst. 2. ״Die Einführung der Orgel drückt dem jüdischen Gottesdienste ein ihm fremdes, seinem Character widerstrebendes, Gepräge auf.“ Diese Uebers.chrift entspricht nicht sehr g'enau dem Inhalt, der, aller Rhetorik entkleidet, dahin lauten würde, die Orgel ist christlich und daher nur ״nach langer Entfremdung und Verachtung alles jüdischen Wesens (I) vor einem halben Jahrhundert“ aus äusserlichen Gründen eingeführt. 7) ״Der Siddur u. s. w.“ S. II, Catal. p. 2214־ (bei Zun%9 Ritus 164), vgl. HB. III, 107; Geiger, Ztschr. II, 253. spricht von ״feiner aber redlicher Pastoralklugheit;“ aber Sachs (rel. Poes. $. 203) spöttelt über diesen Ausdruck und provocirt auf den Bann des Mai in. gegen einen karaitischen Gebrauch; vgl. oben S. 30.