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Hebraeische Bibliographie · 1860-09-01 · No. 17 September-October · p. [Seite 95]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band III. 1860
Issue
No. 17 September-October
Date
1860-09-01
Page
[Seite 95] (sequence 10)
Language
German
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86 [1mz (Brinner.) Fressprozess Sebastian Bronner contra Ignaz Kifrarida. Ofeffentliche Verhandlung vor dem Landesgeridite in Wien äirt 10. Mäh (Nach den sienogr. Aufzeichnungen.) 8. Wienי Gerold’s Sohn 1860. (55 $* *!, 8 Sgr.) [1023] [Unter dem Namen ״Kirehenzeitung״ hatte das, vorzugsweise gegen Jaden und Judenthum gerichtete Wochenblatt Brunner’s eine traurige Berühmtheit erlangt. Das Urtheil des Gerichtshofs erkennt (S.52), dass dasselbe gradezu Hass und Verachtung gegen Juden gepredigt, zu Intoleranz und Feindseligkeit gegen dieselben sowohl wegen ihrer Religion als Nationalität aufgefordert, so dass ihre Artikel ״nahezu an die im § 302 des Strafgesetzes verpönte strafbare Handlung streifeny und nur in: dem Umstande, dass sie für den kleinen, theologisch gebildeten Lesekreis (??) geschrieben, nur als leidenschaftliche Polemik sich erkennen lassen, deren *strafgerichtliche Nichtbeanständigung begründet sein dürfte.״ Ihr Material bestand in ausgerissenen Stellen, ״deren Unrichtigkeit oder Unwahrheit durch Bücher, die hinsichtlich ihrer Wahrheit über jede Kritik erhaben sind, erwiesen ist — und wovon der katholische Priester Kenntniss haben und überzeugt sein musste״ (S.54). Aber Br. versichert (S.13), dass er die Zeitung wiederholt aufzugeben gesonnen war; und ״nur in Folge eines höhern Auftrages“, der ihm gekommen sei, sie fortsetze. Diese Stelle giebt der Verhandlung die höchste Bedeutung. Br. selbst bekennt sich der hebr. Sprache ganz unkundig (S.25,27) — von seinem Deutsch würde ein Engländer Sagen: it is Hebrew for me (Schiller und Göthe sind ihm identisch (S.43). und er appellift noch immer an die Autorität des — freilich auf Kosten Friedrich’s L in 3000 Exemplaren wieder aufgelegten — Eisenmenger (S. 27) 1). Er macht die ״Schnaderhüpferl״ (S.24,39), aber die antijüdische und unchristliche Weisheit liefert —- ein berliner Gelehrter (S.23), was sich Alle merken mögen, welche die ganze Sache etwa für eine ״locale“ halten. Br. ist u. A. mit ״Biographien von Kindesmorden“ (sic) ausgerüstet, welche ein kaiserlicher Appellationsrath im J. 1852 geschrieben (S.49). Aber er hat das ganze Jus canonicum durchgenommen und gefunden; dass die Judengesetze nicht ״von oben herabgefallen, sondern von unten aus dem Boden herausgewachsen“, nothwendigerweise (S. 34). Christus hat angefangen, gegen das Judenthum, ״wie es jetzt existirt“, Paulus ging überall zuerst zu den Judengemeinden und hat den Fluch Gottes über sie ausgesprochen, Und De Hossi *) hat 180 jüdische Schriften gegen das Christenthum zusammengestellt (S.28). Schade, dass es Br. an Gelehrsamkeit fehlte, die Urtheile — richtiger Vorurtheile —י. der protestantischen rationalistisehen Theologen, wie Paulus, Hartmann und — Ewald anzuführen. *Die Kirchenzeitung hatte jahrelang ״nahezu sträflich*‘ gewirkt, freilich in niir 600 Exemplaren (S. 15), und als endlich die Ostdeutsche Post dieses Treiben .aufdeckte, verlangte Br. die Aufnahme einer Entgegnung (s. die Anm. S. 48) und verklagte schliesslich den Red. Kuranda wegen angeblicher Injurien, worin der Verteidiger (S.38) sehr gut eine Inconsequenz und Schwäche der vertretenen Sache selbst erblickte, während Bf. schliesslich, da der Tadel seine Persönlichkeit trifft, wieder so iriconsequent ist, ah das Princip zu appelliren. In der That giebt es für religiöse Verfolgung keineh Gerichtshof als —• freie Wissenschaft und Humanität* Jene hat nicht vön Juden Kathedralen bauen lassen (S.39), aber die Namen, jüdischer Gelehrten in KirchengUmälden verewigt (Jewish Lit. p.191), und die Humanität vernichtet Judengesetze :ohne ein Zeügniss wie die Verteidigung der weltlichen Herrschaft des Papstes (S.47). l) Dass Eisenmenger den Sinn hebräischer Stellen gegen allen Sprachsihn so verdrehe, dass das Sinnige lächerlich erscheine, ist Jüd. IAt. § 4. (engl. S. 18) nachgewiesen. *) (So ist S.28 zu lesen, wie überhaupt der Abdruck schlecht cörrigirt ist). Dass De Rossi}s Bibi. Jud. antichrist. nur eine verbesserte Ausg; der Zusammen- Stellung Wolfs (Bd. H^.) sei, ist Sache der Gelehrsamkeit, aber die Worte def Vorr. ״Si revincendi sunt Judaei, ei eorum arma retudenda, si chfistiana religio ab rorum cavillationibus vindicanda, libri si diligenter cognoscendi suntu hätte Br. be^ herzigen sollen, noch mehr aber die höchst achtbaren Mahnungen desselben eifrigen katholischen Priesters in seinem Buche: Deila vana aspettazione etc., auf welche wir anderswo (Jüd. Lit. §. 15 Anm. 1) hingewiesen. r;1

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