Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band II. 1859
- Issue
- No. 12 November-December
- Date
- 1859-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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778] k. k. Ministerien des Innern n. des Aenssern. 8vo. Wien, W. Braunmüller 1860 (63 S.) [77S] [Eine Gelegenheitsschrift (s. oben S. 86 N. 726), auch in dem Sinne, dass die geschichtlichen Verhältnisse hauptsächlich mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Zustände Oesterreichs behandelt, freilich auch 13 Aktenstücke (aus den in diesen Blättern verzeichneten, jedoch ohne erläuternde Anmm.) wörtlich mitgetheilt worden. Wir wünschten, dass der Verf. die von ihm gesammelten Documente zur Grundlage einer zusammenhängenden streng wissenschaftlichen Arbeit bewahre, uud wollen dieses, aus Pietät gegen einen Verwandten hervorgegangene Schriftchen nicht in jeder Beziehung als Specimen der versprochenen Geschichte der Juden in Oesterreich betrachten. Jemehr von allen Seiten auf eine s. g. praktische Verwerthung aller Studien hingedrängt wird, desto dringlicher ist die Mahnung, die Geschichte nicht zur Magd herabzuwürdigen. Der apologetische Standpunkt wird auch nicht allen Seiten der Wahrheit gerecht. So z. B. ist es nicht ganz richtig, dass das Judenthum keinen Vorzug sich selber einräumt (S. 8), so etwas verträgt sich gar nicht mit' dem Begriffe einer geoffenbarten Religion; und was die■ Ansichten der Juden über die Seligkeit der Nichtjuden betrifft, so ist auch hier ein Unterschied der Cultur sichtbar, wie dies in der merkwürdigen Uebersicht von Zunz (Zur Gesch. S. 371) nachgewiesen. So hebt der Verfasser die Kultusfreiheit (S. 8) und innere Unabhängigkeit (S. iTf) der Juden unter Ferdinand hervor, ohne zu bemerken, dass eine Einmischung der Regierungen in den Cultus erst in neuester Zeit durch Reformbestrebungen und fromme Denunciatiönen von Juden selbst hervorgerufen ist,1) und was thun denn A. 1859 die Hannoverschen Landrabbiner? (vgl. oben S. 82 A. 2.) Solche Einwendungen ruft die zu weit gehende Apologetik hervor, die auch allein behaupten kann (S. 21), dass der Talmud »noch heute ungeschwächt (!) seine Macht auf Geister und Gemüther übt“. Aber auch die Geschichte muss erst alle Mittel erschöpfen, ehe sie schliesslich urtheilt. Die Prager Presse lag, wie fast alle, in den Jahren des 3Öjährigen Krieges darnieder* Zunz (in d. Annalen d. Prager Drucke) hat keinen datirten Drück zwischen 1630-40; wir haben im J. 1852 auf der kais. Hofbibliothek (Zeichen XX Z. 44) ein Gebetbuch vom J. 1635 entdeckt (beschrieben im Catal. N. 2133 A)2 3), dessen Titel: ״Corrigirt auf Befehl des Kaisers Ferdinand unter Herrsch, unsres Königs Ferd.“ u. s. w. Es ist dies vielleicht d. Anfang der eigentl. hebr. Censür, welche seit 1673 der Erzbischof von Prag ausübte.5) Eine andre Pflicht des Geschichtsforschers ist genaue Untersuchung der Quellen, namentlich der abgeleiteten und unzuverlässigen, wenigstens genaue Angabe. Wir lesen hier (S. 24) Bas-Scheid wie bei Hock (Gal-Ed, nemlich S. 24 ff), aber der^hebr. Name ist בת שבע u. leitet vielleicht auf die Familie dieses Namens im Orient4). Ueber Doctor ״Halfan“ wird offenbar auch hier, trotz der Angabe von Krafft's Katalog (ohne Seitenzahl) nur die Confusion bei Frankl (Inschriften S. XI) wiederholt, wie denn auch Carmoiy offenbar nur aus Confusion von Vater und Sohn den Wiener Abba- 1) Vgl Zunz in Geiger’s Zeitschr. V, 40; Hock, zu Gal-Ed. S. 20. 2)!Die k. Bofbibliothek besass auch im J. 1852 nur noch ein handschriftliches Verzeichniss der Drucksachen, angefertigt yor längerer Zeit (ich habe es selbst schon in den Jahren 18368־ benutzt) v. Andreas Königsberger, weun ich nicht irre, einen getauften Juden; dasselbe strotzt von Fehlern. Bei fluchtigem Blick Aber diese Quelle, wie ihn einige Stunden nur gestatteten, fand ich doch beinahe 30,meist Prager, polnische n. italien. Drucke, die mir damals nur unvollkommen, einige überhaupt nicht bekannt waren, so dass sie für meinen Gatalog der Bodl. Bücher eiue willkommene Ergänzung boten. Darunter war mir namentlich der Druck von Fano 1503 (s. HB.I S. 126 A. 3) ein Unicum, aber nach einer Mittheil, des Hrn. v. Biema befindet er sich auch bei Hrn. M. Lehren in Amsterdam. Bin j. d., ס' בראשית Ven. 1551 (XX H, 37, nach dem Cazalog unter ספר!) war damals nicht auffindbar, eine Auskunft darüber wäre mir sehr erwünscht. Das von Lambacher (bei Zunz, Z. G. S. 270 u. 2) angegebene Berachot Frag 1515 habe ich in dem erwähnten Catal. vergebens gesucht. 3) Dass die Censur schon 1558 ,auf hebr. Werke ausgedehnt worden“ (Hock zu Gal-Ed. S. 22) ist eine zu allgemeine Behauptung (ohne Quelle), die nach Ort, Zeit und Art zu modifici'ren ist; vgl. Zunz, Z. G. 269, Ritus S. 148. — So eben lesen wir in Jew. Chron. (s. Jouruallcse), dass der nach Wien im J. 1629 schreibende Cardinal es nicht für ncthig halte, den Eifer des Kaisers zu erneuern u. s. w. 4) Jüd. Typogr. S. 41. Rapoport (Vorr. zu עד V3 S. L) sieht in der Benennung ״Jeruschalmi“ des Jechiel b. Josef (vielleicht Vfss. v. 1616 כללי ח״ס, Catal. p. 1271 N. 5647) einen Prager Familiennamen, wohl ohne hinreichende Begründung; ein Pendant wäre Chanoch b. Moses (st. 1633), dessen Vater Moses ebenfalls Jeruschalmi genannt wird und vielleicht selbst sein המוסר ,Ü in Prag 1602 druckte; ob ein älterer Druck vorhanden sei, ist sehr zweifelhaft,