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Hebraeische Bibliographie · 1859-11-01 · No. 12 November-December · p. [Seite]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band II. 1859
Issue
No. 12 November-December
Date
1859-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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100 [755 Beer, B. Leben Abraham’s nach Auffassung der jüdischen Sage, mit erläuternden Anmerkungen und Nachweisungen. 8yo. Leipzig, 0. Leiner 1859. (XIII u. 215 S.) [755] [Der Verf. beschäftigt sich seit langer Zeit mit der biblischen Legende,: u. bietet uns hier ein Specimen von מLebensgemälden biblischer Personen,“ nemlich ein ״zusammenhäugendes Lebensgemälde“ Abraham’s, wobei die abweichenden Versionen in »höhere Einheit“ aufgelöst oder nebeneinander vorgeführt werden. Der Verf. will, neben dem allgemeinen kulturgeschichtlichen (?) Zweck, den jüdischen Sagenschatz andern Confessionen zu öffnen, hauptsächlich die jüngere Generation mit dem Inhalt des Haggada, welche früher die Erbauungslectüre bildete, bekannt machen (S. XI). Die Anmerkungen, welche den grösseren Theil des Buches einnehmen (S. 93 ff.), enthalten ausser den Quellencitaten noch einige vom Texte ausgeschlossene Excurse und philologische Erörterungen, zu deren bequemer Benutzung ausser dem Namenu. Materienregister (S. 212) noch ein hebr. Wortregister nicht überflüssig gewesen wäre.* 1) — Wie jede mit Fleiss und Pietät angelegte Sammlung, hat auch die vorliegende ihren gelegentlichen Nutzen für die strenge Wissenschaft, aber wenn für letztere eine ״specielle jüdische Sagengeschichte“ schon lange als Bedürfhiss anerkannt und nachgewiesen worden2), so ist einem solchen Bedürfniss mit der vorliegenden Bearbeitung noch nicht abgeholfen, bei welcher zuvielerlei zugleich angestrebt wird. Die literarische Vieldienerei, d. h. die Verbindung erbaulicher und strengwissenschaftlicher Zwecke ist ein Zwitter, für den jüdische Schriftsteller vergehlieh eine organische Gestalt zu gewinnen suchen. Wenn Legende und Sage erbauen oder auch nur anregend beschäftigen sollen, so muss man entweder noch gläubig innerhalb derselben stehen, wie die Leser des Teutsch-Chummasch, oder man muss sie umwandeln, ihr ein poetisches oder für moderne Anschauungen passendes Gewand geben, freilich auf Kosten der literarischen Objectivetät, die nirgends der Homiletik förderlich ist. Die vielen freien Bearbeiter der Haggada sind in ihrem vollen Rechte, wenn sie nur nicht zugleich auch auf Characteristik und Würdigung ihrer Quellen selbst Anspruch machen. Sie sind selbst die Haggada und der Midrascn unsrer Zeit. Aber die einerseits lobenswerthe Objectivetät des vorliegenden Buches in Bezug auf die Quellen, die Wiedergabe der abweichenden Relationen und Quellen mit den 900 Anmerkungszeichen, zerstören jede Illusion über die Objectivetät des Gemäldes selbst, und gehen für populäre Zwecke zu sehr in Kleinmalerei über. Es mag wohl einen kleinen Kreis wissbegieriger (oder auch blasirter) Leser geben, denen jedes frische Element willkommen ist; aber der Gelehrte von Fach täuscht sich sehr leicht über das wirkliche Interesse seines Stoffes ausser seinem persönliehen und collegialischen Kreise. Wir scheuen es nicht, unsrem geehrten Freunde die ungeschminkte Wahrheit zu sagen, dass eine solche Ausspinnung der Sage auf jedem andern Gebiete sehr leicht den Eindruck des Albernen una Lächerlichen machen würde — z. B. gleich S. 8 die Angaben über die Höhen des babyl. Thurms u.jdgl., woran sich ein deutsches und gebildetes Publikum weder erbauen noch ergötzen kann, und die im Vorw. (S. XI) angedeutete Nutzanwendung dürfte leicht in ihr Gegentheil Umschlagen. So haben entgegengesetzte Rücksichten einen einheitlichen Character des Buches nicht aufkommen lassen. Geschichte und Kritik der Sage und Legende, wie sie von Zun*, Rapoport — und wohl Niemand weiter in grösserem Maassstabe, — angebahnt worden, haben nicht die Aufgabe, Widersprüche in eine höhere Einheit aufgehen zu lassen, in ganz entgegengesetzser Weise analysiren sie die scheinbare Einheit. Während alte Grammatiker Und Exegeten die Legende aus Menschen erfrechen sich auf der Kanzel und in der Schrift das Wort Sittlichkeit im Munde zu fuhren, denn ihr Publicum ist ihnen sicher, und die Ueberzeugung Andrer schweigt; weil es die Eitelkeit auch nicht einmal mit solchen Menschen verderben will, oder weil es Männer giebt, die. noch an gute Zwecken denken, wo es an Wahrheit fehlt.] 1) Der geehrte Verf. hat uns einige kurze Nachträge eingesendet, für welche uns im Augenblick der Raum mangelt; noch weniger können wir auf den speciellen Inhalt der Anmm. hier näher eingehen, und wollen nur bemerken, dass Perez nicht als Verf. des מערכת (S. 104) bezeichnet werden darf, u. dass bei den Pkeudo-Abrahamitischen Schriften (S. 208) auf Maimonides (vgl. Jüd. Lit. § 13 Anm. 27, vgl. A. 11 S. 401 die eigene Mitth. des Verf. und 8.402) und seine Quelle, die szabäischen Erfinder, hinzuweisen war. 2) ״Zur Sagen- und Legenden-Kunde*, Zeitschr. f. d. relig. Inter, u. s. w., her. v. Frankel 1845 S. 380, 1846 S. 281, 8. 1845 S. 391.

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