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Hebraeische Bibliographie · 1859-09-01 · No. 11 September-October · p. [Seite]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band II. 1859
Issue
No. 11 September-October
Date
1859-09-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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82' eine eigenthümliche Schwierigkeit ihrer Bearbeitung Hegt in ihren vielfachen Be- Ziehungen zu andern Gebieten; wenn daher irgend ein Zweig der Wissenschaft collegialischer Arbeit, u. akademischer Förderung bedarf, so ist das die jüdische. Aber alle diese» auseinanderfahreüdeh fefraMeh müssen in einen Focus gesammelt werden, Svie sie im Grunde aus einein Lichte aüsstrahlen: Die lüden Sind eine Kation in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes; wenn andre Nationen durch Vaterland und Sprachen in einem gemeinsamen Interesse und erleichterten Ideenaustausch von der ltace zum Volke sich erhoben, sö hatten die Juden, wenigsten^ bisher, durch ein ideales Vaterland und eine in die älteste Geschichte hinaufreichende Schrift mit der Mch daran knüpfenden liturgischen u. wissenschaftlichen Sprache gegenseitig verbunden, weder hinreichende Veranlassung die Race zu verläiigrien, noch deS engörn idealen Zusammenhangs sich zu schämen. Man fragt aber heut zu Tage: Was haben wissenschaftliche ödet Hterärische Arbeiten von Juden, die nicht mit dein JudeAthum Zusammenhängen, mit der jüdischen Wissenschaft gemein? Das heissty man identificirt Judenthuüi u: jüdische Wissenschaft mit — Theolögie, weil ünfere Wissenschaft, — niid nicht sie allein — atis der Theologie heraüsgewachsen ist. Wenn aber die Juden an allen Gebieten des Wissens sich betheiligen, in allen lebenden und todten Sprachen sich mit ihren Landsleuten oder der grossen Gelehrten- Veit verständigen, so wird äie jüd. Nationalität wenigstens so viel Äntheii daran haben, als etwa die deutsche an den matheinatiscien und medizinischen Schtiften deutsch oder latein schreibender Professoren, und dennoch spricht man auch bei solchen allgemeinen Wissen Schaft eti vbii dCr ׳״deutschen Gründlichkeit“, wie — von der ״jüdischen Spitzfindigkeit6! ßäss dieSör Antheil nuü nach Bihalt TMd Förih, Zeiten und Persönlichkeiten verSchiedeiie Grade zulässe, das ist es eben, wCsswegen .wir verlangen, dass män bei den bifikelnen ErSCheiüuiigen birst dieses VerhaUniss genau untersuche, ehe imän darüber uttbbilfc, in wieweit Mer. sj)Ccifisch Jüdische^ vorliegt. Ja wir behaupten, dass der Begriff Jüdisch״ durchaus nicht allein hüch Dögmbn h. Riten festzüstellen sei,3) sondern die gesamnite Cülturentwickltiteg üiuss MS Spiegel der zu Grunde liegenden religiösen und sittlichen Ideen und nationalen Anschauungen angesehen werden. Dies. ist das Ziel .der Geschichte u. Literaturgeschieht©, zu dem freüich ein recht mühsamer und langwieriger Weg führt* auf and Anschauungen nicht in Opposition stand.“ Also am einen befreundeten Schriftsteller zu verherrliehen, muss über die Alten ein geradezu verkehrtes fast verläumderiBch za nennendes Urtheil ausgesprochen werden! Samuel Jbtt Tibbon u. Gers oni des wurden bald als Kezer verschrieb. Aus deffa (gedruckten) kosmogenischen יקוו המים des ersteren zog bald nach dessen Erscheinen Jakob b. Schesehet Girondi [den Polak mit Isalc ריב״ש vermischt, המגיד S. 123], die heterödoxen Consequenzen in seiner — freilich ungedruckten —■ Streitschrift (s. Er sch u. d. W. Girobdi). Wenn von Gersönides, dem Verf. der ״Kriege geg’en Gott“ (Schemtob f. 45 b cap. 19) ‘nichts für die ״exacten Wissenschaften “ zn erwarten ist, dann musi man vor allem die Astronomie daraus streichen; sein hebrt'Gedich't über das von ihm erfundene astroh. Instrument (die Schrift darüber ist auch Latein übersetzt) wird freilich durch einen, bereits im Himtnel ״wandernden Buchhändler“ gedruckt, dfer die Beziehurig hiebt käüfite* und sein Almagest Verdient der Originalität halber nö'ch heute das Interesse der Mathematiker; dieser Meinung ist wenigstens Munk, weicher ‘glaubt, dass die ,Bracker jenen Abschnitt weggelassen hatten, während er in den meisten HSS. nicht zu finden ist. Lfewi selbst b'etteithhet und sondert ihn als ein specifisches Werk, zu dessen Wfrtdifcung ein ahdres Publikum gehört als — theologische Dilettanten! — Jakob b. Machir (ProphatiUs•, Pröf. rzu liontpfellitfr)!, Afen Wir oben genannt, ist ebenfalls bis Verf. von astroriom. Tafeln und als Erfinder eines Quadranten durch latein. Uebersetzungen den Christen bekannt worden, so dass ein Jude sich bewogen fand, das jüdische Eigenthum durch eine hebr. Bück- Übersetzung zu reclamiren! Bass er der Urheber jener allegorischen Deutungen sei, welche in dem berühmtesten Kampfe um die Philosophie als Hauptkezerei bezeichnet werden (Jexo. Zit. p. 99), kann man freilich wieder nur — aus HSS. erfahren,, die in d. ״heiligen Stadt Oxford* fast verloren waren, und deren Abschriften — wahrscheinlich dasselbe Schicksal theiieh werden. 2) Ein schlagendes Beispiel von Ansichten über den Ritus ist folgendes. Die 4 Hannoverschen Landrabbiner, welche sich zum ״historisch positiven6 ijuäenthüm bekennen, haben neulich beschlossen, die Mitglieder kleiner Gemeinden zum Besuch eines einzigen Gottesdienstes za «wingen — durch Geldstrafen bis 10 Thaler (es ist das keine Satyre, sondern der § i des officieilen Berichts in der ״Monatschrift“), sie verbieten aber diesen ״Besuch Kindern unter 6 Jahren!* Bekanntlich haben gerade die frömmsten u. gelehrtesten Rabbiner am wenigsten die öffentlichen Synagogen besucht, weil sie ihre Häuser als Lehrhäuser betrachteten u. ein solches stets vorzuziehen ist (Maimonides vom Gehet VHI, 3); ein ähnlicher Pall ist wohl in d. Hannoverschen Landgemeinden nicht voranszusetzen; aber sind solche Geldstrafen auch ״positiv historisch“?

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