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Hebraeische Bibliographie · 1859-05-01 · No. 9 Mai-Juni · p. [Seite]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band II. 1859
Issue
No. 9 Mai-Juni
Date
1859-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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38 ten, Ton diesen Zeilen Gebrauch zu machen; man muss vor allen Dingen den Muth haben, seine Meinung zu sagen « Die Herrschaft der Theologie über die ,.profanen“ Wissenschaften bezeichnet das Mittelalter, welches im ״Kosmos“ gründlich über־ wunden ist. Die hergebrachten Redensarten von ״rabbinischer Spitzfindigkeit, arthafter jüdischer Verwirrung, grübelndem Verstand der Rabbiner“, wie sie noch bei den freisinnigsten, die jüd. Bibel zur Anerkennung bringenden Theologen nicht fehlen, haben im Kosmos keinen Platz gefunden, dessen Verf., nach der Meinung des Kanzelredners ״ein geübteres Auge hatte für die Wunder in der geschaffenen Natur, als für die moralischen Wunder im Mikrokosmos des menschlichen Herzens“! Unser Auge wollen wir aber nicht verschliessen für den Makrokosmös des Humboldt’schen Herzens. Humboldt übte histo?'isehe Gerechtigkeit, die schwerste aller Tugenden des Forschers, sein Auge schloss sich nicht, wenn es galt, die Leistungen einer Nation anzuerkennen, deren Qapitalsünde von jeher in ihrer — Ausdauer bestanden hat.3) Dieselbe Tugend übte er im Leben, indem er jeden Fortschritt in der Judenbeit, namentlich jede geistige Regung unter״ den Juden durch seinen Beifall, durch seine Unterstützung zu fordern suchte; und ist in seinen letzten Tagen einmal des Guten zu viel geschehen, so beweist es nur, dass mitunter ein hervorragender Geist die Sünde ganzer Geschlechter aufzuwiegen, aber ihren schädlichen Einfluss nicht zu vertilgen vermag; denn hätte die jüdische Wissenschaft naturge־ mässe Organe, so durften Charlatane es nicht wagen, edles Wohlwollen zu missbrauchen.4) Wäre unsre Absicht, Humboldt’s Verhältnis zu den Juden zu besprechen, — ein Thema, worüber ein ganzes und nicht uninteressantes Werk geschrieben werden könnte, so würden wir namentlich eine Blumenlese aus seinen Aeusserungen zu geben haben, welche die im letzten Jahrzehend, finstern Angedenkens, herrschende Richtung bezeichnen.5) Wir müssen, diess dem unpartheischen Biographen übferlassen, und verweisen auch in dieser Beziehung mit Befriedigung auf ein, seit Jahren vorbereitetes Werk von J. Löwenberg, der uns neulich in der potytechnischen Gesellschaft H.’s Jugendleben mit geistreichen Hinweisungen auf die Culturgeschichte jener Zeit gezeichnet, und dabei sehr tactvoll ein anderes, weniger bekanntes Verhältniss B.’s za den Juden berührte, nemlich den Einfluss, welchen die jüdische Intelligenz Berlins aufif.’s Geist und Character ausgeübt, und die persönlichen bis zu seinem Ende treu bewahrten Beziehungen zu den hervorragendsten jüdischen Familien; bei welcher Gelegenheit auch der Briefwechsel mit Henr. Herz zur Sprache kam, welcher bekanntlich if/veranlasste, die hebr. Currentschrift zu erlernen; — es ist zu bedauern, dass die Mittheilungen in der Preuss. Vierteljahrssehr. (Maiheft) nicht auch ein Facsimile‘ von JT.’s hebräischer Schrift enthalten. — H. selb§t bringt unverholen seine Theilnahme für jüdische Intelligenz mit jenen Einflüssen in Verbindüng, — in einem Briefe (vom 12..N0V. 1853) an unsern Mitarbeiter M. Mortara in Mantua6), — und es ist gewiss nicht kleinliche״ Eitelkeit, wenn die jüdische Cul- 3) Verschiedene Beziehungen des Kosmos sind an einzelnen Stellen des Artikels Jüä. Zit in Ersch u. Gruber beachtet worden (8. z. B. § 19 A. 17). Auszuge 8. in JBen-Chananja S. 273״ :6־A. r. H. u. die Juden.“ 4) Vgl. HB. I S.51, II S. 12 mit Monatschr. f859 S. 199 u4 vgl. A. Z. d. J. 1859 S.161 (vgl. auch HB. I S. 32 N: 86). — Vgl. auch B. Auerbach, 26. Bericht, S.96! ft) Es sei uns hier nur gestattet, zwei Zeilen aus einem uns vorliegenden eigenhändigen 8chrei־ ben vom 4. JMni 1857 mitzutheilen: *Ich habe in meinen Schriften wie in meinem Leben immer dahin, zu wirken gesucht, das moralische und politische Benehmen der Christen zu brandmarken, das leider im deutschen Vaterlande so unwürdig, ja man darf sagen verfassungswidrig .. .״ 6) ״Da ich seit meiner frühesten Jugend die Ehre hatte, in Deutschland mit hervorragenden Männern unter Ihren Glaubensgenossen, welche in der Philosophie und Mathematik geglänzt haben, verbunden zu sein, und da einer unserer grossen und ältesten Schriftsteller, der Freund Lessing’f,

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