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Hebraeische Bibliographie · 1859-03-01 · No. 8 März-April · p. [Seite]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band II. 1859
Issue
No. 8 März-April
Date
1859-03-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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28 [188 Theologie unbewusst der Gesammtheit und der wirklichen Geschichte nicht gahz gerecht .wird! Die jüdischen üebersetzer haben die Bibelübersetzung ״als eine Sache irerGemeindo aufgefasst: gelehrte und umfassende Arbeiten, die jedoch sämmtlich in den Fesseln der Masora gehen. Um sie nicht unbillig zu beurtheilen, muss man sie als Synagogenbibeln ansehen, alle (!) *ins Judendeutsch (?) übergegangenen he• braiscben Ausdrücke und Wertformen des Urtextes sind darin mit ängstlicher Treue beibehalten. Von jedem andern Standpunkte aus betrachtet, sind jene Üebersetzungen allerdings unleidlich. Sie reden nicht die geschichtliche deutsche. Sprache, sondern hebräisch rabbinisches Judendeutsch (1). Ausdrücke wie ״Moscheh. Jehoschuah, Jisrael, Peschach [sic!] (Passah, Ostern), und so viele andere, gehören nach Palästina, in Europa sind und bleiben sie barbarisches Kauderwelsch.״ .... ״In Deutsch• land allein haben die Katholiken wie die Juden selbstständige Bibelwerke hervorgebracht, Luthers Anstosse folgend/ Der letzte Satz ist nicht ganz unzweideutig, aber wenn er, wie es scheint, etwa besagen sollte, dass auch die Juden nur in Deutschland, und zwar auf Anstoss Luthers ein Bibelwerk besitzen, so hiesse dies die Geschichte in eine passende Hypothese schnüren. Wir wollen hier weder die jüdischen Üebersetzungen der alten Zeit (Septuaginta, Saadia u. s. w.) geltend machen, noch die Üebersetzungen einzelner Bücher in europäischen Sprachen hieherziehen, darunter eine polnische der Psalmen vom J. 1510, und eine deutsche.1 * 3) Aber wo bleibt denn die spanische Bibelübers., die vielleicht bis in’s 13. Jahrh. hinaufragt, und deren revidirte Herausgabe zu Ferrara (1553) doch wohl auch nicht indirect dem Einfluss Luthers zuzuschreiben ist! Es ist hierbei unsre Absicht nicht, den Einfluss^ der Lutberschen Bibelübersetzung auf die jüdischen ganz und gar in Abrede zu stellen, wir haben vielmehr derselben im Allgemeinen an gehöriger Stelle erwähnt (Jüd. Lit. § 27 S. 458, Eng!. Uebers. S. 236), wir protestiren nur gegen die unbegründete Ausdehnung desselben. Wir verlangen für die Erscheinungen auf dem jüdischen Gebiete eine Beurtheilung, welche der Gesammteniwicklung der jüdischen Literatur gerechte Rechnung trägt und lassen uns nirgends mit Anerkennung der Bibel ab• nden, am allerwenigstens bei dem Verf. von ״Gott in der Geschichte״*). Die jü-״ dischen Bibelübersetzungen sind daher nach Inhalt und Sprache nur im Zusammen• hange mit der Geschichte der jüdischen Exegese und Culturgeschichte überhaupt zu würdigen. Aber auch ohne so weit zu gehen erscheint Bunsen’s Ausstellung als eine, trotz der ausdrücklichen Verwahrung und, wir geben zu, beim besteh Willen ״unbillige״. Die modernen ״Synagogenbibeln״,^d. h. die Üebersetzungen für die jü• dische ״Gemeinde״, enthalten meines Wissens nirgends ״Judendeutsch״, insoweit letzteres der ״geschichtlichen deutschen Sprache״ entgegengesetzt sein soll, ein Gegenstand, der schon für sich noch einer Monographie bedarf.*) Die dort beibehalten en ״Ausdrücke und Wortformen des Urtexts״ sind im Jüdisch •Deutschen nur als Fremdwörter mit ihrer hebräischen Orthographie aufgenommen, oder lauten im gesprochenen Jargon ganz anders, da die deutschen Juden bekanntlich die sefardische Aussprache erst in den modernen Üebersetzungen adoptirt haben; und die ganze Ausstellung reducirt sich, nach den Beispielen, doch fast nur auf Eigennamen! Bunsens Ausstellung ist in der That eine Anerkennung, es ist nemlicÜ umgekehrt das Sjpecifische dem Allgemeinen, die Willkühr der Wissenschaft gewichen, es wird der Urlaut wiedergegeben, wie ihn die Wissenschaft!überall in der orientalichen Literatur anstatt der barbarischen Verstümmelungen des Mittelalters restituirt hat; und B. würde schwerlich eine deutsche Koranübersetzung für ^Kauderwelsch״ erklaren, wenn darin Muhammed für Mahoinet u. 8. w. vorkäme; ja er schreibt selbst anders in den Anmerkungen als im Texte; und wenn Luther nicht auch in dieser Beziehung zum Urtext zurückkehrte, wenn Entstellungen wie Ezekiel für' Jecheskiel unter den Christen verewigt worden, die Juden wenigstens in ihren Bibelübersetzungen zu dem Laut zurückkehren, der in allen Sprachen identisch bleiben kann, so hat .dies nichts mit ״Judendeutsch״ u. ״Kauderwelsch״ zu thun. Dazu kommt noch der 1) Pie angeblich yon Elieser b. Jostf für eine Frau verfasste [abgeschr.?], deren Proben, bei Wojf IV, 203, vollständig mit der des Levit* stimmen, ist schwerlich 1539 geschrieben, 8. CataU p.188 n. 1968. 9) Wir kommen auf dieses Werk ein andermal zurück. 3) Wer über ״ Judendeutsch* (und jüd.-deutsche Literatur) sich aus Josfs betreffenden Artikel der grossen Encyklopadie belehren wollte, dem würde es.nicht viel besser ergehen, als Wenn er in dem Artikel ״Jüdisches Recht* (auf 3 Seiten) über dieses Belehrung suchte.

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