Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band I. 1858
- Issue
- No. 6 November-December
- Date
- 1858-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Boden keinen bedenklichen Rivalen, big der hebräischen Literatur eie Aldus entstand an Bömberg (1516)*), ein Aldus, der sich nicht bereicherte, sondern dem man vorwarf, dass er sein väterliches Vermögen an hebräischen Büchern durchgebracht, deren er mehr als für 4 Millionen Gold gedruckt haben soll{), so dass man sich nicht wundem, darf, wenn Abraham de Balmes den Christen Bömberg den jüdischen frommen vorzog, welche ״geschickte Leute verhungern lassen* J). Allein P. beweist die wesentltche Äehnlichkeit der hehr. Typen beider Drucker und ihre Verschiedenheit von allen anderen jener Zeit (8״ia710 proprio sullo 8te880 fare e dir erst affatto cCaria da guelli degli altri, stampatori di que tempiu). Wenn anderseits Aldus in seiner Ansg. des Virgil vom J. 1501 der ״Dädalei sehen Hände“ des Francesco erwähnt, und dennoch Aldus als Erfinder galt, so dass auch Franc, sich darüber beklagt; so ist jene Erwähnung in, der Thai eine ״schlaue“, und Gerson’s Redewendung über das Verhältnis eine ganz geeignete. P. spricht seine Ansicht dahin aus (S. 6), dass Fr. nicht etwa bloss die von Aldus erfundenen Lettern gegossen habe, und bezeichnet das Monopol, welches Aldus gegen Francesco selbst nachsuchte und fand, als eines der odiosesten, ,selbst zugegeben, dass Aldus, wie die Fama lautet, dem Francesco die Formen angegeben habe“ (8uggeri88e S. 10). — Es ist mit einem Worte die alte Geschichte von dem Gewerbe, das nicht bloss den Vortheil, sondern auch den Ruhm der Kunst sich aneignen mochte, indem es denselben halb und halb zugesteht, -rso scheint uns die Sache®). — P. findet aber in der Böswilligkeit der Anklage; ihr eigenes Gegengift, und er kommt, aus Gründen ״deren Prüfung zu weit führen würde“ (S. 13) zu der Ansicht, dass Soncino das Capital zu den ersten Nachahmungen der Aldinen auf Venezianischem Boden selbst hergegeben, ja er vermuthet in diesem Umstande auch den Grund der Üebersiedlung Gerson’s und Francesco’» nach Fano. In dieser so nebenher hingeworfenen Vermuthung liegt der Kern zu eben so schwierigen als interessanten Untersuchungen, welche unter Andern auch die Lücke in den datirten Drucken Gerson’s zu erklären oder auszufüllen geeignet sein dürften5 6 7 8 9); und Gerson Soncino ist eine Persönlichkeit, die schon an sich solche verdient, durch das von Herrn P. aufgedeckte Verhältnis^ zu Aldus aber ein noch allgemeines Interesse in Anspruch nimmt. Wir werden uns jedoch hier, wie Eingangs bemerkt, nur auf einige zunächst liegende Punkte beschränken. Wie schon erwähnt, beweist P. durch ein Facsimiie die wesentliche Identität des Schnittes der hebr. Typen des Aldus und des Gerson,, und zwar des letzteren aus einem Druck von Pesaro 1511, aber auch von Brescia 1492. Sollen wir nicht vielmehr daraus schliessen, dass Francesco schon für Gerson arbeitete, als dieser noch ausschliesslich hebräisch, Aldus aber noch nicht hebräisch druckte oder zu 5) Am 30. Novemher 1516 waren schon die (bisher unbekannten) Haftarot zur Rabbin. Bibel, beendet (Cafa/. p. 6 IST. 28, nicht 1017, wie Luzatto, Append. p. 17). 6) Wolf, BibL hebr. II, 895. 7) Zunx, zur Gesch. 387i. 8) Als ein Beispiel, wie selbst die gefeiertesten Drucker sich ,mit fremden Federn zu schmucken* wussten, fuhren wir das Önomasticum an, welches Rob. Stephanus zuerst der lat. Bibel 1528 anhängte. Wer Roberts Vorwort genau liest, wird einige Zweideutigkeit in Bezug auf die Autorschrift rerspuren; aber der, wie natürlich, voreingenommene Annalist Renouard belobt das Önomasticum ohne weiteres als eine heureuse Idee Roberts, obwohl er kurz vorher, erwähnt, dass Stephanus die Complutensifche Bibel fleissig studirt; hatte,; dieselbe, enthält, aber im 6. Bd. ״fast dasselbe Önomasticum,* wie schon Neander vor 300 Jahren bemerkte; freilich hat St. aus der Interpretatio mehr ein sachliebes Register, gemacht, aber die vollständig benutzte Arbeit der Complutenser (namentlich des getauften Alfons von Zamora) hatte wohl einedeutliche. Erwähnung verdient. 9) Am 21. Kislew 258 (16. Nov. 1497) ist der Tractat Synhedrin in Barci beendet (Privatmittheilung Luxatto’s vom Nov. 1856, aus dem bisher unbekannten Unicum des Rabb. Isak Pardo in Verona. Ygl; Oostersche WandeL 8. 46.) — Barci liegt in der Nähe, von Brescia, wo Pseudo-Aldinen gedruckt wurden (s. Fanixxi 8. 28).