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Hebraeische Bibliographie · 1858-09-01 · No. 5 September-October · p. [Seite]

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Journal
Hebraeische Bibliographie
Volume
Band I. 1858
Issue
No. 5 September-October
Date
1858-09-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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106 St Petersburg zusammenfinden sollten, haben die, welche die Handschrift zerstückelten, sich gewiss nicht träumen lassen.“ Uns scheint die Sache sehr.einfach dadurch erklärlich, dass durch irgend einen Zufall sich die einzelnen Blätter abgelöst, daher in Jerusalem zurückblieben, als der Codex nach Kahira wanderte, und mit der bekannten Pietät für hebräische Fragmente — wegen der darin enthaltenen Gottesnamen, שמות Schemot genannt, — bei Seite geschaßt wurden, um sie dem entweihenden Gebrauch von Maculatur zu entziehen. Dieser Pietät hat man u. A. die Auffindung einiger alten Druckfragmente zu verdanken. Wir bringen damit zunächst ein ganz modernes Factum in Verbindüng, welches ebenfalls als Curiosum die Zeitungsrunde machte, selbst nachdem es genügend erklärt war. Der zu Amsterdam am 26. Febr. (6 Adar) 1852 yerstorbene Elieser Ferrares verordnete testamentarisch, seine spanischen Bücher zu vergraben. Die Veranlassung dazu erklärt Mulder (A. Z. d. J. N. 13 S. 180) in dem, in mancher Beziehung interessanten Umstande, dass ״die spanisch hebräischen [d. h. jüdischen] Bücher, da die spanische Sprache bei den portugiesischen Jaden in Amsterdam in den'letzten Jahren fast ganz in Verfall gerathen ist, keinen Werth mehr haben, und sehr oft für Maculatur (!) verkauft werden“. Wir finden jedoch noch ganz andre zum Theil abergläubische Motive für das Büchervergraben, wie deren Wagenseil (zu Sota S. 1180, vgl. Wolf I, 1421) verschiedene im Namen des R. Henoch Levi vorbringt. Damit zu vergleichen ist ein türkischer Gebrauch, wonach die von den Sultanen geschriebenen Koranhandschriften in ihre Gräber mitfolgen (Ausland 1843 N. 247). Anderseits sind in Zeiten der Verfolgung Schriften der Erde übergeben worden (Zunz, Syn. Poesie S. 49 a, nach unsrer Mittheil.), und so hat die Bücherbeerdigung verschiedenartig die Erhaltung oder den Verlust unsrer literarischen Schätze bewirkt. Solche und ähnliche geschichtliche und culturgeschichtliche Momente bilden besondere Capitel der Einleitung in die jüdische Literaturgeschichte, — die noch zu schreiben ist. -r Seitdem wir diese (aus der vor. N. zurückgebliebenen) Zeilen geschrieben, sind uns N. 64, 65 der obengenannten Blätter zugekommen. Dieselben enthalten den Abdruck eines Aufsatzes: ״Merkwürdigkeiten aus der karaitischen Literatur“ von Dr. Edw. v. Murault, aus der Peter8b. Zeitung N. 131. Dieser ,enthält zunächst dieselbe Nachricht über die Ergänzung des Divan, mit der Bemerkung, dass gerade in jenen Blättern rieh ein Akrostichon, finde ״des karaitischen Fürsten (Nasi) Salomo b. David aus dem 9. Jahrh., der noch jetzt in.Aegypten Nachkommen haben soll, von wo aus einer derselben den [rühmlichst bekannten] Firkowitsch in Jerusalem besuchte.“ ״Salomo b. David“ ist aber der Name sowohl des Verf. des Schreibens an Ahron b. Jehuda, als seines Ururgrossvaters, und die Chronologie dieser Ananiten-Familie nicht mehr werth, als die Chronologie der Karäer überhaupt (s. Catal. der Leydner HSS. S. 235); worüber man freilich bei Murault nicht fordern darf, was die neueste Geschichte des Judenthums (H. S. 347) auch nicht einmal andeutet. Im Uebrigen wiederholt Herr M. die zum Theil falschen Angaben der Anecdota, z. B. die Verf. ״Afendopolo“ u. ״Samuel d. Arzt,“ auf deren Berichtigung wir später kommen, ja er spricht noch von den ״philosophischen Schriften des Said“ mit Verweisung auf unsre Bibliogr. (vgl. auch oben S. 39 N. 116 aus der A. A. Z.), in welcher doch Said nur als Abschreiber nachgewiesen worden! Auf das Gebiet der angeknüpften allgemeinen Betrachtungen über karaitische Geschichte und Literatur wollen und können wir H. M. hier durchaus nickt folgen. (Fort», folgt.)

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