Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band I. 1858
- Issue
- No. 5 September-October
- Date
- 1858-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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91 244] [Wir haben unsre, hoch heute unveränderte Ansicht von dem Berufe hebräischer Zeitschriften in der Gegenwart vor 12 Jahren ausgesprochen, als das erste Heft dieser, ursprünglich zur Monatschrift bestimmten Sammlung wohl kaum noch erschienen war.1) Letztere ist lange eine vorgebliche Schule, in der That der Tumnielplatz frühreifer Schüler und unreifer Lehrer gewesen, auf den sich auch mitunter ein idealer Hebraist verirrte. Es scheint aber auch in den hebräischen Ürwäldern Oesterreichs die Gedichts-, Uebersetzungs- und Notizen-Literatur nicht mehr äuszureichen, wenn man den schleppenden Gang der Sammlung bedenkt, welche zuletzt eine Schwenkung nach strengerer Wissenschaft zu machen scheint. Das vorliegende Heft bringt u. A. auch Aufsätze dieser Art,, und soll es uns freuen, ׳ wenn es dem vielseitigen Redacteur gelingt, unter seine Planeten und Trabanten mehr selbstieuchtende zu bringen, ohne dass die Sterne alle untergehen; denn־ es scheint der jüdischen Wissenschaft in Wien kein hebräisches Blatt zu spriessen, und der ״begehrte Schatz? (Ozar Nechmad) hatte sich kaum aus den Minen der strengen Wissenschaft gefüllt, als auch er dem Schicksal des Yergrabens anheim fiel. — Unter den bessern stylistischen Beiträgen, dieses Heftes erwähnen wir S. FränkeVs humoristische Beleuchtung von Rapoporfs, allerdings zu weit gehender, und auch der wissenschaftlichen Kritik gefährlicher Pietät für verstorbene Celebritäten. 2) Dukes streut wieder Gedichte aus, darunter auch eines von Isak, dem Sohne des Abraham Ibn Esra (vgl. Naehal Kedumim S. 16), über dessen Ursprung und Veranlassung er wesentliche Irrthümer vorbringt. Dasselbe befindet sich nemlich in Cod. Uri 69, vor dem arab. Comm. über Kohelet (A. 1335 von d. Arzte Jakob b. Ajub abgeschrieben), und ist hieraus die frühere Angabe Dukes’ (Litbl. XI, 647 A. 12) zu erklären, dass sich in Oxford ein Comm. über Kohelet von Isak (!) u.s.w. befinde. Diesmal giebt er an, dass das Gedicht an einen gänzlich unbekannten H&tanel gerichtet sei, für welchen Isak den Commentar abschrieb (od. übersetzte?). Wie kann man den Hauptinhalt eines Gedichtes so missverstehen?! Dasselbe ist 1) Zeitschr. f.,d. relig. Interessen u. s. w. 1846 S. 29 (das 1. Heft der K. J. erschien in 2. Aufl. 1847). -ל- Unsern 8 Zeilen (oben 8. 78) hat der Red. des Maggid (N. 40) 4 Teile Spalten gewidmet. Zn den zugestutzten Citaten kommt noch die erwartete ostentative Ferhorrescirnng unserer ehrlichen Bemerknng (S. 79). Der Verf. glaubt also an eine absolute Heiligkeit des Hebräischen?! Oder weiss er überhaupt, was ,absolut“ ist, ielbst wenn er den, von ihm weggelassenen Beisatz von den kabbal. Spielereien verstanden? Freilich, wer ״ob s cur er Corresspondent“ hebr. בהה הדעת ושונה החכמה übersetzt, wem עשיתי* היכמית ganz gleich ist. mit היה לו היכרות, und wer für diesen, in der That nach Russland gehörenden Ausdruck des Red. des K. Ch. Berlin als Druckort verantwortlich macht, ja in den Worten ״wir fordern auf“ einen Tadel findet oder erfindet, für den ist es schwer den blossen ״Referenten,“ zu machen, wenn wir‘auch in unserm Programm das (im Maggid kleingedruckte) ״im Allgemeinen“ nicht näher ausgeführt hätten. Wir haben nur noch zu erklären, dass unsre Vermuthüng über den Verf. des oben erwähnten Artikels eine falsche, dass derselbe sogar ein איש נכבד ונאמן ווו! sein soll. Letzteres stellte ein Wilnaer Correspondent des Maggid selbst in Abrede, und wenn der Red. wirklich ״im Geheimen weint über die Streitigkeiten der Gelehrten,“ so hätte er jenem denuncirenäen Artikel nicht Raum geben sollen. Wenn wir aber je dem ״Maggid“ etwas mehr Aufmerksamkeit schenkten, als er verdient, 80 versprechen wir, dies nicht mehr zu thun. Die Insinuatioh 'einer persönlichen Feindschaft gegen einen der Mitarbeiter gehört — zu den andern jenes Artikels; —• Dass aber eine freimüthige Aufdeckung der Gebrechen unserer Literatur mehr nütze, als alle, wenn auch Mode gewordene, gegenseitige Lobhudelei, beweist jener Art. des Maggid selbst, dessen Styl wohl nicht zufällig — kein russischer ist. 2) In der Abhandl. über Maimonides (in Jeschurun Heft 3), für welche der Verf. der Gesch. d. Judenthums sich gedrungen fühlte, in der A. Z. d. J. seinen Danit auszusprechen, nachdem er in der Gesch. (II. 434) anstatt aus dem Texte des M;, aus einer tendenziösen Uebersetzung seine Anschauung geholt, und in der Gedankenlosigkeit so. weit gegangen, die Vermuthung über die Identität mit dem Trostschreiben Maimon’s dahingestellt sein zu lassen, nachdem der Inhalt des letztem in demselben Chemda Genusa gegeben ist ,das kurz vorher als Quelle citirt wird. Unsere, mit Rap. im Wesentliehen übereinstimmende Anschauung über Maimonides haben wir gegen Munk in der genannten Zeitschrift (1846), im Artikel ״Josef Ibn Aknin“ der Encykl. und auch im Catal. (S. 1910, gedruckt im Frühjahr 1855) vertheidigt, und am letzten Orte dieselben Worte: »bloss mich“ u. s. w. als unterschoben bezeichnet. — Der Aufsatz F.’s wird So eben in einem Blatte durch ״maasslose Angriffe* bezeichnet; dieser Ausdruck ist höchst unangemessen, da F. nicht die Person, sondern die Sache in den Vordergrund stellt. Es scheint in der That, als wollten tendenziöse Ostentation und Cliquenwesen den letzten Rest rein literarischer Interessen an sich reissen, und den Ignoranten- und Fanatiker-Pöbel sn Preisrichtern ernennen.