Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit. · p. Seite 195

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
Date
1903-01-01
Page
Seite 195 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9038025-9038029-423336--704-185662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

195 weisen erschreckende Lücken auf, er wohne in diesem Betracht auf einem Chimboraffo der Unwissenheit. „Dieser grundlegende Mangel an Bildung und Erziehung hat die unvermeidliche Folge eines Mangels an Takt gehabt. Denn der Vorwurf der Taktlosigkeit bleibt unter allen Umständen dem Verfaffer gegenüber bestehen, auch wenn man ihm die Rechtswohlthat der aus völliger Unkenntnis sich ergebenden Unverantwortlichkeit in vollem Umfange angedeihen läßt . . . Bei nur einigem Stammesgefühl — ich spreche gar nicht vom Stammesstolz, von dem sich bescheiden ausschließen darf, wer das Bewußtsein hat, daß er zur Erhaltung oder Erhöhung seiner Berechtigung nichts beigetragen — mußte sich der Verfasser sagen, es sei in einer Zeit schwerer und ungerechter Bedrängnis (! zur Zeit des Ballin - Goldberger - Kurses! Der Verf.) nicht angezeigt, mit den Bedrängern in irgend einer Beziehung gemeinsame Sache zu machen. Dieses Gefühl, dieser Takt hat ihm gefehlt, und er wird viel von der Selbstzucht, zu der er uns vermahnt, nötig haben, um den Mangel abzustreifen." Obgleich Herr Klausner seinem Gegner hier zum Vorwurf macht, daß er kein Stammesgefühl hat, spricht er später von „wir Deutschen" (verstanden sofort, wenn wir der bekannten und lieben Figur des deutschen Michel in unsern Witzblättern begegneten). Herr Klausner nimmt die Miene an, als glaube er, die Figur des „deutschen Michel" verkörpere mit den „andern Deutschen" auch den in Deutschland wohnenden Teil des jüdischen Volkes. Für ganz so unwissend, als er sich hier stellt, halten wir den ehrenwerten Rabbiner nicht; dagegen können wir nicht umhin, anzunehmen, daß er die seinem Volke eigentümliche Gabe der Verstellung in hohem Grade besitzt. Der Herausgeber der „Jsr. Wochenschrift" erhält in seinem Urteil über die „Impressionen" eine gewiß recht willkommene Unterstützung durch einen Aufsatz in den „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Darin wird Herrn Rathenau Taktlosigkeit vorgeworfen. „Wenn die Feuilletonspielereien eines jungen Mannes über eine Frage, über die er nicht genügend nachgedacht hat, als Sittenpredigt vorgetragen werden, ist das eine Anmaßung. - Der Verfasser der „Impressionen" würde sagen, eine jüdische Anmaßung." Er befinde sich noch im Stadium persönlicher Eitelkeit. „Wo die Worte so sehr im Widerspruch stehen mit dem Handeln (Rathenau wurde Direktor einer Bank und bezog sein Bureau in einem jener Bankpaläste der Behrenstraße, in der nach seiner Phantasie in 1200 Jahren nichts anderes mehr wuchert, als rötliches Haidekraut) thut man Unrecht den Verfasser eines Feuilletons allzu ernst zu nehmen. Seine schriftstellerischen Leistungen find aber trotzdem nicht unbedenklich.Wenn jemand im Wald mit Streichhölzern spielt, so ist das auch nur eine Spielerei, aber die Folgen können doch recht unangenehm sein." Man fürchtet also, Herr Rathenau könne durch seine Schrift einen großen antisemitischen Waldbrand verursachen. Nun, das hat wohl gute Wege: „de Szaiten sind 'r nich nach!" sagt Moses in Reuters Stromtid. Als im Herbst 1902 die Wahlen zur akademischen Lesehalle in Berlin abgehalten werden sollten, fand (nach der „Staatsb.-Ztg.", Nr. 557) eine jüdische Akademiker-Versammlung statt, in der die nationaljüdische Partei mit den Asfimilationsjuden hart an einander geriet. „Als ein jüngerer Redner vom „Verein jüdischer Studenten" das Wort ergriff, artete der Ton, der schon bisher die Grenzen des Erlaubten dicht streifte, vollends aus. Rufe wie: „Daumen heraus", da Redner die Hand in der Hosentasche hatte, und „Haut dem Kerl doch eine runter" wurden von der Gegend der Freien wissenschaftlichen Vereinigung her aus dem allgemeinen Tumulte vernommen. Ein Wunder, daß keine Handgreiflichkeiten vorkamen, viel fehlte jedenfalls nicht daran." 13*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.