Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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194 Hildesheimer „baS Berliner Organ der patentierten Orthodoxie, — das Patent hat ste sich selbst ausgestellt." Und später heißt es: „Ich bin zu oft in der Lage gewesen, den Widerstreit zwischen der Wahrheit und den Behauptungen des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer festzustellen, als daß die Versicherung dieses Herrn, irgend etwas sei nicht wahr, für mich beweisende Kraft hätte". Der „Jsr. W." wird monatlich ein „Jüdisches Litteraturblatt" beigelegt. In Nr. 10 dieses Beiblattes, Jahrg. 1901, findet sich eine Besprechung eines BucheS über - „Berühmte israelitische Männer und Frauen" von vr. A. Kohut, in der es heißt: „Wohl selten ist eine große und dankenswerte Aufgabe so mangelhaft und schlecht gelöst worden, als in diesem Werke ... Es stiegen gleich Bedenken in uns auf, ob der als Verfasser angezeigte Dr. Kohut der richtige Mann sei, der dieser Aufgabe nach allen Seiten hin gewachsen sein würde . . . Wenn man schon bei dem ersten Teile stutzig wurde ... so offenbart der zweite Band vollends die ganze Unfähigkeit des Verfassers, seine Unkenntnis, seinen Mangel an richtiger Beurteilung der Personen und ihrer Bedeutung, sein schwülstiges fast reklamehaftes Hervorheben von Minderwertigem und Ignorieren oder Unterschätzen von wirklich Bedeutenderem und und Gediegenem. Welche Konfusion herrscht in diesem Buche! Welche Herabwürdigung liegt oft schon in der falschen Einreihung bedeutender treuer Juden und ihre Zusammenstellung mit Täuflingen!" Der Rabbiner Dr. Abraham Geiger, Vater des Prof. Dr. Ludwig Geiger, hatte einst in Breslau aus dem Gebetbuche eine auf Zion bezügliche Stelle gestrichen. Als nach seinem Abgänge die Stelle wieder eingefügt wurde, schrieb der erzürnte Rabbiner: „Das Bedauern um Jerusalem ist eine bloße romantische Phrase, für sie zu beten ist vergeblich. Ja, ein solches Gebet ist ein wahrer Selbstmord, eine Gotteslästerung". — Am 16. April 1902 wurde nun in der Berliner Repräsentanten- Versammlung der jüdischen Gemeinde darüber verhandelt, ob das betreffende Gebet „Uwo lezijaun“ beim Jugendgottesdienst wieder einzuschalten sei. Prof. Ludwig Geiger, ein Liberaler, bekämpfte diese Absicht der orthodoxen Mehrheit mit der Erklärung: zu einem solchen Selbstmord und solchen Gotteslästerung die Hand zu reichen, halte er unter seiner Würde. Dazu bemerkt Herr M. A. Klausner („Jsr. W." 1902 Nr. 14): „Die Kollegen des Herrn Professor Geiger besaßen Selbstbeherrschung und Höflichkeit genug, nicht hell aufzulachen. Niemand gab der Hoffnung Ausdruck, daß der verdrießliche Herr wohl auch zu einem andern Selbstmord die Hand zu reichen unter seiner Würde halten werde. Niemand sprach die Zuversicht aus, Herr Professor Geiger werde auch an einer anderen Gotteslästerung sich nicht beteiligen. Niemand hielt es für nötig, gegen die Unterstellung zu protestieren, als ob das, was die Repräsentanten der Berliner Gemeinde mit Vierfünftelmehrheit beschlossen haben, gotteslästerlich sei. Man hat an dieser überheblichen Phrase nicht Aergernis genommen, sondern sich still amüsiert. Das haben wiederum alle gemerkt, nur Herr Professor Dt. Geiger nicht, der sich bemüßigt fühlte, seine drollige Entgleisung genau niederzuschreiben." Ein Herr Rathenau, der zu den Assimilationsjuden gehört und seinen Stammesgenossen recht unangenehme Wahrheiten sagt, hat durch eine „Impressionen" betitelte Schrift den Zorn des Herrn Klausner auf sich geladen („Jsr. W." 1902 Nr. 33). Dieser schreibt, Herr Rathenau kenne weder das Judentum noch die Juden, obwohl er jüdischer Geburt und noch ungetanst sei. Man müsse ihm die Entschuldigung der Unkenntnis für vieles um so mehr zugestehen, als er einen erstaunlichen Mangel am positiven Wissen mit erstaunlicher, selbstgefälliger Naivität zur Schau trage. Seine Bildung und Erziehung, soweit Religion und Abstammung in Frage kommen,