Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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191 Ministerpräsidenten v. Szell schreibt, während sein Gegner ein gewisser Thomas Kobor, einer der Redakteure des „Magyar Szo", des Banffyschen Organs, ist. Die Polemik zwischen den beiden Helden entstand so, daß das Blatt des früheren Ministerpräsidenten und jetzigen Oberst-Hofmeisters Baron Banffy in heftiger Weise den „Budapesti Naplo" angriff, worauf das letztere Blatt kräftig replizierte. Das Oberst- Hofmeister-Organ sprach hierauf vom „Mond und den Hunden" und erhielt nun vom „Budapesti Naplo" die folgende „ritterliche" Antwort: „Aus dem Stalle der Schweineherde, die sich an der Schlempe des Oberst-Hofmeisters mästet, machte sich heute ein Grunzen hörbar, das wütender als gewöhnlich war. Die wackeren Bestien fürchteten für ihren Sauhirten; wenn ihm etwas zustoßen sollte, würden sie gewiß vor Hunger krepieren. Sie wollen daher, daß jene, welche mit dem Sauhirten etwas zu tun haben, mit ihnen ringen sollen. Mit ihnen; denn sie grunzen. Mit ihnen; denn sie wühlen den eklen Morast auf. Mit ihnen; denn sie sind die Schweine und nicht ihr Sauhirt. Wir aber sagen dem Sauhirten, er soll seine Herde Mores lehren. Er soll acht geben, wem und was sie grunzen und auf wen sie ihren Schmutz spritzen. Denn er ist es, der jür jede Schweinerei dieser schmutzigen Herde einzustehen haben wird. Er kläre also die ehrgeizigen Konsumenten seiner Schlempe darüber auf, daß es-flch für sie schickt, sich zu mästen, nicht aber zu stänkern. Wenn die Schweine ungebärdig werden, so bekommt der „Halter" den Rippenstoß!" Das Banffhsche „Magyar Szo" nannte dann Vesst einen nichtswürdigen, von Banffy zur Thür hinausgeworfenen Mietling. Nun kam es zum Duell. In dem Bericht über eine in Berlin abgehaltene zionistische Versammlung („Die Welt", 1899, Nr. 10) wird dem Herrn M. A. Klausner, der so gern sich in den klobigsten, verletzendsten Ausdrücken ergeht, in amüsanter Weise mit gleicher Münze heimgezahlt: „Noch nie haben wir in einer Versammlung so wenig Opposition gehabt! Und wie war sie beschaffen, als sie in der Gestalt des Herrn Klausner endlich erschien! Mühsam arbeitete er sich durch einen Krautacker öder Spitzfindigkeiten, stellte Behauptungen aus dem römischen Schuldrechte auf, die jeden Juristen im zweiten Semester erröten machen würden, und erregte mit der in Ihrer Bescheidenheit einzigen Bemerkung, er sei da, um die Versammlung zu „belehren", unfreiwillige Heiterkeit." (Herr Klausner hat, wie sich fast in jeder Nummer seines Blattes zeigt, von sich selbst eine sehr gute Meinung; er hält es mit Goethe: „nur die Lumpe sind bescheiden".) Der bekannte jüdische Journalist Arthur Meyers hatte längere Zeit für die Orleans gekämpft. Später wollten ihn diese aber abschütteln und der Herzog Philipp von Orleans nannte ihn, den Herausgeber des „Gaulois", einen unsauberen Juden. Das giebt der „Welt" (1899, Nr. 51) Veranlassung zu folgenden Expektorationen: „Gewiß, Herr Arthur Meyer hat sich heiß und erfolgreich bemüht, in den Augen sittlich denkender Menschen als ein ganz erbärmliches Individuum dazustehen. Arthur Meyer wird es sich gefallen lassen müssen, wenn die anständigen Leute, die auch in Geschäftssachen von moralischer Ueberzeugung sich beeinflussen lassen, ihn als einen Menschen brandmarken, der sich immer und überall bloß von geschäftlichen Rücksichten leiten läßt. Er wird sich, und daran wird ein Scheinduell so wenig wie ein wirkliches etwas ändern, von allen, die reine Hände und ein reines Gewissen haben, den Schimpf ins Gesicht schleudern lassen müssen, daß er als Royalist genau so viel wert ist, wie als Antidreyfusard; daß seine Verehrung für die Orleans ebenso echt und ehrlich *) Von ihm sagt Drumont in seinem „Verjudeten Frankreich", er lebe von der Kuppelei, dem Börsengeschäft und dem Schacher; er besitze eine Halbchaise, einen Palast und ein Journal.