Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9038025-9038029-423336--699-185657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
190 seine Wut in unflätigster Weise an mir aus . . . Herr Bloch darf sich wirklich rühmen, daß er Napoleon weit über ist. Bekanntlich hat von diesem Lord Colwey gesagt: „Er spricht wenig, aber er lügt immer." Herr Bloch schreibt viel, aber daß er die Wahrheit berichtet, wird auch sein bester Freund von seinen Enunciationen nicht behaupten wollen." Der Vorsitzende des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hatte in einer Versammlung jenes Vereins sich tadelnd darüber ausgesprochen, daß am Eingänge des Versammlungssaales ein zionistisches Flugblatt durch von der zionistischen Parteileitung bezahlte Lohndiener verteilt worden war. Er hatte das in Anspielung auf das Wort „Zionismus" einen Cynismus genannt. In der „Welt" (1898, Nr. 52) erhält er dafür folgenden Fußtritt: „Unseres Erachtens hat Herr Dr. Horwitz, der feine Auchgermane, der er doch sein will, durch diesen Vergleich einen Cynismus seiner Gesinnung bekundet, wie er hoffentlich unter Juden nicht gar oft Vorkommen dürfte: er hat mit dem Namen Zion, welcher von Juden und Christen hochheilig verehrt wird, Spott getrieben. Wir bitten Herrn Dr. Horwitz im Evangelium St. Matthäi, Kap. Vif, Vers 5, nachzulesen. Dort steht geschrieben: „Du Heuchler, ziehe am ersten den Balken aus Deinem Auge; dann besiehe, wie Du den Splitter aus Deines Bruders Auge ziehest." — Daß in innerjüdischen Streitige ketten ein Spruch des Neuen Testamentes zitiert wird, ist jedenfalls neu. Ein Dr. Landau hatte der Redaktion der „Welt" angehört; er war wegen irgend welchen Streitereien entlassen worden und bekämpfte nun seine früheren Freunde. Dafür wurde er von einem der letzteren so angeeckt („Die Welt", 1899,. Nr. 9): „In Dr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift" veröffentlicht Dr. S. R. Landau einen von Beschimpfungen strotzenden Artikel, in welchem er einbekennt, was selbst ihm zu leugnen schwer gefallen wäre: daß er der Verfasser der von uns jüngst erwähnten Angriffe in der Blochschen Wochenschrift und im „Jewish Chronicle" sei. Auf das großsprecherische Gefasel dieses Schimpfartikels einzugehen, verlohnt nicht der Mühe. Die „Idee", ein zionistisches Blatt zu gründen, wird als Privateigentum von Dr. Landau in Anspruch genommen, als ob nicht die jüngsten Studenten an Diskussionsabenden den gleichen Wunsch geäußert hätten. Die Studenten verbanden übrigens mit diesem Wunsche nicht auch den, eine Anstellung bei dem Blatte zu erhalten. Den Typus unseres Blattes hat nicht Dr. Landau festgestellt, auf die politische Haltung hatte er keinen Einfluß und die Redaktion hat er zu keiner Zeit geführt. Wenn er sich außerhalb unseres Kreises dessen rühmte, so lachten die Eingeweihten einfach darüber? Herr Dr. S. R. Landau gesteht weiter zu, daß er für seine anonymen Angriffe auf die zionistische Bewegung von den antizionistischen Blättern Honorare erhalten hat, freilich nur bescheidene . . . Herr Dr. Landau wünscht noch, daß wir die Gründe seiner Entlassung publizieren. Er wurde nicht wegen seiner „Unabhängigkeit" aus der Redaktion entfernt, vielmehr wegen seines ungehörigen Benehmens gegen jedes einzelne Mitglied der Redaktion und Administration. Dieses Betragen führte schließlich zu einem Auftritt, welcher für Herrn Dr. Landau so peinlich und beschämend war, daß wir sogar jetzt noch Anstand nehmen, ihn zu veröffentlichen." In der Staatsbürger Zeitung Nr. 194 vom 27. April 1900 fand sich der folgende Bericht: Infolge einer Zeitungspolemik hat es in Pest am Dienstag ein Duell zwischen zwei Redakteuren jüdischer Blätter gegeben, das mit der — wie üblich nicht schweren — Verwundung beider Duellanten endete. Der eine Duellant war der Abgeordnete und Redakteur des „Budapesti Naplo" Joseph Vessi (magyarisiert), einer der Lautesten Schreier der ungarischen Hauptstadt, der im Solde des jetzigen