Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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188 dem Publikum: Seht, so schaut das Bürschchen eigentlich aus! Seht, wie er scheinheilige Grimassen schneidet und die Augen verdreht! — Nachher kann man sich ja die Hände waschen . . . Der „Israelit" von Mainz und seine Kollegen bringen auf jeder Seite zum mindesten ein halbes Dutzend religiöser Zitate unter, womöglich mit hebräischen Lettern. Das ist ein frivoler Mißbrauch der heiligen Schrift! Die Sprüche unserer Weisen haben wahrlich ein besseres Schicksal verdient, denn das traurige Los, ein bis zweimal wöchentlich von den „israelitischen" Heuchlern in den Mund genommen zu werden. Man sollte einem Burschen immer für seine Blasphemie ein paar Kräftige auf den Mund geben, wenn er sich unterfängt, zu seinen schmählichen Zwecken die Bibel zu zitieren." Der „Israelit" hat die Partei eines russischen Rabbiners genommen, der den Zionismus vernichten will; daher die schäumende Wut des Zionistenblattes: „Rabbi Rabbinowitz aus Poltowa! Wenn wir den Namen hören, so taucht immer lebhaft ein Bild vom zweiten Baseler Kongresse vor uns auf: Ein Männchen in schönem, glänzend schwarzen Seidenkaftan. Der Kaftan sehr reinlich, nur in der Gegend des Brustlatzes einige.kaum merkliche leicht hingehauchte Reste einer dahingeflossenen Mahlzeit. Die Bewegungen hüpfend, eine groteske Unruhe in dem ganzen Wesen. Wir haben uns öfter und mit aufrichtigem Vergnügen in seiner Nähe aufgehalten, wenn er in irgend einem Wandelgange im Kreise skeptisch dreinschauender Lauscher einen kurzen Vortrag in gebrochenem Deutsch hielt. Was er da sprach war blühender Unsinn. Die Verworrenheit der Ansichten wurde auch dadurch nicht gemildert, daß die Sätze mit großer Energie und Bestimmtheit ausgesprochen wurden. Im Mainzer „Israelit" veröffentlicht ein Anhänger des Poltowaer Klerikers eine Kapuzinade gegen den Zionismus. Man wird uns nicht zumuten, auf diese Faselei näher einzugehen." So geht es weiter; eine Auswahl derber Schmähworte, wie komischer Kauz, Eselei, feiges Pseudonoym, Skribler, Hohlköpfigkeit, Lumperei, thörichter Stiefel, Charakterlosigkeit wird auf den Verbrecher gehäuft; und zum Schluß erfolgt die fürchterliche Drohung, es solle — von Herrn Rosenberger — einmal gründlich und andauernd in diese überreiche Fundgrube von Narretei und Schlechtigkeit hineingeleuchtet werden. Das könnte hübsch werden; da würde man den ganzen Reichtum der deutschen Sprache an Schimpfwörtern bei einander finden. Als im Herbst 1902 die Vereinigten Staaten ihre bekannte Note über die Lage der rumänischen Juden an die europäischen Mächte geschickt hatten, in der behauptet wurde, die Regierung des Donaulandes komme den ihr durch den Berliner Vertrag auferlegten Pflichten gegen die Juden nicht nach, da beschäftigten sich fast alle Zeitungen eingehend mit dieser Frage. Die „Frankfurter Ztg.", deren Besitzer Sonnemann bekanntlich selbst dem auserwählten Volke angehört und die mit Eifer jedes jüdische Jntereffe zu vertreten pflegt, hatte in anerkennenswerter Weise folgende, der Wahrheit die Ehre gebenden Sätze über die Angelegenheit geschrieben: „Die ganze Erziehung der rumänischen Juden ist eine talmudische: die Uebervorteilung und Ausbeutung aller Nichtjuden gilt dem jüdischen Hochmut und Fanatismus als erlaubt, ja als erwünscht." Diese Aeußerung erweckte den Zorn des heißblütigen Leiters der „Jsr. Wochenschr."; in Nr. 40, 1902 schreibt er dazu: „Das ist schon mehr als albern; der Talmud verurteilt aufs entschiedenste jede Uebervorteilung." Natürlich existieren die Stellen des Talmud, die den Besitz der Nichtjuden als herrenloses Gut hinstellen, nicht für die Verteidiger des Judentums; daran sind wir längst gewöhnt. Aber es ist interessant zu sehen, wie hier gerade die „Frankfurter Ztg." angerempelt wird; dasselbe Blatt, von dem ein Aufsatz in Nr. 40, 1902 der „A. Z. d. I." berichtet, daß es zugleich mit dem „Berl. Tageblatt" große Ver-