Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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187 gehen die einträchtige Arbeit ermöglicht hat. Das ist ungefähr so wahr, wie die Behauptung es wäre, daß die Ehescheidung erst die rechte Ehe schaffe." In einer Fortsetzung jenes Aufsatzes <„Jsr. Wochensch." 1900 No. 6) wird die gegnerische Zeitung im Schulmeisterton korrigiert: „Das Hildesheimersche Blatt nennt das Laskersche Amendement „ein Ferment des vorher vermißten Friedens". Es scheint das Ferment für eine Art Kitt zu halten. Das ist nicht ganz richtig. Ferment ist das Gegenteil. Ich führe das an, um zu zeigen, nicht daß man in jenem Blatte mit Fremdwörtern etwas willkürlich umgeht, sondern daß man zuweilen das Gegenteil von dem eigentlichen Wortstnn verstehen muß, um nicht zu Mißverständnissen zu gelangen. Das kommt davon, wenn man redet wie — andern der Schnabel gewachsen ist." Noch etwas derber benimmt sich Herr Klausner („Jsr. Wochenschr." 1899 No. 36) einem ander'n Rabbinerblatte gegenüber: „Wir erhalten nachträglich davon Kenntnis, daß im Mainzer „Jsrealit" ein frecher Bursche, natürlich anonym, sich herausgenommen hat, über Artikel, die Herr Rabbiner Or. Singer-Koburg vor Jahren in der „Israelitischen Wochenschrift" veröffentlicht hat, ein ebenso dummdreistes wie ungebührliches Urteil zu fällen. Den feigen Anonymus können wir nicht zur Verantwortung ziehen. Den Sitzredakteur des „Israelit", Herrn Oskar Lehmann, dafür vor Gericht zu stellen, verschmähen wir." Der Mainzer „Israelit" scheint sich darauf zu verstehen, manchem in die Quere zu kommen. In der „Welt" 1900 No. 19 wird er in so plump-derber Sprache ungefähren, daß man beim Lesen des wütenden Ergusses den erboßten Hebräer leibhaftig vor sich zu sehen glauben könnte: „Weiß vielleicht jemand, wer der Mainzer „Israelit" ist? — Man kann mit einiger Gewißheit annehmen,. daß der überwiegende Teil der Menschheit keine blaffe Ahnung von der Existenz dieses „Israelit" hat. Nur einzelnen aufmerksamen Bürgern von Mainz, die etwa eben ein frugales Mahl — Käse oder Wurst — verzehrt haben, wird es möglicherweise aufgefallen sein, daß die genannten Genußmittel in einem sehr bescheidenen Zeitungsblüttchen eingewickelt waren, welches verziert ist mit dem Titel „Israelit". Der Umfang des Blättchens reicht gerade aus, um den Käsebedarf eines nicht allzu starken Essers notdürftig zu umhüllen .... Der „Israelit" von Mainz ist ein Frömmler. Er stellt sich, als würde er andachtsvoll die Lider gen Himmel aufschlagen, aber in Wirklichkeit verdreht er nur heuchlerisch die Augen; er verdreht feine Aeuglein, bis man das Weiße sieht und dazu murmelt er salbungsvolle Sprüchlein .... Warum behelligen wir den Leser mit einer Schilderung des „Israelit" von Mainz? Wozu machen wir ihn mit diesem „Israelit" bekannt, dessen Eigenschaften doch keineswegs darnach angethan sind, eine solche Bekanntschaft wünschenswert erscheinen zu lassen? Wenn ich im Privatleben einem Freunde irgend einen schäbigen Gesellen vorstelle, so wird mir mein Freund wenig Dank dafür wissen; ja er wird mein Vorgehen vielleicht gar als Beleidigung auffassen. Es giebt aber gleichwohl Verhältnisse, die einen dazu zwingen, solch einen schäbigen Patron beim Schopfe zu nehmen und vorzustellen: „Herr Soundso aus Soundso"- In eine derartige Zwangslage wird man beispielsweise versetzt, wenn der genannte Patron das Handwerk der Verleumdung betreibt. Er trottet zum Beispiel von Haus zu Haus und verbreitet mit einer unverschämten Frechheit, die einem ungeheucheltes Staunen abringt, die infamsten Lügen über deine Person. Und die Leute, die sich den Lügenbold nicht näher besehen, glauben wohl das eine oder das andere Wort. Da ist es denn das klügste, man überwindet möglichst den Ekel, den einem der Kumpan einflößt, man faßt ihn mit gelinder Scheu an und zeigt ihn bei Tageslicht