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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit. · p. Seite 186

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
Date
1903-01-01
Page
Seite 186 (sequence 15)
Language
German
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186 Daß sie es aber nicht verstanden haben, den Glauben in ihren Gemeinden zu pflegen und zu bewahren, das lehrt ein Blick in ihre verödeten Synagogen, wo das Minjan für den täglichen Gottesdienst in der Regel besoldet werden muß. In der jüdischen Menge haben sie die Kenntnis der hebräischen Sprache, der jüdischen Geschichte, Sitten, Bräuche nicht zu erhalten gewußt, so daß sie den jüdischen Ueberlieferungen ungefähr vollständig entfremdet ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die jüdischen Reichen, die ihnen ihr Amt und Gehalt geben, zeigen ihnen ironisch, was sie von einem Judentum halten, dessen Vertreter die Protestrabbiner sind, indem sie sich oder ihre Kinder der Reihe nach taufen lassen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Jetzt machen diese wackeren Männer den Reichen dadurch ihren Hof, daß sie ihre salbungsvolle Stimme im Namen der jüdischen Religion gegen den Zionismus erheben ... Von meinem Standpunkt eines jüdischen Freidenkers kann ich nur sagen: Dieser Zug, die Feindschaft gegen die echteste und tiefste Bewegung, die das jüdische Volk jemals gekannt hat, fehlte uns bisher im Charakterbilde der Protestrabbiner. Jetzt ist das Bild vollständig. lLebhafter Beifall und Händeklatschen.)" Auch von anderer Seite müssen die Rabbiner sich scharfe Kritiken gefallen lassen. In der „A. Z. d. I." 1901, Nr. 43, ist eine Korrespondenz aus Oesterreich enthalten, in der geklagt wird: „Von seiten vieler Prediger und Kantoren wird mit dem Gottesdienst viel zu viel Reklame getrieben, als daß er in Wahrheit wirken könnte." (Etwas Reklame mit dem Gottesdienst zu treiben, ist dem frommen Gemüt des Einsenders also wohl nicht anstößig; es darf nur nicht gar zu viel sein.) Und in einer späteren Nummer (1902, Nr. 24) werden — offenbar von demselben Korrespondenten — die Klagen fortgesetzt: Manche Rabbiner besteigen nur hie und da die Kanzel, um wohlgedrechselte, schöne Worte von sich zu geben und in maßloser Eitelkeit immer als die Demosthenes und Bossuets angebetet zu werden. Zwischen jüdischen Zeitungen. Daß die verschiedenen Parteien angehörigen Rabbinerblätter in ihren Polemiken gegen einander nicht gerade sanft verfahren, kann man sich leicht vorstellen. Natürlich finden wir unter den Rufern im Streite Herrn M. A. Klausner in der ersten Reihe stehend. Häufig reibt er sich an der „Jüdischen Presse" des Herrn Hirsch Hildesheimer. So finden wir in einem Aufsatze über „Moderne Schismatiker" („Fsr. Wochenschr." 1900, Nr. 5) folgende mehr als derbe Auslassung: „Die Hildesheimersche Presse hat von je die Taktik geübt, unliebsame Enthüllungen mit Schweigen zu übergehen. (Diese Taktik ist doch in der gesamten Judenpresse durchaus gebräuchlich. D. Verf.) Sie rechnet darauf, daß der andere Teil verschmähen werde, wider einen toten Gegner Angriffe fortzusetzen, und deshalb stellt sie sich tot, wo eine Widerrede ihr unmöglich ist. Sie befolgt dabei ein nicht eben appetitliches Beispiel aus naturwissenschaftlichem Gebiet und vielleicht rechnet sie sogar mit der Abneigung, die die Erinnerung solchen Beispiels erwecken muß." Der kampflustige Rabbiner deutet damit auf die unseres Wissens von seinem Stammesgenossen Harden entdeckte — wenigstens als in den modernen Makkabäerkämpfen der jüdisch geleiteten Presse gebräuchliches. Kampfmittel entdeckte — „Wanzentaktik des Totstellens" hin. — Das Hildesheimersche Blatt hatte gemeint, „daß gerade durch die Beseitigung der Ursachen des innern Haders (zwischen Orthodoxen und Liberalen), durch die Trennung in Kultus und Ritus . . . die bisher streitenden Parteien zu gemeinsamer, einträchtiger Arbeit auf dem großen Gebiet gemeinnütziger, humanitärer Thätigkeit sich zusammenfinden konnten." Dazu bemerkt Herr Klausner bissig: „Wir erfahren hier, daß der Hader in der Gemeinde glücklich durch Sprengung der Gemeinde beigelegt worden, daß das Auseinander-

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