Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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181 herrscht, so recht zum Ausdruck. Es kamen von jüdischer Seite alle existierenden verschiedenen Richtungen und Parteien (und es sind deren nicht gerade wenig!) zum Wort. Und nun hätte man meinen sollen, sie hätten sich alle mit gleicher Vehemenz auf den gemeinsamen Feind gestürzt — aber was geschah? Sie bewarfen sich gegenseitig mit Kot." Als Vertreterin des liberalen Judentums kämpft die „A. Z. d. I." bei jeder sich bietenden Gelegenheit kräftigst gegen die Orthodoxie. Ein „russischer Gelehrter", Halevy, hat ein Buch über die Geschichte der jüdischen Litteratur veröffentlicht, das in jüdischen Kreisen einiges Aufsehen erregt hat, „weil es fast alle Resultate der modernen Erforschung der jüdischen Geschichte ablehnte." Gegen ihn und seine An- Hänger wendet sich das genannte Blatt (1902, Nr. 5): „Die moderne Orthodoxie, die den Gedanken an eine mögliche Reaktion nie ganz aufgegeben hat und in einer festen Organisation unausgesetzt an ihrem Ziel arbeitet, fühlt sich stark genug, um einen neuen Vorstoß gegen die Selbständigkeit und Freiheit des Denkens zu wagen. Jsak Halevy heißt der Name, um den sie sich schart. Revision der jüdischen Geschichte! lautet ihr Schlachtruf." Den Anhängern Halevys, die die „verdienstvollen Gelehrten" Grätz und Weiß verunglimpft hatten, ruft die „A. Z. d. I." zu: „kräftig schimpfen, heißt noch nicht beweisen". Den Verfasser Halevy aber bezeichnet sie als „einen Mann ohne jede kritische Schulung und exakte Methode". Es handle sich hier um ein wohlbedachtes Attentat gegen die Selbständigkeit des Denkens und die Freiheit der Forschung. Ueber dasselbe Thema wird in einem „Orthodoxe Wissenschaft" überschriebenen Artikel in der „A. Z. d. I.", 1902, Nr. 24, des weitern geschrieben: „Seit längerer Zeit wird von der Orthodoxie in Deutschland ein jüngst erschienenes Geschichtswerk, das unter dem Titel „Doroth Harischonim", die Geschichte der jüdischen Litteratur behandelt, als ein Meisterwerk gepriesen, mit dem eine neue Aera in der jüdischen Geschichtsschreibung begonnen, in der die bislang arg entstellten Quellen erst zu ihrem Rechte gekommen wären. Die moderne jüdische Geschichtsforschung und deren Begründer und Vertreter werden mit Hohn und Schimpf behandelt und, ohne zu prüfen, Halevy als der hervorragendste jüdische Gelehrte gepriesen, zu dem man mit Ehrfurcht und Bewunderung aufzublicken hat. Ja, man begegnet in der orthodoxen Journalistik in letzter Zeit einem herausfordernden Tone gegen die anerkannt verdientesten Männer auf dem Gebiet der jüdischen Geschichtsforschung." . . . Halevys Art oder besser Unart thue sich durch Grobheit und gehässige Ausfälle gegen die Leistungen Anderer hervor; er schreie die nach seiner Meinung falschen Resultate Anderer durch geistlose Grobheit nieder, weil er durch klare Beweise nicht widerlegen könne. „Halevy hat keine Spur davon, daß es auch eine Würde in der Wissenschaft giebt." Seine Maßlosigkeit, die in der jüdischen Litteratur nicht ihres Gleichen finde, stamme nicht aus wissenschaftlicher Ueberlegenheit. Er erkühne sich, seinen Vorgängern vorzuwerfen, sie hätten die Quellen verdreht und gefälscht. Graetz und der in hohem Greisenalter stehende Weiß werden von ihm wie Schulbuben abgekanzelt. „Daß er in fortwährender Polemik gegen Alte und Moderne ausfällig wird, ohne daß er nach seinen Leistungen hierzu berechtigt wäre, ist ein Beweis, daß Zanksucht dieses Buch geboren und blinder Haß gegen alles Moderne im Judentum es großgezogen haben. Und daher auch der hohle Jubel in den orthodoxen Kreisen, in denen noch immer von einer objektiven wissenschaftlichen Erkenntnis keine Spur anzutreffen ist und die sich durch das Halevy gespendete überschwängliche Lob ein Armutszeugnis schlimmster Art ausstellt." Das eigentümliche System der Versteinerung, daß die Orthodoxie sich in Deutschland geschaffen habe, könne nur durch