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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit. · p. Seite 182

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
Date
1903-01-01
Page
Seite 182 (sequence 11)
Language
German
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182 Trugschlüsse aufrecht erhalten werden, deren leicht erweisbare Haltlosigkeit dem religiösen Empfinden unabsehbaren Schaden bringe. Ein in derselben Nummer enthaltener Brief aus Oesterreich beklagt bitter die Zustände innerhalb der Wiener Judengemeinde. Von den Rabbinern verlange man vor allem einen glänzenden Vortrag. „Tragieren und Posieren, das verlangt unser Publikum, das große Ungeheuer; dies verlangt Gevatter Plethi, im bürgerlichen Leben Rechtsanwalt, und Gevatter Krethi, im bürgerlichen Leben Verfertiger, Fabrikant wollener Tuche." Demgegenüber wird bemerkt, wenn dem Rabbiner sein Judentum nur die melkende Kuh sei, die ihn mit Butler und anderen Dingen versorge, wenn für ihn nur die Reichen und Mächtigen existieren, wenn die erhabene Idee ihm zur leeren Form sich verflache, dann seien die schönsten Worte nichts wert, dann nützen alle Verrenkungen und geistreich sein sollenden Auslegungen, aber unwahren Deutungen des Bibelwortes nichts. Es wird mit Bedauern darauf hingewiesen, daß sich oft ganz unwürdige Elemente vordrängen, daß die Achtung vor der Religion sinke und das Judentum zu einem Stellenvermittelungsamte herabgewürdigt werde. In einer anderen Nummer des Blattes (1902, Nr. 16) wird über die Streitereien zwischen Orthodoxen und Liberalen bittere Klage geführt; „kleinliche, gehässige Zänkereien, fortgesetzte Angriffe persönlicher Art" haben fünf von acht Vorstandsmitgliedern der israelitischen Religionsgemeinde zu Darmstadt im Januar 1902 bewogen, ihr Amt niederzulegen. Die Orthodoxie „habe sich ungestraft jede Provokation der andern Seite erlaubt". Die Orthodoxen geben den Liberalen ihre Angriffe in ebenso heftiger Weise zurück. In einem Wahlaufrufe des (orthodoxen) Berliner Zentralvereins für die Interessen der jüdischen Gemeinde vom Herbst 1898, in dem zuvor die Verdienste gepriesen werden, die sich die orthodoxe Mehrheit des Repräsentanten-Kollegiums um das religiöse Leben der Gemeinde erworben hat, heißt es („Jsr. Wochenschr." 1898, Nr. 42): „Gleichwohl wagen es die Wortführer der bei den vorigen Wahlen unterlegenen (liberalen) Partei, deren dreißigjährige Herrschaft eine Herrschaft der Unduldsamkeit, deren dreißigjährige Bethätigung eine ununterbrochene Kette von Verletzungen des religiösen Gefühls, ja der Vergewaltigung, der Versäumnis heiliger Pflichten war und zur Versumpfung des religiösen Lebens geführt hatte, gleichwohl wagen es die Wortführer dieser Partei, gegen unsere Richtung und ihre Vertreter den Vorwurf der Intoleranz zu erheben. Nicht den Schatten einer Begründung können sie beibringen, aber sie erheben irreführendes Geschrei nach Toleranz, um glauben zu machen, daß wir der Toleranz ermangelten. Die Absicht, die sie bei dieser Irreführung verfolgen, ist die Wiedererlangung der Macht in der Gemeinde." Herr M. A. Klausner aber, der mit den Leistungen und Thaten des Zentralvereins nicht zufrieden ist, macht seinen Gefühlen in Nr. 21 der „Jsr. Wochenschr." 1900 aus folgende geschmackvolle Weise Luft: „Der tote Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde, der das Wnnder gezeigt hat, wie man den Geist aufgeben kann, ohne je Geist besessen zu haben, hielt gestern Abend eine heimliche Sitzung. An zwei Dutzend Gespenster hatten sich zusammengefunden und geberdeten sich ganz so, wie fie bei Lebzeiten gethan: sprachen von Dingen, die sie nicht verstanden, heuchelten einen Glauben, den sie nicht hegten, und erstatteten einen Bericht über ihre seitherige Unthätigkeit. Ein Gespenst, dessen bürgerlicher Beruf den intimsten Umgang mit Schmieren und Oelen aller Art erheischt und der vielleicht daraus den kranken Ehrgeiz geschöpft hat, in dem verklärenden Schimmer des Zusammenhanges mit anderen „Schmieren" zu erscheinen, komödelte und tragödelte abwechselnd und

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