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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit. · p. Seite 178

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
Date
1903-01-01
Page
Seite 178 (sequence 7)
Language
German
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178 Palästinas gesammelten Gelder züchteten nur ein Schnorrertum groß. Der Direktorjener Bank, Wolfsohn, bezeichnete darauf in einer Zionisten-Versammlung zu Köln den ersteren als einen jener Banditen, den man aus dem Judentum hinauswerfen müffe. Wenn jemals der Antisemitismus irgend welche Berechtigung gehabt habe^ so trügen diese Halunken die Sckuld daran, die auf die niederträchtigste Art ihre Gegner zu bekämpfen pflegen. Solche Burschen verdienten, daß man ihnen die Zähne einhaue. Ein antizionistischer Schriftsteller hatte eine Broschüre unter dem Titel „Eine Krone für Zion" verfaßt. Er wurde dafür in dem Zionistenblatt „Die Welt" (1898 Nr. 42) folgendermaßen angehaucht: „Ein gewisser Herr Karl Kraus, der sich als bedeutender Satiriker nicht nur im Cafe Pucher, sondern auch in mehreren umliegenden Kaffeehäusern eines Weltrufes erfreut, hat letzthin den Zionismus angegeifert. Nur ein klein wenig; es ist ein mageres, zart gebautes Speichelflöckchen, das den Lippen des bedeutenden Satirikers entquillt. Gewöhnliche Menschenkinder denken mit dem Gehirn, wenn aber Herr Karl Kraus irgend eine Gelegenheit ergreift, um dem Denken zu huldigen, dann denkt er — man verzeihe die schlüpfrige Redensart — mit den Speicheldrüsen. Diesmal, wie gesagt, ist das Produkt der Denkarbeit etwas schwächlich ausgefallen. Zwar verzieht der bedeutende Satiriker angestrengt die Mundwinkel (der historisch spöttische Zug um die Lippen), um den Fluß seines litterarischen Erzeugnisses möglichst voll und kräftig zu gestalten, aber Flöckchen bleibt Flöckchen. Wollte man Herrn Karl Kraus und das Resultat seines Schaffens so behandeln wie sie es verdienen, dann müßte man einige in der Kinderstube gebräuchliche Methoden anwenden: Das kleine Geifermäulchen mit einem Tüchlein säubern und, weil man ja doch nicht immer rechtzeitig mit dem Tüchleim zur Hand sein kann, für unvorhergesehene Fälle einen niedlichen, hübsch gestrickten Brustlatz . . .. Wenn man einerseits das liebliche Menschenmaterial kennt, aus dem sich die Heerscharen des lärmenden Antizionismus zu rekrutieren pflegen, und wenn man andererseits das Glück hat, über die Lebensschicksale und die persönlichen Neigungen des großen Zeitgenossen Karl Kraus näher informiert zu sein, so muß man sich wundern,, warum Herr Karl Kraus mit seinem offiziellen Beitritt zum Radau-Antizionismus so lange gezögert hat ... . Herr Karl Kraus, der natürlich Jude ist, ist nämlich außerdem derzeit einer der bestgeohrfeigten Männer des Jahrhunderts. Bitte, kein Mißverständnis! Wir meinen da durchaus nicht symbolische Ohrfeigen in irgend einer übertragenen, umschriebenen Bedeutung, sondern wirkliche, echte, solide Ohrfeigen, die Fleisch und Blut besitzen . . . Aber fein organisierte Naturen a la Karl Kraus werden durch einen rein physischen Genuß, und wäre er auch von einem noch so melodischen Klatschen begleitet niemals vollständig befriedigt. Ein mächtiger Vergeistigungsdrang, eine ewige Sehnsucht nach dem Abstrakten beseelt sie. Und so kam es, daß in das Gemüt des Herrn Karl Kraus auch ein starkes Sehnen nach moralischen Ohrfeigen einzog. Mit demselben Eifer, mit dem er vordem ins Cafe eilte, um dort unter Mithilfe fremder Hände seinen leiblichen Bedürfnissen Genüge zu leisten, promeniert er nun in einer Atmosphäre, wo die moralischen Ohrfeigen auf die Juden hageldicht niederfallen." „In derselben Nummer der „Welt" wird in ähnlicher Weise über einen „bitterstupiden" Angriff des „Jewish Chrcmicle“ auf Dr. Herzl geschimpft: „Ohnmächtige Wut ist an dem Schreibtische gesessen, von dem aus der politische Zionismus in dieser bemerkenswerten Manier vernichtet wurde . . . Uebrigens werden uns diese Angriffe im Ton einer alten, verbitterten Jungfer wenig schaden." Ebenso grob und zügellos in seinen Ausdrücken ist ein in Nr. 16, 1899 den

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