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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit. · p. Seite 173

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Innerjüdische Polemik und ihre Gehässigkeit.
Date
1903-01-01
Page
Seite 173 (sequence 2)
Language
German
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173 stellung in der Tonhalle"; da. heißt es: „Die Berliner Zionisten, die in lobenswerter Selbsterkenntnis sich selbst nicht die Fähigkeit Zutrauen, der Sache, der sie angeblich mit Begeisterung anhängen, propagandistisch nützlich zu sein, verschreiben sich allmonatlich einen Redner von außerhalb, dessen Vortrag Neugierige anlocken und ihnen Genossen fangen soll. Die Kosten sind nicht erheblich, ja die Propaganda macht sich direkt bezahlt, seitdem man sich entschlossen hat, das Ahlwardtsche Muster auch darin nachzuahmen, daß man von den Neugierigen ein Eintrittsgeld von 20 Pfg. erhebt. ... Geschlagene drittehalb Stunden währte der kunstlose Vortrag, der vernichtende Langeweile ausatmete. Herr vr. Kahn begann mit der Versicherung, daß er in Huldigung für den deutschen Boden, auf dem er sich befinde, nach Art eines deutschen Professors und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit sein Thema erschöpfend behandeln wolle. Er muß von einem deutschen Professor und von Wissenschaftlichkeit etwas . . . galizische Vorstellungen haben, denn was er bot, war eine Karrikatur von Gründlichkeit, und erschöpft wurde nur die Geduld der gebildeten Hörer. Eine weitere Huldigung für den deutschen Boden sollten wohl die zahlreichen Zitate aus deutschen Dichtern darstellen. Auch diese Huldigung war verfehlt. Denn jedes Zitat ohne Ausnahme war eine sprachliche Entgleisung, eine gröbliche Verstellung der Worte und des Sinnes." Weiterhin berichtet Herr Klausner, der Vortragende habe endlich eine längere Vorlesung von Aussprüchen Nietzsches über die Juden gehalten. „Herr vr. Kahn zitierte nicht vom Faß, sondern aus der Flasche, nicht aus Nietzsches Schriften selbst, sondern — aus der Zeitung. Zwischendurch gab er eine Definition vom „Uebermenschen", die bewies, daß Herr vr. Kahn seine Kenntnis von. den Lehren dieses modernen Philosophen aus dem seichtesten Feuilletongeschwätz gewonnen und dann etwas ins Galizische verarbeitet hatte." Nach dem Bericht hat es in der Diskussion Herr M. A. Klausner für notwendig erklärt, daß in einer Versammlung gebildeter Menschen Einspruch erhoben werde gegen den Versuch, als Geschichte hinzustellen, was eine Sammlung teils mißverständlicher Auffassungen, teils maßloser Uebertreibungen sei. Herr vr. Kahn hat dann in der Entgegnung geäußert, man habe ihm gesagt, er werde in Berlin einen Gegner finden, der ihn vom konservativen Standpunkt aus bekämpfen werde und darauf habe er sich gefreut, wie das Kriegsroß auf Kanonendonner. Doch müsse mit Kanonen geschossen werden, nicht mit Vogeldunst wie auf Spatzen. Dazu meint dann Herr Klausner in seinem Bericht: „Man muß mit dem Gefühlsleben der Kriegsroffe vertraut sein wie Herr vr. Kahn, um zu wissen, ob diese edlen Tiere sich auf Kanonenlärm freuen und Gewehrschüsse als eine Beeinträchtigung ihrer Würde empfinden. Nur in einer Versammlung von Kriegsroffen könnte diese Frage zur Entscheidung gebracht werden." Zum Schluß wird erzählt, Herr Kahn habe in Leipzig genau denselben Vortrag zum besten gegeben. „Man sieht, die Herren Zionisten sind mit ihrem Geiste recht sparsam. Sie werden wissen warum." In einer anderen Nummer des genannten Blattes (13, 1899) wird unter der Spitzmarke „Aus der Krankenstube" kurz über einen Vortrag des Grafen Pückler berichtet; er habe unter anderem gesagt, auf die Dauer könne und dürfe den Juden der göttliche Segen nicht vorenthalten werden, der von ihnen auf die Völker der Erde weiter ausstrahle. Dann würden sie auch — etwa in der Mitte des neuen Jahrhunderts — Kanaan neu in Besitz nehmen. Zu diesen Aeußerungen des verhaßten Grafen bemerkt Herr M. A. Klausner: „Es steht jetzt nichts im Wege, daß die Berliner Zionisten den Grafen Pückler-Klein-Tschirne zum Parteiheiligen ausrufen und ihn in ihren kommenden Versammlungen neben dem früheren Judenmisfionar Herrn Pastor a. D. Faber auftreten lassen."

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