Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902. · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
Date
1903-01-01
Page
Seite 168 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9038025-9038029-423335--676-185635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

168 zum Angriff vorgegangen und hatten eine große Fabrik gründlich demolirt („Deutsche Ztg.", 2. Aug.). Wie üblich beklagten sie sich nachträglich über „brutale Behandlung" durch die Polizei und gleich am Tage nach dem famosen Begräbnis bildete sich eine „Hebrew Amerikan Citizens League“ mit dem Zwecke,^ „die Gleichberechtigung zu erlangen, deren andere sich erfreuen", es müsse „Gleichheit aller ohne Rücksicht auf Religion und Nationalität" erstrebt werden („Newyorker Staatsztg.", 17. Sept.) und es bildete sich weiter unter dem Namen „Manhattan Rifles“ ein „Regiment" von 250 bewaffneten Juden, bestimmt, diesen Forderungen militärischen Nachdruck zu geben („Allg. Ztg. d. Judent.", 15. Okt.). Wie wäre es, wenn das rückständige Europa unter Hinweis auf diese Vorkommnisse die Vereinigten Staaten auffordern wollte, ihre Juden freundlichst so zu behandeln, wie deren Auffassung von „Gleichberechtigung und Menschlichkeit" gebiete. Es hätte damit ungefähr gerade so recht, wie Herr Hay mit seiner Note, denn wenn die Newyorker Polizei gegenüber dem heillosen jüdischen Gesindel, das sich in Newyork aus aller Herren Länder zusammenfindet, scharf auftritt, so thut sie nur ihre Schuldigkeit ganz wie die rumänische Regierung. Also auch in Amerika sind die Juden ebenso unbeliebt wie unzufrieden. Wie steht es nun in England, dessen Regierung die amerikanischen Bemühungen mehr oder weniger unterstützt zu haben scheint? Der recht judensreundlichen „Münchener Allgem. Ztg." (26. Sept.) wird darüber geschrieben, daß sich eine starke antisemitische Grundströmung geltend mache, die hauptsächlich durch die „British Brothers League“ vertreten werde. Diese hätte ursprünglich den englischen Arbeiter gegen unlautere Konkurrenz von Ausländern im allgemeinen schützen wollen, sei aber notgedrungen antisemitisch geworden, da sie eben in der Hauptsache gegen Juden zu kämpfen gehabt hätte. Wenn auch die schon erwähnten bekannten Persönlichkeiten sich zu Gunsten der Juden geäußert hätten, so könne man doch in London sehr häufig hören, England solle sich lieber an Rumänien, das die Juden niederhalte, ein Beispiel nehmen?) Auch der „Deutschen Ztg." (10. Okt.) wurde über eine starke antisemitische Strömung im englischen Volke berichtet. Der Artikel schließt mit den Worten: „Haben die Engländer erst einmal das Judentum als eine ihr Volkstum bedrohende Gefahr erkannt, so wird diese so rasch und radikal beseitigt werden, wie fast nirgends auf der Welt." Das wird wohl richtig sein: Wie die Engländer dergleichen angreifen, zeigt der Aufsatz von Herrn Oberlehrer Bensemer über die Austreibung der Juden in England im 12. Jahrhundert, Seite 26 ff. Wir sehen also, daß die zur Schau getragene Judenfreundlichkeit der amerikanischen und englischen Diplomatie durchaus nicht der wahren Volksstimmung ent- ') Es sängt auch schon an: Am 5. Februar meldeten die Zeitungen aus Kapstadt, daß einer großen Zahl jüdischer Einwanderer, die mit dem Dampfer „Doune Castle" angekommen wären, um sich in Südafrika niederzulassen, die Erlaubnis zur Landung verweigert worden sei, und am 27. Februar schrieb die „Allg. Ztg. d. Jdt." sch merz erfü llt: „Die jüdische Auswanderung nach Südafrika ist durch die Abneigung der jetzt in der Kapkolonie maßgebenden Personen gegen die polnischen Juden für Jahre hinaus zur Unmöglichkeit geworden. Es wird jetzt offen zugegeben, daß die Fassung des Auswanderungsgesetzes von 1903, durch welche die Einwanderer völlig der Willkür der Hafenbeamten preisgegeben werden, sich speziell gegen die Juden richtet, welche als Kleinhändler, Sweater und überhaupt als Undesirables bezeichnet werden." Nach derselben Quelle sollen übrigens die 120 Juden der Doune Castle schließlich doch zur Landung j zugelassen worden sein, ebenso 100 Juden, die mit der „Jonic^ vor Kapstadt anlangten. Außerdem sollen noch 1000 Juden zu jener Zeit nach Südafrika unterwegs gewesen sein. Begreiflich, daß man sich gegen diesen Import wehrt, aber schwer zusammenzureimen mit der Zustimmung Englands zw Hays Note!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.