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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902. · p. Seite 165

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
Date
1903-01-01
Page
Seite 165 (sequence 15)
Language
German
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165 eignet wäre, sich diejenige Autorität zu erwerben, die zur Erzielung so einheitlicher Zusammenarbeit vorausgesetzt werden muß. Wer solche Erfolge erzielen kann, muß stärkeren Rückhalt an persönlicher oder womöglich religiöser Autorität haben. Also Juden haben den Anstoß zur amerikanischen Note gegeben. Zuerst mag immerhin durch Gemeinden und Gesellschaften in „öffentlicher Meinung" gemacht worden sein. Dann aber werden sich über die Hintertreppen, auf denen sie ja bewandert genug sind, Vertreter des Judentums an die maßgebenden Personen in Washington herangeschlichen und sie in Bearbeitung genommen haben.*) Man kann sich, wenn man alle in Betracht kommenden Umstände berücksichtigt, die Sache ungefähr so vorstellen, daß den leitenden Staatsmännern eine große Erregung der öffentlichen Meinung in Amerika und besonders Europa vorgegaukelt worden ist, daß man sie bei ihrer Eitelkeit nahm und der seit dem kubanischen Kriegein Amerika Mode gewordenen Einmischungslust in allerlei Welthändel schmeichelte. Man wird hinzugefügt haben, daß die europäischen Regierungen durch entsprechende jüdische Bearbeitung schon mürbe gemacht seien und daß besonders ein amerikanischer Appell an die Menschlichkeit bei der europäischen Presse ein gewaltiges Echo auslöfen werde. Welch herrliche Perspektive für die amerikanische Diplomatie, unter dem einstimmigen Jubel der öffentlichen Meinung Europas eine erste Exkursion aus das Gebiet europäischer Politik zu machen, ja die europäischen Großmächte zur Unterwerfung unter den amerikanischen Willen zu zwingen. Am 11. August erließ dann Mr. Hay wirklich die von den Juden geforderte Note. Sie fand nur bei 'England Unterstützung, bei den anderen Mächten kühle Ablehnung, derart, daß Amerika mit einer trockenen Empfangsbestätigung abgespeist wurde. Das sah nun anders aus, als Juden und amerikanische Diplomaten sich hatten träumen lassen. So griff man denn Mitte September zum letzten Mittel, man versuchte die öffentliche Meinung zu -Hilfe zu rufen, indem man sie am 17. September von Mr. Hays Großthat in Kenntnis setzte. Ob das von der amerikanischen oder der jüdischen Diplomatie ausging, mag dahingestellt bleiben. Fast möchte man das Letztere annehmen, angesichts des überschnellen Rückzuges, den Mr. Hay seinerseits alsbald antrat, vermutlich doch wohl, weil er kein Interesse hatte, seine Blamage noch weiter öffentlich erörtert zu sehen. Die Ereignisse nahmen einen fast dramatischen Gang: Am 17. September Veröffentlichung der Note in der „Associated Preß"; am 20. September scharfe Ablehnung durch die europäische Presse und schon am 23. September Rückzug der amerikanischen Diplomatie durch die Entschuldigung mit dem von den Juden aus. *) Wie das gemacht wird, erzählt das ,,Berliner Tageblatt" vom 25. November: Der „bekannte Herr Henry Seligmann" ein „Frankfurter Philantrop", der seit langem dem amerikanischen Botschafter White in Berlin bekannt ist, schrieb an diesen unterm 24. September und bat ihn ganz naiv unter Hinweis aus den Berliner Vertrag und die Note Hays, „sich beim Kaiser Wilhelm für die unglücklichen, durch die Rumänische Regierung zur Verzweiflung getriebenen dortigen Juden zu verwenden". White antwortete unterm 2. Oktober, er wolle über den Vorschlag Nachdenken, und wenn sich eine Gelegenheit biete, ihn ausführen, obgleich er fürchte, „daß es kaum möglich sein werde, es zu thun". Um aber Herrn Seligmann zu trösten, liefert er wenigstens den Beweis, daß er die Phrasen der Jud'enpresse . g u t auswendig gelernt hat, behauptet, daß die rumänischen Grausamkeiten „monströs seien und die zivilisierte Welt aufrüttelten", vergleicht sie mit den Hugenottenverfolgungen unter Ludwig XIV. und schreibt: „Es erscheint als eine offene Verweigerung von Recht, Gerechtigkeit und gewöhnlichem Anstande". Das „Berliner Tageblatt" nennt diese Aussprüche, die, wie alle philosemitischen Ergüsse, von absoluter Unkenntnis der thatsächlichen Verhältnisse und vollständigem Mangel an Kritik zeugen, „lesenswert", und druckt sie unterm 25. November ab, und die gesamte Judenpresse beider Hemisphären druckt sie voll Entzücken nach!

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