Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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164 bekannten Engländern, die ein in London verbreitetes Flugblatt zu Gunsten der rumänischen Juden anführte („Frankfurter Zeitung" vom 23. September). — Am 24. September beklagt sich die „Franks. Ztg." in einem Artikel über die amerikanische Note, daß „bis jetzt alle nach Berlin gerichteten Aufforderungen, in Bukarest einen diplomatischen Druck auszuüben, damit Rumänien seinen im Berliner Vertrage übernommenen Verpflichtungen endlich Nachkomme, rundweg abgelehnt" seien, weil man die Lage König Karls nicht erschweren wolle. Von wem diese Aufforderungen ausgegangen sind, ist in der Notiz leider nicht gesagt, daß sie aber von niemandem als von Juden gekommen sein können, versteht sich von selbst. — Am 1. November gar veröffentlichte die „Franks. Ztg." eine langatmige und überschwängliche Eingabe des Zentralkomitees der Alliance Israelite in Paris an die französische Re« gierung. in der Klage über die rumänische Gesetzgebung gegen die Juden geführt wird; eine ähnliche Eingabe soll von demselben Komitee auch noch an die italienische Regierung gemacht worden sein. Leider ist nicht angegeben, wann diese Anrufung Frankreichs und Italiens erfolgt ist. Es gehört nun aber ein ungeheurer Grad von Harmlosigkeit dazu, angesichts dieser überall wühlenden Thätigkeit jüdischer Organe, des rumänischen Judenverbandes, des Zentralkomitees der Alliance Israelite in Paris und Rom, der jüdischen Gemeinden und Gesellschaften in Amerika, der Großfinanz mit ihren Boykottdrohungen (s. S. 156), der „nach Berlin gerichteten Aufforderungen" u. s. w. anzunehmen, daß das alles nur rein Zufällig in der alten und neuen Welt ineinandergreife. Wenn die amerikanischen Juden nicht von ganz autoritativer Stelle veranlaßt worden wären, sich der rumänischen Juden anzunehmen, so würden sie sich sicher nicht um sie gekümmert haben. Das ganze Treiben beweist unzweideutig das Vorhandensein einer zentralen Leitung des gesamten Judentums, die Thätigkeit' einer jüdischen Geheimdiplomatie.^) Gewöhnlich gilt die Alliance Israelite als Zentralstelle, doch erscheint cs sehr zweifelhaft, ob ein vereinsmäßiges Gebilde ge-. *) Die unsichtbare Hand hat gerade in den letzten Tagen wieder einmal an den Drähten gezogen, die durch ihre Finger laufen, und an den verschiedensten Orten fingen ihre Puppen an zu tanzen wie auf höheren Befehl. Die „Israelitische Wochenschrift" vom 20. März erzählt, der Abgeordnete Skedl habe im österreichischen Reichs rat eine Interpellation eingebracht, in der er sich darüber entrüstet, daß aus die Haysche Note in einem ganzen langen halben Jahre nichts geschehen sei. Die vexalorische Gesetzgebung in Rumänien raube den dortigen Juden die Subsistenzmittel, bringe sie zur vollständigen Verarmung und verursache andern Staaten Unzuträglichkeiten. Kein Staat außer England habe das Vorgehen Havs unterstützt, darum fragt Skedl die österreichische Regierung, was sie in dieser dringenden Angelegenheit zu thun gedenke. Die Antwort steht noch aus. — Am gleichen Tage berichteten die Zeitungen über eine Audienz, die die Herren Simon und Nathan vom neugcgründetcn „Hilfsverein der deutschen Juden" am 2. Dezember 1602 beim Reichskanzler in Sachen der rumänischen Juden gehabt hätten. Der Bericht des Vereins soll erklären, „wir haben Veranlassung, dem Herrn Reichskanzler für sein Entgegenkommen dankbar zu sein". Bekanntlich haben die jüdischen Vereinsvorstände stets Ursache, ihre eigene Vielgeschästigkcit durch fleißige Reklame anzupreisen, außerdem ist Gras Bülow Meister darin, sich in angenehm klingenden Wendungen zu nichts zu verpflichten; darum wollen wir dem Hilssverein seine Genugthuung über diese Audienz gern gönnen. — Und an d emse lb en Tage trat der sozialdemokratische Abgeordnete Bernstein im deutschenReichstage bei der Beratung des Etats die rumänische Judensrage breit. Herr von Richthofen antwortete ihm auf seine weitschweifigen Ausführungen, obgleich er sie kaum überhört haben kann, — gar nichts, man müßte denn die Worte: „Es (das auswärtige Amt) hat aber unzweifelhaft nicht die Ausgabe, Ausländer gegen ihre eigene Regierung zu schützen" als solche betrachten. Zutreffend und ausreichend wären sie ja. Der sozialdemokratische Abgeordnete Gradnauer, der nach übereinstimmenden Zeitungsberichten im Anschluß an die Bernsteinsche Rede behauptete, die „Ehre des deutschen Namens" sei dabei engagiert, daß „den in Rumänien lebenden Juden ihr Recht werde", hat diese Worte im stenographischen Bericht eigenhändig gestrichen. Sollte er wirklich eingeschen haben, daß es einem sozialdemokratischen Juden nicht ziemt, über die Ehre des deutschen Namens und was sie heischt, abzuurteilen?