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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902. · p. Seite 159

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
Date
1903-01-01
Page
Seite 159 (sequence 9)
Language
German
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159 Haben im übrigen die Vereinigten Staaten, da sie nicht zu den Signatarmächten des Berliner Vertrages gehören, überhaupt kein Recht, unter Berufung auf diesen Traktat irgendwelches Ersuchen an die Mächte zu richten, so müssen die letzteren es um so mehr als eine Anmaßung der Washingtoner Regierung empfinden, wenn diese ihnen indirekt Vorhaltungen über ihre Pflichten macht/' Es wird dann gefordert, daß die Mächte sich die „unbefugte Topfguckerei" der Amerikaner energisch verbitten möchten: „Denn im' andern Falle würde ein Präcedenz geschaffen werden, auf Grund dessen sich die Amerikaner eine Art Oberaufsicht über Europa vindizieren könnten. Das fehlte nur noch zur Steigerung des amerikanischen Größenwahns ins Unermeßliche! Uebrigens thäten die Amerikaner gut, vor ihrer eigenen Thür zu kehren; es giebt in ihrem eigenen Lande Zustände genug, die nach europäischen Begriffen ungeheuerlich sind und dringend der Beseitigung bedürfen." Aus den Artikeln anderer Blätter sollen nur die entscheidenden Wendungen als Stichproben angeführt werden. a) Sogenannte nationale Presse: „Leipz. N. N.", 20. September: Die Note ein „Meisterstückpolitischer Heuchelei"; 30. Sept.: „Der blamierte Herr Hay" leistete „eine der wunderlichsten Bekundungen amerikanischer Arroganz". — „Rhein.-Westf. Zig.", Essen, 20. Sept.: Amerika versucht sich „einBeaufsichtigungsrecht anzumaßen". — „Tägl. Rundschau", 19. Sept.: Die Note sei „eine dreiste und anmaßende Einmischung"; 20. Sept.: Amerika ein „unberufener Mahner". — Die „Deutsche Ztg.", 20. Sept., sucht die Note zu ironisieren, entwickelt aber bei ihrem Versuche, der Sache die humoristische Seite abzugewinnen, nicht ganz die für die Abwehr jüdisch-amerikanischer Frechheit erforderliche „Temperatur"*). ^Konservative Presse: „Dresdn. Nachr.", 21. Sept.: Die Note eine „Dreistigkeit und Unverfrorenheit", es ist nötig „die Jankees in ihre Schranken zu weisen". — „Reichsbote", 23. Sept.: Die Note mit ihrer „angeschminkten Philantropie eme unbefugte und widerspruchsvolle Einmischung". — „Kreuzzeitung", 20. Sept.: Die Note gebietet „entschiedene Zurückweisung" und am 24. Sept.: sie ist ein „Meisterstück der .Soph-stik".— ,,Schles. Ztg.",20.Sept.: Die Note ist „eine ^unstatthafte Einmischung in Angelegenheiten, die die Union gar nichts angehen". — Auch das „Po s. Tagebl.", 21. Sept. und die „Thorner Presse", 21. Sept., wiesen die Note scharf zurück. c) Liberale Presse: „ Augsb. Abendztg.", 21. Sept.: Die Anrufung der Menschheit ist „eitel Wind. Europa für die Europäer". — Auch die „Badische Landes ztg.", 20. Sept. und 6. Okt. weist die Note scharf zurück. ä, Centrumspresse: „Coblenzer Volksztg." und „Echo der Gegenwart", Aachen vom 23. Sept.: Die Note verdient eigentlich „gar keine Antwort . . . Hände weg!" — Die „Germania", 25. Sept., rät, Rumänien solle über die Note „zur Tagesordnung übergehen". — „Köln. Volksztg.", „Wests. Merkur", „Schles. Volksztg." vom 20. bezw. 21. Sept. ironisieren die zur Schau getragene Humanität der Note an einigen Beispielen amerikanischer Brutalität. — „Rhein. Volksstimme", Kempen, 25. Sept.: Die Note „eine drohende Kundgebung zu Gunsten des Judentums, eine erste Kraftprobe" der jüdisch-amerikanischen Koalition. — Auch „Augsb. P ostztg." vom 26. Sept. und „Fuldaer Ztg." vom 25. Sept.weisen die Note scharf zurück. e) Zeitungen unbestimmter Richtung (mein angeblich parteilos). „Berliner N. N.", 21. Sept.: Das Reich steht „weder unter der Vormundschaft der Vereinigten Staaten, noch unter derjenigen der Alliance Israelite". — „BraunschweigerLandeszeitung", 26. Sept.: Die Note „unlogisch und heuchlerisch". — „Danziger N. N.", 20. Sept.: In der Note steckt „ein ungeheures Stück Heuchelei". — „Pforzheim er Anzeiger", 27. Sept.: „Ter Ton ist ein wenig aufdringlich . . . . *) Einen Tag später schrieb nämlich der Herausgeber des Blattes in dessen Wochenbeilage „Deutsche Welt", aufgebracht „über einen Fall buchhändlerischer Reklame für eine jüdische Sudelschrift": „Wenn aber jüdische Literaten eS wagen dürfen, uns solchen llnflath mit dem Ansprüche zu bieten, daß ein deutsches Publikum darin die Wahrheit seiner Familienverhältnisse erkennen solle, so genügt das zum Beweise, daß unser Verhalten gegen die aufdringlichen Hebräer noch immer nicht die rechte Temperatur hat."

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