Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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158 die Schwierigkeit der Unternehmung keinen Täuschungen hingeben dürfen. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß das gleichzeitige Eingreifen zweier großer Kulturstaaten in Rumänien doch Wohl nicht ohne Einwirkung bleiben wird. Den Rumänen erwächst aus ihnen zum mindesten eine recht große Unannehmlichkeit, und sie müssen sich die Frage vorlegen, ob sie in ihrem eigenen Interesse nicht besser gethan hätten, ihre auf die Juden bezügliche Gesetzgebung anders zu gestalten. Eine Lösung der rumänischen Judenfrage durch die von den Rumänen angewandten Mittel ist recht aussichtslos, und wenn sie einmal selbst zu dieser Erkenntnis gelangt sind, die freundschaftliche Ratschläge ihnen schon oft nahe gelegt haben, so werden sie sich vielleicht dazu entschließen, ihrer Gesetzgebung eine andere Ausgestaltung zu geben, um so mehr, da sie selbst das größte Interesse daran haben, die Judenfrage von der Tagesordnung verschwinden zu lassen." Die in diesen Auslassungen enthaltene Ablehnung der amerikanischen Zumutungen ist ebenso deutlich wie in ihrem Hinweis auf einen „modernen Don Quixote" unhöflich. — Das offiziöse „Wiener Fremdenblatt" veröffentlichte eine aus Berlin datierte, thatsächlich aber wohl aus dem Wiener auswärtigen Amte stammende Meldung: Die Nachricht, daß Oesterreich beabsichtige, im Gedankenaustausch über die rumänische Note der Unionsstaaten die Führung zu übernehmen, und bereits den Inhalt einer Antwortnote skizziert habe, wird in hiesigen (soll heißen Berliner) unterrichteten Kreisen angezweifelt. An keiner hierfür in Betracht kommenden diplomatischen Stelle ist von einer derartigen Absicht des Wiener Kabinetts irgend etwas bekannt. (Nach „Germania" vom 28. September.) In Bukarest ist man jedenfalls über die Stimmung der Vertragsmächte gut unterrichtet gewesen, denn schon am 23. September brachte die hochoffiziöse „Jndepend. Roumaine" einen Artikel, in dem sie erklärte, daß das rumänische Handwerkergesetz keine unberechtigten Ausnahmebestimmungen enthalte und die rumänische Presse zu energischem Protest gegen die fremde Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes aufforderte. So ist also die amerikanische Diplomatie'mit ihrem Einmischungsversuche auf der ganzen Linie zurückgewiesen worden, von Rumänien wie von den Vertragsmächten, und nur bei England hat es vorübergehend Unterstützung gefunden. Die deutsche Presse weist die Note zurück. Mit seltener Einmütigkeit wurde der amerikanische Einmischungsversuch von der deutschen Presse zurückgewiesen und niemals, so lange die Judenfrage in Deutschland erörtert wird, ist die spezifische Judenpresse, die mit Recht sogenannte „Drehfuspresse" so vollständig isoliert gewesen, wie in diesem Falle. Da ich ihn gleich bei der ersten Nachricht über Mr. Hays Note als einen guten Prüfstein für den in unserer Presse herrschenden Geist erkannte, habe ich mich bemüht, möglichst viele Urteile deutscher Zeitungen über die Sache zu sammeln. Daraus ergab sich dann eine ziemlich vollständige Uebersicht über die Haltung unserer Presse. Der Grundton, auf den die Ablehnung gestimmt war, klingt deutlich aus den folgenden Ausführungen der „Hamburger Nachrichten" hervor, die übrigens auf ihre ablehnende Haltung noch wiederholt, so am 23. und 24. September zurückgekommen sind und auch da wieder mit Nachdruck energische Zurückweisung der amerikanischen Anmaßungen verlangt haben. ,,Hamburger Nachrichten" vom 20. September: „Die Versendung des Schriftstückes bedeutet zweifellos eine Einmischung der Washingtoner Regierung in europäische Angelegenheiten, zu der ihr einerseits jede Aktivlegitimation fehlt und die andererseits um so deplazierter ist, als es keinem Zweifel unterliegt, daß Amerika umgekehrt jeden Versuch Europas, sich in amerikanische Angelegenheiten einzumischen, mit größter Entschiedenheit zurückweisen würde.