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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902. · p. Seite 156

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
Date
1903-01-01
Page
Seite 156 (sequence 6)
Language
German
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156 die britische Regierung hätte an die Mächte eine mit der amerikanischen wesentlich identische Note erlassen, aber es ergab sich, daß sie bei den Mächten keine Schritte gethan, sondern nur dem Washingtoner Kabinett den Empfang der Note bestätigt und außerdem an die rumänische Regierung eine Anfrage wegen der Behandlung der Juden gerichtet hatte. Aus letztere antwortete der rumänische Gesandte, daß die rumänische Regierung die Judenauswanderung nicht dauernd verhindern könne (Reutermeldung vom 27. September). Die Londoner Stimmen, die selbst in sehr judenfreundlichen Blättern laut wurden, sprachen sich dahin aus, daß die Haysche Note von den Mächten mit einer „trockenen Empfangsbestätigung" abgethan werden würde; daß die in der Note enthaltenen Prätenstonen Amerikas an „maßgebenden Stellen" angesichts der amerikanischen Monroe-Doktrin verstimmt hätten; daß die Note nur gut sei, „den Sekretären in den Auswärtigen Ministerien Gelegenheit zur Bethätigung ihrer Talente zu geben." Belustigend waren die widerspruchsvollen Nachrichten über den Eindruck der Note in Rumänien. Nach der „Neuen Freien Presse" sollte sie „große Erregung hervorgerufen haben", nach dem „Pester Lloyd" sollte in Regierungskreisen durch den Anschluß Englands „ein gelinder Schrecken entstanden sein", aber weniger beflissene Blätter meldeten, daß man die Sache „mit sehr großer Ruhe" behandelte. — Am 24. September wurde gar gemeldet, daß die rumänische Regierung jüdischen Auswanderern keine Pässe mehr verabfolge, angeblich, um Amerika entgegenzukommen. Aber auch das wurde sehr bald kategorisch dementiert. Da war es nun ein recht komischer Zwischenfall, daß die amerikanische Regierung in ihrer Verlegenheit auf diese Falschmeldung hin schleunigst erklären ließ, sie fühle sich durch die Verweigerung von Auslandspässen für rumänische Juden durchaus befriedigt: darin liege eine „unmittelbare direkte Anerkennung" von Hays Ausführungen. Wie bei früheren Gelegenheiten, so erhoben sich auch diesmal in der Presse ausgesprochene Drohungen, daß die Grotzjuden Rumänien finanziell den Hals abschneiden würden, wie die kleinen Juden es bei unsern Bauern machen: Nach der „Berliner Zeitung" vom 1. Oktober wollte die Großfinanz Rumänien jede finanzielle Hilfe verweigern; die „Times" schrieben, Rumänien könne nicht straflos einen Stamm beleidigen, „der unter seinen Gliedern die leitenden Finanzmagnaten Europas zähle", und in der „Kölnischen Zeitung" (21. September) wurde Rumänien darauf hingewiesen, daß „bei dem Appell an fremde Geldmärkte die Juden ein Wort mitzusprechen" hätten.*) Dazu ist zu bemerken, daß die Großfinanz an der Emission neuer Anleihen mindestens ein ebenso großes Interesse hat, wie die Darlehnssucher- Ja, Rumänien wie jedem andern Staat würde geradezu ein Dienst dadurch erwiesen, wenn man ihm die weitere Anwendung des Pumpsystems unmöglich machte. Recht nett war auch die New-Uorker Meldung vom 23. September, daß der *) Ein weiteres Beispiel, wie sich der jüdische Großmachtsdünkel gegen Rumänien äußert, bietet das Verhalten des jüdischen Lordmayors Markus Samuel: Es ist üblich, daß der Londoner Oberbürgermeister zu seinem Antrittsbankett alle beim englischen Hose beglaubigten Vertreter auswärtiger Mächte einladet. Samuel aber lud zu seinem am 10. November stattfindenden Antrittsschmause den rumänischen Gesandten nicht ein und ließ das der Welt ausdrücklich durch das „Jewish Chronicle" in folgender Form verkünden: „Wir sind ermächtigt, anzukündigen, daß den an das diplomatische Corps erlassenen Einladungen zu dem vom Lordmayor, Sir Markus Samuel, gegebenen Bankett keine für den rumänischen Ministerresidenten in London beigefügt war, um auf diese Weise dem Bedauern und dem Mißfallen über die fortgesetzte Verfolgung der Juden in Rumänien Ausdruck zu geben." Es ist Sache der Londoner Bürger, ob sie sichs gefallen lassen wollen, daß sich auf ihre Kosten die jüdische Unerzogenheit in der üblichen pöbelhaften Weise in der Welt breit macht.

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