Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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153 der angeblichen Bedrückungen sogar jüdischer Einwanderung aus Galizien und Rußland: Dadurch hat sich nach dem Zeugnis des ExminisLers Lahovary die jüdische Bevölkerung Rumäniens von 1834 bis 1899 verfünffacht („Die Post", 21. November). Der Bürgermeister Bibicescu von Bukarest konnte sogar in einer Gemeinderatssttzung Mitteilen, daß auch im Jahre 1901 noch viele Juden nach Rumänien eingewanvert seien („Reichsbote", 23. November): Also erscheint den russischen und polnischen Juden die vielgeschmähte Behandlung in Rumänien immer noch verlockend.*) Daß gegen das rumänische Handwerkergesetz nichts einzuwenden ist, ha Graf Goluchowski, der österreichische Minister des Aeutzern, Mute Mai 1902 in den Delegationen ausdrücklich anerkannt: Es sei nur eine Nachahmung der entsprechenden Gesetze, wie sie in Oesterreich- Ungarn beständen. Die Verhältnisse der Juden in Rumänien seien ganz eigentümliche: „sie stehen zum größten Teil unter dem Schutze irgend einer Großmacht, die meisten unter dem Oesterreich- Ungarns. An diese Schutzmächte wendeten sie sich, obwohl sie in Rumänien leben, sobald sie irgend eine Beschwerde hatten. Den Pflichten gegenüber ihrem Heimatslande sind sie jedoch nicht nachgekommen, namentlich nicht der Militärpflicht. Im Jahre 1888 wurde von der österreichisch - ungarischen Monarchie dieses Verhältnis gekündigt und diese Daraus geht hervor, daß das Handwerkergesetz durchaus auf den Grundsätzen aufgebaut ist, die heute auch in anderen Kulturftaaten gelten, und daß jene rumänischen Juden, die keine Staatsangehörigkeit besitzen, sie durch eigene Schuld verloren haben. — Auch der ungarische Ministerpräsident Szell wurde durch eine Interpellation des Abgeordneten Buzath im Juni veranlaßt, sich über die Frage auszusprechen. Er antwortete, daß die Einwanderung dieser Juden nicht wünschenswert sei, nicht einmal die ungarischen Juden wünschten sie. Das Land müsse gegen die Niederlassung dieses Proletariats geschützt werden („Deutsche Ztg.", 22. Juni.). Wir sehen, daß auch er diese Juden für ein sehr gefährliches Element hält, daß also die Rumänier alle Ursache haben, sich gegen sie zu schützen. Die amerikanische Judennote. All diese ein halbes Jahr lang fortgesetzten Preßtreibereien machten aber noch weit weniger Eindruck als diejenigen des Jahres 1900. Weder die öffentliche Meinung noch die Großmächte Europas machten Miene, sich für die rumänischen Juden begeistern zu lassen. Da kam am 18. September die telegraphische Meldung, daß Amerika die rumänische Judenfrage zum Gegenstand einer an die Unterzeichner des Berliner Vertrages gerichteten Note früheren Schutzbefohlenen aus dem Schutzverbande entlassen. Rumänien aber erkannte sie nicht als Staatsbürger an, sodaß die Zuständigkeit dieser Leute sich gar nicht bestimmen läßt. . . . Wir müssen uns darauf beschränken, die unangenehmen Folgen abzuwenden, welche aus dem neuen Gewerbegesetz für unsere Monarchie insofern entstehen könnten, als die in Rumänien erwerblos Gewordenen in großen Massen zu uns herüverwandern." Die Masseneinwanderung dieser Leute, so fügte er hinzu, würde eine Kalamität sein. („Deutsche Ztg.", 16. Mai.) *) In ganz ähnlichem Sinne hat sich im Januar der Oberarzt am Bukarester Spital, vr. Bibescu, vor dem Bukarester Gsmeinderat ausgesprochen: „In Rumänien kann man gut und billig leben, darum wandern so viele Fremde Handwerker und Juden ein. Die ersteren finden lohnende Arbeit und sind gern gelitten. Die letzteren sind es nicht, weil sie nicht arbeiten wollen.Fremde Arbeiter wandern in Rumänien jährlich an 49 000 ein, weil sie es da besser finden als daheim. Die Juden, die bei uns auswandern, und draußen unser Land beschimpfen, sind arbeitsscheue Kunden, welche jede anstrengende Hantierung fürchten. Mit Recht sagt der rumänische Bauer: Eine Leiter zum Mond und Juden bei der Ernte hat es noch nie gegeben. Wenn die Juden manche Art von Handelsgewcrben nicht mehr ausüben könnten, so läge das nicht an den Gesetzen, sondern an der zunehmenden Konkurrenz der Christen, die ihnen vieles aus den Händen nähmen, mit Ausnahme natürlich des „Wuchers, des Handels mit gefallenem Vieh und Mädchen" („Staatsb.-Ztg.", 26. Januar 1903).