Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in Deutschland (IV.)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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137 lieber die Firma O. Wronker (St. Johann) schreibt der „Konfektionär" voller Entzücken: „Vor einem der vier Riesenschaufenfter des großen Wronkerschen Waren- Hauses sammelt sich täglich in den Abendstunden eine große Menschenmenge und blickt andauernd gespannt auf die im Fenster entfaltete Ausstellung von Karnevals- Artikeln, welche allerdings in recht entsprechender Weise arrangiert ist und sehr vorteilhaft zur Geltung kommt. Im Hintergrund ist ein freier Raum gelassen! Das ist die Bühne, auf welche allabendlich sich zwei jüngere Angestellte abwechselnd als Clown, als Teufel, als Chinese und als alles mögliche, so lange der bis dato unerschöpfliche Maskenvorrat reicht, dem Publikum in automatenartigen Bewegungen produzieren. Ab und zu halten dieselben auch einen Karnevalsgegenstand hoch und zeigen gleichzeitig auf einem Plakat den betreffenden Preis. Die Firma erzielt auf diese Weise einen Riesenerfolg ohne die geringsten Unkosten zu haben, während gleichzeitig durch die Vielseitigkeit in der Bewegungsfähigkeit lebende Figuren allen Automaten in der Welt überlegen sind." („Deutsch-soz. Bl.", 14. März 1901.) Auch Leute, die durch die Zeitung irgend welche Berühmtheit erlangt haben, müssen sich vor den jüdischen Reklamewagen spannen lassen: Im Frankfurter „General-Anzeiger" befindet sich folgende Mitteilung: „Martin und Hickel in Frankfurt. Herr I. Jttmann, hier, hat den beiden Freigesprochenen vom Gumbinner Prozeß das Anerbieten gemacht, sie für sein Geschäft zu engagieren. Die Verhandlungen darüber sind noch nicht ganz abgeschlossen, doch hat sich Hickel prinzipiell schon bereit erklärt, die Stelle anzunehmen." („Staatsb.-Ztg.", 6. Mai 1902.) Natürlich ist es nicht wahr, aber es bringt Gewinn. Die „Badische Presse" (Karlsruhe) vom 9. März 1901 schreibt: „Im neuen Warenhause von Hermann Tietz im Erbprinzbau hat heute der Verkauf begonnen. Gestern Abend fand unter fachkundiger Leitung die offizielle Besichtigung statt. Erschienen waren zu derselben Vertreter der städtischen Behörden, an ihrer Spitze Herr Oberbürgermeister Schnetzler, ferner der Staatsbehörden, so Herr Geheimer Regierungsrat Föhrenbach, Herr Oberpostdirektor Geisler u. s. w., sowie Vertreter der Presse. Aus Anlaß der Eröffnung der neuen Verkaufsräume waren dieselben an den Wänden und den Etagenbrüstungen des Lichtraumes mit grünen Guirlanden geschmückt, und eine Abteilung der Dragonerkapelle spielte lustige Weisen, bei deren Klängen eine dichte Menge, die sich sofort nach Beendigung der offfziellen Besichtigung, nachdem sie die verlockenden, geschmackvoll arrangierten Auslagen in den großen Schaufenstern bewundert hatte, in das Innere des Warenhauses drängte, staunend auf- und abwogte." Dazu bemerkt das „Deutsche Blatt" vom 13. März 1901: „Es ist weit mit uns gekommen, wenn bereits die Spitzen der städtischen und staatlichen Behörden sich als Reklamefiguren in den Dienst eines jüdischen Warenhäuslers stellen. Giebt eS denn in Karlsruhe keine Organisationen der Detaillisten, die den Herren eine schärfere Auffassung von der Würde, Ehre und Verantwortlichkeit ihres Amtes beibringen?" Auch Musik und Tanz müssen ihre Zugkraft für den Juden ausüben: Die„ElberfelderZeitung"bringt folgende Anzeige: Rudolf SchmollerLCo. Großes Promenaden-Konzert, ausgefüht vom Blas- und Streichorchester der Düffeldorfer Husaren unter Leitung des Königlichen Musikdirigenten Herrn A. Lehmann, Samstag Nachmittag von 4% Uhr bis abends. Das Programm lautete: