Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in Deutschland (IV.)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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127 wie jemand solchen Lohn bieten und annehmen könne. Die Angeklagten berichteten auch, daß Leiser sich unsittlich an ihnen vergriffen habe. („Antisemit. Monatsbl." 1. Dezember 1900.) In den Hamburger Großbazaren erhalten nach den Ermittlungen des Rechtsanwalts Jacobsen-Hamburg die weiblichen Angestellten durchschnittlich 30 Mk.. die männlichen 66 Mk. monatlich (Paul Dehn, S. 49). Der Warenhausbefitzer Knopf zu Straßburg i. E. war in einem Flugblatt angegriffen, weil er Hungerlöhne bezahle. Er weist diese Behauptung zurück und versucht das Gegenteil zu erreichen durch Veröffentlichung seiner Gehaltsordnung. Nach dieser erhalten 15 Lehrmädchen, angehende Verkäuferinnen ein Monatsgehalt von 20—35 Mk., 5 Verkäuferinnen 40—50 Mk. u. s. w. („Deutsche Handelswacht," 15. Januar 1903). Im umgekehrten Verhältnis zu den Löhnen steht häufig die Arbeitszeit und Ausbeutung der Angestellten in den Warenhäusern. Nach den Veröffentlichungen der Berliner Krankenkasse erkrankten beispielsweise von je 1000 Angestellten im Bankfach 103 Mitglieder, im Kolonialwarenfach 126, im Warenhaus betrieb 182. Nach einer anderen Statistik der Ortskrankenkasse der Berliner Kaufleute wurden durchschnittlich 7 pCt. Erkrankungen verzeichnet, in dem Bazar von Lubasch aber 14 pCt. Der Schaden, sden die Warenhäuser stiften, erstreckt sich also auf die verschiedensten Gebiete unseres Wirtschaftslebens und ist geradezu verheerend. Geschädigt werden zunächst alle anderen Gewerbetreibenden, indem sie größtenteils brotlos werden, ferner die Hausbesitzer, denen die Läden leerstehen, die Fabrikanten, die Schundwaren zu Schundpreisen liefern müssen, die Arbeiter dieser Fabrikanten, die unter der Preisdrückerei der Ramschjuden natürlich mit zu leiden haben, die Handlungsgehilfen, welche schlecht bezahlt und ausgebeuiet werden, sodann Staat und Gemeinde, die den Verlust selbständiger Existenzen und einen erheblichen Steuerausfall zu beklagen haben, schließlich unser ganzes Volkstum, indem durch das sündhafte Treiben notwendig die sittlichen Begriffe verwirrt werden müssen. Während die ehrliche deutsche Presse nach Kräften bestrebt ist, das Publikum über die Schädlichkeit der Großbazare aufzuklären, schwelgt die Judenpresse in Verzückung über den Nutzen der Bazare und die Erfolge ihrer stammverwandten Warenhäusler. Ein Beispiel dieser Art liefert der „Börsen-Kourier": „Es giebt nichts mehr, was vor Wert he im Halt machte. Wenn er erst die Ecke nach dem Leipziger Platz haben wird, werden sich, denke ich mir, die kühnsten Träume des modernen Großstadttums erfüllen. Man wird nicht bloß alles kaufen und alles verzehren können, man wird gleich unterirdisch mit der Bahn in ein Hotel fahren, wird eine Bibliothek zur Verfügung haben, eine halbe Stunde in Riemerschmidschen Möbeln, eine andere halbe in Baillie Scottschen Ornamenten sich aufhalten, dann die Gemälde-Ausstellung besuchen, an der Wertheim-Hochschule Vorlesungen hören, abends ein Theater oder Konzert im Hause besuchen und, falls man das alles nicht aushält, gleich in ein zugehöriges Sanatorium mit Kaltwasserkur spediert werden. Man kann über Wertheim nicht mehr im einfachen Bazarton reden. Es ist eine Macht, die die Zukunft hat und mindestens so lange nicht langweilig wird, als wir Referenten und Chronisten statt der Sorgen das Vergnügen, und statt der Mühe das Urteil haben." („Staatsb. Ztg.", 15. Oktober 1902.)