Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in Deutschland (IV.)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Namen erstehen ließ: „Handelshaus Julius Berkwitz, Parkstraße 1a" und „Bankinstitut Balkan, Auskunftsbüreau für den Orient, Halleschestraße 16". Nun bestellte Isaak Bercovici, Chef der Firma Julius Berkwitz, Parkstraße 1a, bei zahlreichen Fabriken von Isaak Bercovici, Chef des Bankhauses „Balkan", über Julius Berkwitz die allerfeinsten „Referenzen", so daß dieser den weitgehendsten Kredit erhielt. Die Waren, die so dem Handelshause Julius Berkwitz geliefert wurden, verschleuderte Bercovici dann zu Spottpreisen. Er handelte mit Leinen, Buckskin, Strumpfwaren, getrockneten Därmen, kurz mit allem, was ihm in die Hände kam. Bald aber hatte die Kriminalpolizei Kenntnis von dem säubern Geschäftsbetriebe bekommen und sah fich nun die Firmen „Julius Bevkwitz" und „Bankinstitut Balkan" etwas genauer an. Das Ergebnis dieser polizeilichen Einmischung war die Beschlagnahme eines großen Postens Waren, sowie der „geschäftlichen Korrespondenz" und die Abführung des Isaak Bercovici in die Untersuchungshaft. Erwähnt sei noch, daß das „Bankhaus Balkan" bei dem Erscheinen der Polizei über den „erheblichen Kassenbestand" von 19,45 Mark verfügte. („Demsch-soz. Bl.", 1. März 1900.) Der Jude Lew in war anfangs der 90er Jahre aus Polen nach Mainz eingewandert, wo er einen Handel mit Kleidern, Möbeln u. s. w. trieb. Dann eröffnete er in Nauheim ein jüdisches Restaurant, betrieb aber gleichzeitig in Mainz seine Geschäfte weiter. Im Jahre 1900 verschwand er plötzlich, nachdem er bedeutende Posten von Waren aller Art beiseite geschafft hatte, natürlich ohne sie zu bezahlen. Die Bediensteten seines Restaurants haben den ganzen Sommer gearbeitet, ohne einen Pfennig Lohn zu erhalten. Seine Frau und sein ältester Sohn wurden als der Beihilfe verdächtig verhaftet. („Deutsche Volkswacht", 6. Oktober 1900.) Die „Deutsch-sozialen Blätter" vom 11. Oktober 1900 melden, daß aus Hannover der Kaufmann Eugen Salomon, aus Berlin der Goldwarenhändler Hugo Wolfs verschwand, nachdem sie eine Anzahl, besonders deutscher, Firmen um größere Warenmengen geprellt halten. Der Losehändler Moritz Cassel zu Frankfurt a. M. bezog von dem Darmstädter Kollekteur L. F. Ohnacker 1000 Stück der in Frankfurt nicht genehmigten Lose der hessischen Geldlotterie zum Besten des Baufonds des „Waisenschutz". Nachdem Cassel sämtliche Lose verkauft und die auf seine Lose entfallenen Gewinne bezogen hatte, verweigerte er die Zahlung der Lose an Ohnacker mit dem Bemerken, die betreffenden Lose seien in Frankfurt verboten gewesen, er sei deshalb auch bestraft worden (100 Mark Geldstrafe), damit sei jede Zahlungsverpflichtung seinerseits erloschen und außerdem könne Ohnacker ihn ja nicht verklagen. Und dabei bliebst Haißt'n Geschäft! („Franks. Post", 1. November 1698.) ß. Beschwindelung mit Waren. Die Jüdinnen Rebekka Lamm und ihre Tochter Marianne Wallach aus Herzogenbusch in Holland betrieben die Spezialität, Klöster zu beschwindeln. Sie besuchten die Oberinnen von Nonnenklöstern, denen sie erzählten, die Tochter wolle der Eitelkeit dieser Welt entsagen und den Schleier nehmen, was für das Kloster noch die Annehmlichkeit habe, daß sie demselben ein großes Vermögen mitbringe. Biß die Oberin im Eifer, ein Schäflein aus Israel zu retten, an, so kam . ganz nebenbei noch ein kleines Geschäft zur Sprache. Man habe größere Mengen Leinwand nach Berlin zur Ausstellung gesandt, die Zurückbeförderung ins Ausland lohne sich jedoch nicht wegen des hohen Zolles, und so werde die schöne Ware, die eines christlichen Klosters würdig sei, voraussichtlich in Judenhände fallen, wenn das Kloster nicht die gute Gelegenheit benutze und den ganzen Bestand billig übernehme.