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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die Juden in Deutschland (IV.) · p. Seite 81

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die Juden in Deutschland (IV.)
Date
1903-01-01
Page
Seite 81 (sequence 33)
Language
German
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81 Im Aufträge des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft find Ende der 80 er Jahre Ermittelungen über die wirtschaftlichen Ursachen der Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Grundstücke angestellt worden. Es wurde erwiesen, daß vom 1. April 1886 bis 31. März 1887 im ganzen preußischen Staate 2835 ländliche Grundstücke (Gesamtfläche: 103 948 ha, Grundsteuerreinertrag: 934 802 Mark) zwangsweise versteigert worden find. Als Ursache ist in 169 Fällen Wucher und Uebervorteilung beim Handel angegeben. Im Regierungsbezirk Kaffel allein betrug die Gesamtzahl der in dieser Zeit zwangsweise versteigerten Grundstücke 103 (Gesamtfläche: 527 ha, Grundsteuerreinertrag: 7613 Mark), als Ursache ist in 30 Fällen Wucher und Uebervorteilung im Handel angegeben. In einem Jahre sind in Preußen also 169 Bauern nachweislich durch den Wucher von Haus und Hof vertrieben und mit Weib und Kind dem Elend preisgegeben worden. Wie groß mag erst die Zahl jener Unglücklichen sein, welche durch betrügerische Machenschaften zu Grunde gerichtet worden sind, ohne daß der Nachweis hierfür an die Oeffentlichkeit gelangt ist?! „Es ist zu bedenken," so heißt es in der betreffenden Denkschrift des Preußischen Statistischen Bureaus, „daß gerade die Ursache — nämlich der Wucher —, welche von den Beteiligten gewöhnlich geheim zu halten versucht wird und seltener als andere in greifbaren Erscheinungen zu Tage tritt, sich der statistischen Erfassung häufig entziehen wird." — Wir glauben daher nicht fehlzugehen, wenn wir aus Grund der vorstehenden Zahlen und Angaben und unter Berücksichtigung der von uns gemachten Einblicke in ländliche Verhältnisse behaupten, daß jährlich in Preußen mindestens 300 Landwirte durch Wucher und Betrug im Handel an den Bettelstab gebracht werden. In den anderen deutschen Staaten wird es sicherlich nicht besser aussehen! — Ferner wurde die Thatsache festgestellt, daß seit dem Auftreten der Antisemiten im ehemaligen Kurfürstentum Hessen die Zwangsversteigerungen von Grund und Boden laut amtlichen Nachweises um etwa 15 pCt. zurückgegangen find, obgleich sich feit jener Zeit die Erwerbs-Verhältnisse des Bauernstandes im allgemeinen durch Einführung der Handelsverträge, wie das niemand in Abrede stellen kann, verschlechtert haben. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß die weitere Ausbreitung der Raiffeisenschen Darlehnskassen als Kreditinstitute und die Errichtung von Getreidesilos wesentlich den Bestrebungen der Antisemiten zu Hilfe gekommen sind. („Staatsbürger-Zeitung", 26. Juli 1900.) Es dürfte interessant sein, auch das Urteil eines Juden über die jüdischen Güterschlächter zu hören: Dr. Bernstein (Charlottenburg) sagte im Februar 1898 in einer Versammlung zu Steglitz: „Die Güterschlächter sind ein Segen, da sie die faule Rotte der Agrarier aus ihren Nestern ausräuchern." Eine andere Art des Wuchers am Landvolke ist die sogenannte Viehpacht (auch Einstellvieh, Haltevieh genannt, hebr. Cheptel (das p wird nicht gesprochen). Dieser Wucher ist besonders gebräuchlich in Elsaß-Lothringen, Rheinland, Hessen u. s. w. Er besteht darin, daß der Jude einem Bauern Vieh zur Hütung, Fütterung und Pflege übergiebt mit der Bedingung, daß der Bauer die Hälfte der Nachzucht oder Wertsteigerung erhalten und auch den Verlust zur Hälfte tragen soll. Natürlich erhält der Bauer auch die Milch und den Dünger und darf die Zugkraft des Viehs ausnutzen. Um Verlust oder Gewinn berechnen zu können, wird die Kuh bei Beginn und Ablauf des Vertrages geschätzt. Diese Bestimmungen werden nun von den Juden in raffiniertester Weise zu allerhand Kunstgriffen benutzt, um den Bauern um den kärglichen Lohn seiner Mühen zu betrügen. 6

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