Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in Deutschland (IV.)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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74 im Herrschafts-Walde bei Polna ein Mädchen namens Marie Klima ermordet aufgefunden worden — unter Umständen, die mit denen bei dem Morde der Hruza auffällig übereinstimmten. Auch betreffs dieses Mordes wurde die Beihilfe des Hülsner erwiesen. Die Geschworenen des Piseker Gerichtshofes erklärten über die Polnaer Mädchenmorde: a) Der alleinige Thäter ist der Hülsner nicht, es sind mehrere Thäter, die im Einverständnisse diese beiden Morde an Christenmädchen vollführt haben; b) einer dieser der That Schuldigen ist aber dieser Jude Hülsner, er ist Mitschuldiger am Morde der Klima und entfernter Mitschuldiger um Morde der Hruza; c) er mutz seine weiteren Mitschuldigen bezw. die Thäter wissen, er hat sie jedoch nicht angegeben, sondern fremde Personen verleumdet, um die Behörden auf eine falsche Spur zu führen. („StaaLsb.-Ztg.", 15. November 1900.) Trotz dieser offenkundigen Thatsache machte die Judenschaft verzweifelte Versuche, den zweimal verurteilten Mordbuben Hülsner loszulügen. Mit beredten Worten schilderte Dr. Baxa, der Vertreter der Frau Hruza, welchen Verfolgungen er ausgesetzt gewesen sei, weil er die Ansicht vertreten hätte, daß hier ein jüdischer Blutmord vorläge, welche Prüfungen die Zeugen bestehen mutzten, die Hülsner belasteten. Ferner wurde gerichtlich erwiesen, daß der Jude Sim dem Gendarmerie-Wachtmeister Klenowetz 50 000 Kronen bot, wenn dieser statt Hülsners einen anderen als der Polnaer Blutthat verdächtig namhaft machen wollte. — Am 11. März 1900 verschwand in Könitz der Gymnasiast Ernst Winter, am 13. fand man seinen völlig blutleeren, in zwei Teile zerlegten Rumpf, in Leinwand eingenäht, unter dem Eise des Mönchsees, an dem die Stadt liegt’ am 16. fand man den einen Arm auf dem Kirchhofe, endlich am 15. April den Kopf in einem Graben beim Stadtwäldchen unter Umständen, die erkennen ließen, daß er erst vor kurzem dahingeschafft sein konnte. Gleich nach Auffindung des Rumpfes verlangte die Bürgerschaft umfassende Haussuchungen, bei denen sie durch Absperrungen Hilfe leisten wollte. Das wurde aber abgelehnt, und so konnte der Kopf Winters vier Wochen in der Stadt versteckt gehalten werden. Die Gutachten der Sachverständigen, Kreisphysikus Or. Müller, Sanitätsrat Mittenzweig und Gerichtsphysikus Störmer, stellten als Todesursache völlige Verblutung bei lebendem Leibe fest, Folge eines tiefen, schächtähnlichen Halsschnittes. Es müßten mehrere Thäter gewesen fein,, von denen Mittenzweig sagte: „Die Leute wußten, was sie wollten". Die Zerlegung der Leiche sei von sehr sachkundiger Hand ausgeführt. Der Verdacht wandte sich sofort gegen die Juden, besonders gegen den jüdischen Schlächtermeister Adolf Lewy. Dieser Verdacht wurde durch verschiedene Prozesse verstärkt: im Prozeß Speisiger wurde festgestellt, daß Moritz Lewy, der Sohn des Adolf L., mit Winter bekannt gewesen sei, obwohl er es unter seinem Eide bestritt; im Prozeß Masloff erkannten die Geschworenen die Aussage des Masloff, daß er in der Mordnacht Licht und Stimmengewirr im Lewyschen Keller wahrgenommen und den Transport eines schweren Packets aus dem Keller nach der Richtung des Mönchsees beobachtet habe, als unanfechtbar an. Auffallend war die Feststellung, daß bei Lewy zwar eine Haussuchung stattgefunden, sich aber nicht auf das Schlafzimmer der kranken Frau L. erstreckt hat. Auch in der Synagoge ist eine Badezelle undurchsucht geblieben, weil sie angeblich besetzt war. Am Mordtage sind viele fremde Juden in Könitz gesehen worden. Die Juden boten wieder alles auf, um ihre Volksgenossen zu entlasten; nach bekanntem Rezept scheuten sie auch vor der Bezichtigung Unschuldiger, so des christlichen Schlächtermeisters Hoffmann, nicht zurück. — Die Thäter sind bis heute nicht entdeckt. („Antisemitisches Monatsblatt", 1. Januar 1901.)