Mannheim
Compact Memory

Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die Thätigkeit der antisemitischen Abgeordneten in den deutschen Parlamenten der Sitzungszeit 1900/1902. · p. Seite 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die Thätigkeit der antisemitischen Abgeordneten in den deutschen Parlamenten der Sitzungszeit 1900/1902.
Date
1903-01-01
Page
Seite 46 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9038025-9038029-423333--552-185513
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

46 im Wege der Submission vergeben, da diese zu einem maßlosen Unterbieten nötige und denjenigen, die wirklich gute Arbeit liefern wollten, den Wettbewerb häufig von vornherein unmöglich mache. Ueberhaupt müßten Lieferungen nicht ohne weiteres im gesamten an nur einen Unternehmer, sondern thunlichst auch in einzelnen Teilen vergeben werden. Daß die Arbeiten von Zuchthaus- und Gefängnissträflingen auch in den Dienst von Privatleuten gestellt wurden, sei aus sozialen Gründen unzulässig; denn ein Wettbewerb, der sich auf derartig billige Arbeitsbedingungen stütze, schließe natürlich jeden anderen aus. Gegen die Warenhäuser, die fast sämtlich in jüdischen Händen sind, wendete sich Abg. Raab im Hamburger Landtage (Bürgerschaft) am 22. Mai 1901. Er wies nach, welche unheilvollen wirtschaftlichen Folgen deren Aufblühen nach sich ziehe: wie ihre Waren zum großen Teile Schundwaren seien, die trotz ihrer anscheinenden Billigkeit immer noch viel zu teuer bezahlt würden, und ihre wirklich guten Waren meist entweder nur „Lockartikel" seien oder aber durchschnittlich auch nicht billiger verkauft würden, als in anderen Geschäften; wie sie andererseits durch ihre Kapitalkraftll) die Jndustriewerke nötigten, zu Preisen zu liefern, die fast jeglichen Verdienst ausschlössen, und sie immer mehr dazu zwängen, Schundwaren herzustellen; wie sie endlich auch ihren Angestellten, soweit sie nicht eine höhere Stellung einnehmen, nur geringe Löhne bewilligten. 12j Die Schaffung einer Kleinhandelskammer forderte Abg. Schack im Hamburger Landtage (Oktober 1900). Er führte zur Begründung an, daß die Mitglieder der bestehenden Handelskammern fast durchweg Großgewerbetreibende seien, die für den Kleinhandel vielfach weder Verständnis noch auch hinreichendes Interesse besäßen. Ebenso wie sie habe aber auch der Kleingewerbestand ein Recht darauf, eine geeignete Vertretung zu besitzen. Abg. Werner nahm mehrfach Gelegenheit, berechtigte Beschwerden einzelner Beamtengruppen zur Sprache zu bringen. Er tadelte, daß in neuerer Zeit im Postdienste übermäßig viel Damen angestellt würden, während doch in vielen solcher Fälle zunächst Männer Anspruch auf Berücksichtigung hätten. Daraus, daß viele mittlere Postbeamte unter außerordentlich ungünstigen Beförderungsverhältnissen litten, müsse der Postverwaltung ein Vorwurf gemacht werden; es sei ihre Pflicht, den ohne eigenes Verschulden in diese Lage geratenen Beamten durch Schaffung einer entsprechenden Zahl von Stellen entsprechend aufzuhelfen; umsomehr, als ja für diese auch ein dienstliches Bedürfnis vorhanden sei. Das System der Gratifikationsverteilung errege unter den Postbeamten mit Recht viel böses Blut. Denn auch das Streben nach einer gerechten Verteilung könne unmöglich ungerechte Bevorzugungen ausschließen. Viel zweckmäßiger würde es sein, anstatt dessen feste Zulagen für besondere Dienstleistungen zu gewähren. Zu mißbilligen sei ferner. n) Eine einzige jüdische Familie hat bereits 58 große Warenhäuser in der Hand. 12) Bemerkenswert ist hierbei, daß Abg. Raab am 28. Februar 1900 an demselben Orte in eingehender Weise auch auf die Konsumvereine zu sprechen kam. Er Unes damals durch amtliches Material (z. B. aus Chemnitz und Hamburg) nach, daß seit der Mitte der achtziger Jahre die Begründung kleinerer Geschäfte ständig nachgelassen und zugleich auch — trotzdem das durchschnittliche Einkommen im allgemeinen sich gesteigert hatte — das Einkommen gerade der kleineren Geschäftsleute erheblich zurückgegangen war. Gleichzeitig deutete er darauf hin, daß von 45 der gangbarsten Lebensmittel, die in Hamburg in amtlichem Aufträge eingekauft worden waren, nur 4 in den Konsumvereinen billiger, 16 ebenso teuer und 25 teurer hatten bezahlt werden müssen. (Vgl. Jahrbuch 1901) l

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.