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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Die Thätigkeit der antisemitischen Abgeordneten in den deutschen Parlamenten der Sitzungszeit 1900/1902. · p. Seite 43

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Die Thätigkeit der antisemitischen Abgeordneten in den deutschen Parlamenten der Sitzungszeit 1900/1902.
Date
1903-01-01
Page
Seite 43 (sequence 8)
Language
German
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43 haben und zu erhalten. Daraus ergebe sich aber weiter die Notwendigkeit, diese Kolonien so zu gestalten, daß sie wirklich auch nutzbringend würden. Besonders sei jetzt in unserer wichtigsten Kolonie, Deutschostafrika, der Bau einer großen Eisenbahn erforderlich, um den Reichtum des weiten und fruchtbaren Landes zugänglich zu machen. Ferner verdiene besondere Beachtung der Umstand, daß der Besitz von Kolonien zugleich die Möglichkeit gebe, den Strom der deutschen Auswanderer dorthin zu lenken und durch ihre Ansiedlung nicht nur sie selbst dem Deutschtum zu erhalten, sondern auch den Kolonien tüchtige Kräfte zu gewinnnen. An demselben Tage trat Abgeordneter Raab dafür ein, daß die deutsche Kolonialgesellschaft die erbetene Unterstützung von 30 000 Mk. erhalte, um damit für deutsche Auswanderer eine zuver. lässige Auskunftsstelle errichten zu können. Ueber den Burenkrieg sprach besonders Abg. von Liebermann am 11. Dezember 1900, 5. März 1901, 14. Januar 1902 und 4. März 1902 und Abg. Werner am 13. Dezember 1900. Beide betonten, daß es ein den Deutschen stammverwandtes Bauernvolk sei, das in Südafrika der Raubpolitik des übermächtigen England zum Opfer falle. Selbstverständlich könne der deutschen Regierung deshalb - noch nicht zugemutet werden, sich in die Gefahren einer kriegerischen Einmischung zu stürzen; obwohl ja der deutsche Staatssekretär v. Marschall noch im Jahre 1895 im Reichstage ausdrücklich erklärt habe, daß durch eine Unterwerfung Transvaals durch die Engländer die Interessen des Deutschen Reichs verletzt werden würden, und der deutsche Kaiser auch kurz vorher die Buren telegraphisch dazu beglückwünscht habe, daß sie einen räuberischen Einfall von englischer Seite (Jamesonritt) erfolgreich zurückgeschlagen hätten. Aber soviel sei Deutschland wenigstens den Buren schuldig, daß es dagegen einschreite, wenn deutsche Firmen an England Kriegsmaterial und Pferde lieferten. Wenn es sich einmal streng neutral verhalten wolle, so dürfe es gerechterweise auch für keine der beiden Parteien irgend eine Unterstützung dieser Art dulden. Im Zusammenhang hiermit legte Abg. v. Liebermann nachdrücklich Verwahrung gegen die unverschämten Schmähungen ein, die der englische Minister Chamberlain8) gegen die deutschen Krieger von 1870/71 ausgestoßen hatte. Man habe es diesen wahrlich nicht verdenken können, daß sie an vielen Orten öffentliche Versammlungen abgehalten hätten, um solche Verdächtigungen zurückzuweisen; und es sei durchaus unbegründet, daß ihnen dies von dem Vorsitzenden des Deutschen Kriegerbundes untersagt worden sei, zumal da sie doch nicht weniger als jeder andere Deutsche auch in dieser Angelegenheit das gute Recht der freien Meinungsäußerung hätten. In seinen Reden zum Reichshaushalte berührte Abg. Werner mehrere Male das Steuerwesen. Er wendete sich dagegen, daß bei dem heute geltenden Steuersystem die kleineren Einkommen allzusehr belastet würden. Eine gerechte Verteilung der Steuern verlange, daß die großen Einkommen in viel stärkerer Weise zur Tragung der staatlichen Lasten herangezogen würden, da es doch für wohlhabende Leute nur wenig ausmache, ob sie jährlich etwas höhere Steuern zahlten oder nicht, während den weniger Begüterten auch schon eine geringe Mehrzahlung schwer falle. Er mißbilligte den Gedanken, etwa eine Bier- oder Tabaksteuer einzuführen, und empfahl eine allgemeine progressive Reichseinkommensteuer von der Art, daß der Prozentsatz der Besteuerung desto höher werde, je größer die Einkommen seien. 8) Er hatte im englischen Parlamente behauptet, daß die deutschen Soldaten 1870/71 in Frankreich viel schlimmer gehaust hätten als die englischen im Burenkriege (deren Plünderungen, Mordbrennereien und Frauenschändungen doch von der ganzen zivilisierten Menschheit übereinstimmend verabscheut wurden!).

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