Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in England.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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28 während er andererseits versucht, mit den „Verfolgungen" ihren Wucher zu entschuldigen: sie hätten sich durch den großen Profit, den sie nahmen, wegen der beständigen Gefahren, in denen sie schwebten, zu entschädigen gesucht. Daß aber bei so hohen Zinsen der Handel des Landes sich notwendigerweise in schlechten Umständen befinden mußte, giebt übrigens Hume ausdrücklich zu, wobei er wiederholt, daß die Juden die einzigen Besitzer des Geldes waren. Aus dem Jahre 1272 wird berichtet, daß der König eine Judenschule in London, die an eine Klosterkapelle stieß, so daß die Mönche propter ipsorum Judacorum contimium ululatum iuxta ritum suum {b. h. wegen des beständigen. Geweimers der Juden bei ihrem Gottesdienste) nicht die Messe lesen konnten, an das Kloster geschenkt habe; die Juden sollten sich anderswo eine Schule bauen. Der Nachfolger Heinrichs, Eduard I. (1272—1307), versuchte schon in seinen ersten Regiernngsjahren gegen den Wucher der Juden einzuschreiten, mnßte aber bald einsehen, daß alle gelinderen Maßregeln wenig fruchteten, ebenso wie daß die fromme Absicht seines Vaters, Proselyten zu machen, ein eitler Versuch geblieben war. Ja, es war sogar hier und da vorgekommen, daß Christen zum Judentum übertraten, um desto unbeschränkter Wucher treiben zu können. Sogar ein Geistlicher (ein Predigermönchwurde Jude, heiratete eine Jüdin und ließ sich beschneiden. Hier konnten nur Gewaltmaßregeln helfen: im Jahre 1275 wurde daher den Juden aller Wucher untersagt, ihnen dagegen gestattet, rechtmäßig auf jede Weise Handel zu treiben und sogar auf 10 Jahre Land zu pachten. Der besseren Kontrolle wegen wurde aber die strengste Aufsicht über sie verhängt: Sie sollten zwei Flecken von gelbem Filz vorn auf dem Rocke tragen und Männer wie Weiber vom 12. Lebensjahre ab sollten dem Könige jährlich zu Ostern drei Pfennige Kopfsteuer entrichten. Doch genügle die Erfahrung nur weniger Jahre, um zu zeigen, daß auch mit diesen strengeren Maßregeln so gut wie nichts erreicht werde. Dazu kam noch ein anderer Umstand. Die Krone erlitt schon seit Jahren große Einbuße durch die vielfach verfälschte und beschnittene Münze, die in letzten Zeit überhand nahm. Als Falschmünzer und Verbreiter aber galten besonders die Juden. Dem mußte im Staatsinteresse ein Ende gemacht werden. Deshalb wurden am Freitag, dem 17. November 1278 plötzlich eine große Anzahl verdächtiger Juden und bald darauf in London sogar sämtliche Goldschmiede und Wechsler gefänglich eingezogen und ihnen der Prozeß gemacht. Im folgenden Jahre wurden allein in London gegen 300 Juden wegen dieses Verbrechens zur Strafe des Galgens verurteilt und ihre Häuser und Güter konfisziert. Die Hälfte der konfiszierten Gelder wurde für diejenigen ausgesetzt, die das Christentum annehmen wollten; es fanden sich aber nur wenige bereit dazu. Gleichzeitig unternahm man Schritte zur Einziehung des falschen und schlechten und Herstellung eines besseren Geldes. Aber die Juden find nun einmal unverbesserlich, was sich auch in diesem Falle zeigte. Da war jedoch die Geduld des Königs erschöpft. Er ließ am 2. Mai 1287 überall im Lande alle Juden aufgreifen und gab ihnen erst nach Erlegung von 12 000 Pfund ihre persönliche Freiheit wieder. Doch auch diese Milde half nicht. Da entschloß sich denn Eduard — von dem der judenfreundliche Hume sagt: „Der edle Charakter Eduards, sein Glück in Bezwingung der Rebellen, seine Mäßigung in Anordnung der Regierung, hatten ihm Hochachtung und Zuneigung bei allen Ständen erworben" — endlich, sein Reich gänzlich von den fremden Parasiten zu befreien und ihre Güter einzuziehen. Im Jahre 1290 erließ er den Befehl, daß sämtliche Juden des Königreiches, mit Weib und Kind, zwischen August und Allerheiligen (2. November) desselben Jahres das Land zu verlassen hätten. Es