Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in England.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 2)
- Language
- German
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27 von England, 1767) hatten sie sich in den Besitz alles baren Geldes gesetzt, das sie auf unmäßige Zinsen auszuleihen pflegten. Dabei genossen sie den Schutz des 'Königs, was von zeitgenössischen Schriftstellern scharf grtadelt wird. Das mußte natürlich den Unwillen des Volkes erregen, der schon bei der Krönung zum Ausbruche kam, wie oben erzählt. In Jork sollen bei dem Aufstande der Christen gegen die Wuchergesellschaft 500 Juden in das Schloß geflüchtet sein, wo sie, da sie sich gegen die Wut des Volkes nicht halten konnten, ihre Weiber und Kinder ermordeten, die Leichen derselben über die Mauern auf das Volk warfen, Feuer anlegten und in den Flammen umkamen. Der kleine Adel der Nachbarschaft, der den Juden stark verschuldet war, benutzte die Gelegenheit, eilte in die Kathedrale, wo die Schuldverschreibungen auf, bewahrt wurden, bemächtigte sich derselben und veranstaltete mit den Papieren vor dem Altäre ein Freudenfeuer. (Nach Hume). Unter Johann ohne Land mußten die Juden im Jahre 1210 ihre Reichtümer ausliefern, obwohl der König zunächst mit fast zärtlicher Sorge ihren Wucher zu fördern gesucht hatte. Ja, als die betriebsamen Bürger Londons die Nähe dieser Nebenbuhler als lästig empfanden und ihnen durch die Stadtverwaltung allerlei Schwierigkeiten in den Weg legten, erteilte Johann dem Mayor einen scharfen Verweis: es wundere ihn sehr, wie er den Juden, die doch unter seinem besonderen Schutze ständen, etwas anhaben und dadurch den Frieden des Reiches gefährden (!) könne. (Nach Lappenberg, Geschichte von England, 1834—1858, fortgesetzt von R. Pauli.) Ein andermal giebt er seinen Juden einen Oberrabbiner für ganz England. Doch plötzlich ließ er alle Juden des ganzen Reiches, Männer und Weiber, aufheben, ins Gefängnis werfen und ihrer Schätze berauben, wie oben erzählt. 60 000 Mark sollen sie (nach Lappenberg) haben blechen müssen, — es ist also offenbar nicht übermäßig schlimm gewesen. Sein Nachfolger Heinrich III. (1216—1272) hatte zu Anfang seiner Regierung versucht, den Juden bestimmte Städte zum Aufenthalt anzuweisen, da sie ungeachtet der „Verfolgungen" dieser Zeiten doch hartnäckig im Lande blieben. Der Wucher war ja ein zu lukratives Geschäft, denn die Zinsen waren damals außerordentlich hoch gestiegen — bis zu 50 Prozent (nach Hume) — und die Juden waren (ebenfalls nach Hume) die einzigen Besitzer des baren Geldes im Königreiche. Daher wurden sie wiederholt zu höheren Abgaben herangezogen; so mußten sie 1241 etwa 20 000 Mark zahlen, zwei Jahre später wieder eine größere Summe. Dabei wurde z. B. ein Jude, namens Aron aus Dork, allein auf eine Steuer von 4000 Mark veranlagt; derselbe Jude wurde im Jahre 1250 noch dazu wegen Falschmünzerei zu einer Strafe von 30 000 Mark verurteilt. David Hume, der natürlich nichts weniger als Antisemit ist, sagt dazu wörtlich: „Die'große Geldstrafe, die ihm auferlegt wurde, und die zu bezahlen man ihn, wie es scheint, für reich genug hielt, ist mehr ein Beweis seiner Unschuld als seiner Schuld." Auch eine Logik! Am 31. Januar 1253 wurde ein großes Judengesetz erlassen, das z. B. das Dienen von Christen bei Juden, auch das gemeinsame Speisen mit ihnen und den Aufenthalt in ihren Häusern verbot. Anlaß zu diesem Gesetze gab vor allem der Umstand, daß man die Juden öfters der Ermordung von Christenkindern beschuldigte; deshalb sollte durch Gesetz jeder häusliche Verkehr ihrerseits mit Christen verhindert werden. Im Jahre 1255 wurden trotzdem 18 Juden unter der Beschuldigung, ein Christenkind gekreuzigt zu haben, in Lincoln hingerichtet (gehängt) und die übrigen daselbst ansässigen mußten unter der Drohung, alle gehängt zu werden, 8000 Mark zahlen. Bei dem Berichte über die Hinrichtung in Lincoln kann Hume es doch nicht vermeiden, den „ihnen wider die Christen angeborenen Haß" zu erwähnen,