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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts. · p. Seite 20

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Date
1903-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 die Beteuerung, dah Steruberg gar kein Jude sei, und sogar der Vorsitzende des Gerichts sah sich veranlaßt, festzustellen, daß Sternberg „niemals" Jude gewesen sei. Er meinte damit Wohl, daß der Angeklagte sich nie zur jüdischen Religion bekannt hätte. Das mag richtig sein. Aber alle, die ihn oder seine Verwandten gesehen haben, bekunden, daß er und seine Familie von ausgesprochen jüdischem Typus find. Wir haben ja darüber auch Fritz Friedmanns Zeugnis, wenn dieser in seinem Wahnsinns-Artikel (f. S. 7) Sternbergs „lauernden Fuchs köpf" vorführt, ein Zeugnis, das um so unverdächtiger ist, als auf Herrn Friedmanns eigenen Schultern auch ein solcher Fuchskopf sitzt. Es ist das der potenzierte „jüdische Hundskopf", von dem schon im 2. Buch Samuelis, Kap. 3, Vers 8 König Sauls General Abner mit Unmut spricht (f. Jahrb. f. 97 S. 46 u. 48). Wichtiger freilich als die äußere Erscheinung sind die Thaten, die Umgebung und das ganze Geistesleben, die bei Sternberg ausgeprägt jüdische Art zeigen. Endlich aber haben wir auch noch das direkte Zeugnis über Sternbergs Abstammung. Die Staatsbürger-Zeitung schrieb darüber am 17. November 1900: „Wenn es auch richtig wäre, daß schon seine Eltern sich haben taufen lassen, so ist doch eben so richtig, daß Sternberg einer jüdischen Familie aus Spandau entstammt."*) Was Sternbergs Beruf anbetrifft, so ist er ein Gründer und hat es als solcher zu einem Vermögen von angeblich 18 Millionen Mark gebracht. Das Adreßbuch der Direktoren und Aufsichtsratsmitglieder deutscher Aktien-Gesellschaften (Jahrgang 1898/99) berichtet über ihn und seinen Freund Luppa Folgendes: Sternberg, August, Rentier, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Kredit- und Bau-Bank in Liquidation, des Hessisch-Rheinischen Bergbau-Vereins in Gießen, des Konsolidierten Braunkohlen Bergwerks Marie bei Atzendorf. der Radeberger Exportbrauerei-Gesellschaft in Radeberg in Sachsen, der Weimarer Bank i. L. in Weimar, Vorstandsmitglied der Gott mit Uns-Grube, Aktien- Gesellschaft für Steinkohlen-Bergbau in Nicolai (Ober-Schlesien). Berlinerstr. 150, Charlottenburg. Luppa, Paul, Direktor des Konsolidierten Braunkohlen-Bergwerks Marie bei Atzendorf, Aussichtsratsmitglied der Deutschen Kredit- und Bau-Bank in Liqu., Berlin, des Hessisch-Rheinischen Bergbau-Vereins in Gießen. Wilhelmstraße 129, Berlin S.W. Ueber die Geschichte von Sternbergs Gründungen gingen zur Zeit des Prozesses die folgenden Mitteilungen durch die Blätter: ... Er hat viele Opfer auf dem Gewissen, denn es war das unabwendbare Schicksal der Sternbergschen Unternehmungen, sie gingen zu Grunde und die Aktionäre verloren ihr Kapital. Eine der ersten „Gründungen" August- Sternbergs war die Vereinsbank. Sie wurde 1881 ins Leben gerufen und schien sich entwickeln zu wollen, denn sie verteilte im ersten Jahre 12,75 pCt. Dividende. Sie entwickelte sich auch — ganz im Interesse Sternbergs. Die Dividenden sanken und langten schließlich auf dem Nullpunkt an. Die Aktien wurden an der Börse gar nicht mehr notiert und konnten höchstens als Tapeten Verwendung finden. Die Aktionäre jammerten, aber bei der Liquidation schien ihnen wenigstens ein kleiner Teil ihres Vermögens gerettet werden zu sollen — man bot ihnen 40 PCt. Das war an und für fich schon mehr als eine Pleite erster Güte, zu einem hervorragend skandalösen Betrug wurde sie aber erst dadurch gesteigert, daß man den Aktionären die 40 pCt. nicht in baar gab. Wenn Sternberg Jemanden die Taschen leeren wollte, so besorgte er das Geschäft gründlich, und so gab er ihnen die 40 pCt. in Aktien der Skaskaer *) Wenn die an anderer Stelle dieses Jahrbuches aufgestellte Forderung erfüllt wäre, daß die Polizei verpflichtet werden sollte, jedermann Auskunft über die jüdische Abstammung zweifelhafter „Mitbürger" zu geben, so wäre die Frage nach Sternbergs Abstammung, für deren authentische Aufklärung ein dringendes öffentliches Interesse vorlag, sehr viel leichter zu beantworten gewesen.

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