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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts. · p. Seite 17

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Date
1903-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 <geben wird, und wenn bezüglich dieses die Staatsanwälte erklären können: es war ja ein bischen gegen das Strafgesetzbuch verstoßen, vorausgesetzt, daß der Betreffende als Beamter erachtet wird, aber eS ist doch ein ganz tüchtiger Beamter, — wenn das hier schon passiert, was sollen wir erst bei politischen Prozessen für möglich halten! . . . Meine Herren, ich will noch einmal hier hervorheben, so sehr wie der betreffende Fall, ln dem sich das alles abgespielt hat, der Fall Sternberg, gleichgiltig ist, so notwendig ist es, auf dieses Uebel, welches sich in solcher Gräßlichkeit bei einem gemeinen Verbrechen noch nie offenbart hat, besonders hinzuweisen .... Ich möchte sagen, man hört aus diesem Verfahren, aus diesem sonderbaren, offenbar nach Ansicht des Gerichts und der Staatsanwaltschaft mit dem Gesetz übereinstimmenden Verfahren heraus die Schutzrufe der von Schutzleuten und Gendarmen widerrechtlich Sistiertenund Mißhandelten Zu diesen Ausführungen ist zu bemerken: Der erste von den angeführten Sätzen über die Schuld Sternbergs ist so gewunden und verklausuliert, daß Abgeordneter Bindewald dem Redner mit Recht Vorhalten durste, er habe mit seinen Ausführungen für Sternberg plaidiert. Von Vernehmungen durch Stierstädter ist thatsächlich in den ganzen Prozeßverhandlungen nie die Rede gewesen, solche können also auch nicht „Untergrund der Verhandlungen" gewesen sein. Und vollends der Satz von protokollarischen Vernehmungen „ohne Protokoll" ist der Gipfel des Blödsinns; es giebt keinen milderen Ausdruck dafür. — Stierstädter hat lediglich im Aufträge seiner Vorgesetzten, zu denen auch der Staatsanwalt gehörte, recherchiert Dazu!war er da. Oder erfordert das „System des Strafprozesses" nach Herrn Stadthagens Meinung etwa, daß der Staatsanwalt überall selbst herumläuft? Die Sätze mit der Klage über die „Gräßlichkeit" des Vorgefallenen und über die „Schutzrufe der Sistierten" habe ich nur hingesetzt, um die lächerlichen Uebertreibungen, in denen sich die jüdische Interessenvertretung gefällt, zu beleuchten. Sehr zu bedauern ist es, daß der Geheimrat Dr. Nieberding den sozialdemokratischen Redner nicht abfertigte, wie er es verdient hatte, sondern sich hinter die Bemerkung verkroch, daß eine Beurteilung solcher Vorgänge nicht zu den Aufgaben der Reichs-Justizverwaltung gehörte, und daß der Prozeß außerdem ja noch in der Revisionsinstanz schwebe. Wer die Unwahrheiten und Uebertreibungen des sozialdemokratischen Redners ohne Widerspruch in's Land gehen läßt, ermuntert ihn dadurch zur Fortsetzung seines Treibens. Der Kriminal-Kommissar Thiel, der anfangs die von Stierstädter behaupteten Thatsachen leugnete, wurde sehr bald überführt, in der Nacht vom 22./2B. November verhaftet und legte dann ein Geständnis ab. Am 15. Februar 1901 wurde er nach kurzer Verhandlung wegen Bestechlichkeit und Begünstigung zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Aus seinen Aussagen im Sternberg-Prozeß und in dem gegen ihn selbst verhandelten Prozeß ergiebt sich folgendes Bild über sein Vorleben und seine Beziehungen zur Sternberg-Partei: Er ist im Jahre 1871 geboren, hat eine Zeit lang studiert, war dann Offizier und ist Schulden halber verabschiedet worden. Trotz seiner Schulden wurde er als Kriminal-Kommissar angestellt, es gelang ihm aber nicht, seine Verhältnisse zu ordnen. Um Neujahr blieben ihm von seinem Gehalt nur noch 20 bis 30 Mark übrig. Da hörte er, daß Luppa bei zwei Kollegen gewesen wäre, um sie für die Sternberg- Partei zu gewinnen, und kam, statt sofort von dem Gehörten Meldung zu machen auf den Gedanken, sich anzubieten. Er hoffte, dabei so viel zu verdienen, daß er abgehen und ein eigenes Detektiv-Bureau aufmachen könnte. So bietet er sich also Luppa als Polizei-Agent, der Detektivdienste thun könne, an. Bald darauf wohnt er zufällig in Kommiffar v. Tresckows Zimmer der Vernehmung der Callis bei und macht Luppa davon Anzeige. Die Beiden gehen mit Münchhausen zur 2

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